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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadWas mich erschreckt
22.06.2003 18:11
HiddenNickname
0 Hi alle zusammen, einige Beiträge haben mich mehr als erschreckt. Wenn ich von Leuten lese, die so gut wie noch nicht gearbeitet haben, aber dann groß die Meinung vertreten, daß erst die eigenen Ersparnisse zu verbrauchen sind, ehe Sozialhilfe/Arbeitslosengeld beantragt wird. Gut ist in Ordnung. Dann aber auch wirklich alle über einen Kamm scheren. Dann aber auch mit 14 in die Lehre und dann den sogenannten 2. Bildungsweg beschreiten. Das bedeutet: Tagsüber arbeiten gehen, und abends auf die Schulbank. Vieler derer die ich kenne haben in den 60ern genau das getan. Es war eben nicht die Change da und Frauen durften schon garnicht auf die "Mittelschule" oder die Realschule" gehen. So auch ich. Ich mußte um weiterzukommen den 2. Bildungsweg beschreiten. Morgens um halb fünf aufstehen, dann 7 km mit dem Fahrrad zur Lehrstelle. Dann nach Feierabend gegen 16:45 Uhr das mitgenommene Brot verspeisen und ab zur Abendschule "Frau-Rath-Goethe-Gymnasi um". Um 17:30 war Unterrichtsbeginn und der ging bis 21:30 Uhr. Dieser Tagesablauf war an 4 tagen in der Woche. Mont, Dienst, Donnerstas und Freitags. Am Samstag gab es die Möglichkeit eines zusätzlichen Aufbauunterrichtes, der sehr gut besucht war. Denn nach 8 Stunden Arbeit, war die Konzentration nicht mehr so gut. Viele konnten aber am Samstag nicht kommen, da für viele noch bis 12:00 Uhr arbeiten angesagt war. Und samstagnachmittags wurde gebüffelt und gelernt anstatt in Diskos abzuhängen. Der Sonntag sah nicht besser aus. Ich will nicht jammern, aber wir haben damals über den 2. Bildungsweg nicht nur ein Technikum, Abitur, oder gar noch die Fachhochschulreife erlangen kö nnen, sondern wir haben auch verzichten gelernt um was besseres zu erreichen. Als meien Tochte, die lebt nicht in Deutschland auf mein anraten hin, zu mir kam und wollte mehr Taschengeld, da habe ich ihr gesagt: Dann gehe dir etwas verdienen. Sie mußte nicht den mehr als ungemütlichen Weg des 2. Bildungsweges gehen. Sollte sie auch nicht, aber für zusätzliche Dinge die sie haben wollte mußte sie Jobs annehmen. Damit sie erfahren konnte was die mark wert ist, die selbst verdient wurde. Und oft und gerne kommt sie mich besuchen. Sie hat gelernt auf eigene Füsse zu stehen. Sie hat gelernt, worauf es ankommt im Leben. Und sie hat noch etwas gelernt aus eigenem Erleben: Das keiner schlechter ist nur weil er arbeitslos ist, sozialhilfeempfänger ist oder gar pech gehabt hat im leben. Sie ist sozial eingestellt unddenkt über viele Dinge, die in deutschland geschehen ganz anders als viele andere. Wir reden von Menschenrechten, von Unterdrückung, von vielen schlechten Dingen, die überall passieren. Warum fangen wir nicht mal im eigenen Lande an. Warum hinterfragen wir nicht mal, ob das wirklich alles so richtig ist was uns erzählt wird. Warum prüfen wir nicht mal vorurteilsfrei das was die reichen uns vorgaukeln wollen. Warum wird das GG der Bundesrepublik Deutschland dermassen mit Füssen getreten und keiner ruft " STOP ". Warum ist die politische Bildung so niedrig und so dürftig, warum interessiert sich kaum jemand für die Gesetzestexte, warum wird oft nur nachgeplappert UND warum wird so gegen sozial Schwache vorgegangen. Als "die Grünen" vor über 20 jahren anfingen Politik zu m,achen, war es eine Politik für die Umwelt, für die Mütter, fpür die Frauen, für die Kranken und gegen den Krieg. Wer kann sich noch an die großen Friedensdemos in Bonn (1982) erinnern. 1 Millionen Menschen in der Bundeshauptstadt. Wer kann sich noch an die große Ostermarschbewegung für Abrüstung und gegen Sozialabbau erinnern. Viele von denen die mit dabei waren haben schon einmal einen radikalen Sozialabbau mitgemacht. Etliche haben noch ein Deutschland in Erinnerung, was total zerstört war. Wer kennt noch FJS, der Atomminister 1953 und der auch im NSKK Leiter war. Wer kennt noch die Schergen, die damls ganze Nationen ins Elend stürzte. Wer kennt denn die Zusammenkunft im Bankhaus Schröder, wer kennt denn die Namen IG-Farben, Thyssen, Krupp, Flick und andere. Warum ist gerade in Deutschland eien so enorme Poltikgleichgültigkeit zu finden. Viele Fragen. Ich erwarte keien Antwort mehr. Warum auch. Wer kennt den das was im "Roten Wedding" geschah, Wer weiß denn woher der Name eines bekannten politisch aktiven Motoradclubs stammt " kuhle Wampe " Hi an die Berlinerinnen ihr müsstet wissen was "kuhle Wampe" bedeutet. Und ich muß ganz ehrlich sagen: Eher gebe ich einem der bedürftig ist meien Knete als dem Staat. Mit ewinem Sprichwort des "Schusters Wilhelm Vogt" aus der "Hauptmann von Köpenik" endden: "Ja eine Laus lebt. Aber erst kommt de Kaus, dann de Lausordnung. Erst kommt der Mensch dann de Menschenordnung." Ich hoffe nie, daß solche Zeiten wie unsere Eltern, die jetzigen alten Rentner mit 80, erleben mußten, nochmals wiederkehren. ABER: Dafür muß man was tun. Bikerwoman
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