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brauchen oder wollen?

moryah
HiddenNickname
offline
11.08.2006 23:01
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ich glaube, manchmal benutzt man unbedacht worte (egal ob verbal geäußert oder eher intern für sich selbst in gedanken), die man gar nicht wirklich meint, nur weil sie in den entsprechenden kontexten halt irgendwie immer benutzt werden.

z.b. wenn man verliebt ist, oder liebt, oder sehnsucht hat, oder alles zusammen, dann neigt man doch dazu, dem gefühl, vor allem dem, das durch das fehlen dieser person auftritt (besonders, wenn es sich um ein negativ-schmerzhaftes fehlen im sinne von "oh weh.alles aus.vorbei." handelt, nicht dieses verliebte "wir haben uns schon eine stunde nicht gesehen ich vermiss dich so"-ding.), in allen erdenklichen variationen ausdruck zu verleihen. und dann hat man irgendwann ggf. so worte im kopf (und wenn man schlau ist, spricht man sie meines erachtens nicht aus...) wie: "ich brauche dich".
ich denk manchmal, dass man sich gar nicht so wirklich klar macht, was man damit eigentlich aussagt. ich denke weiterhin, dass man es meist verwechselt mit "ich will dich".
wollen kann sich mindestens genauso intensiv anfühlen wie brauchen, und wenn man das, was man will, nicht bekommt, kann das mindestens genauso schmerzhaft sein.
also was ist der unterschied? warum denke/fühle/sage ich "ich brauche dich" anstelle von "ich will dich". (ich denke ab einem bestimmten grad an reflexion braucht man auch nicht mehr darüber reden, dass es ohnehin nicht um ein tatsächliches "brauchen" im sinne von "lebensnotwendig" geht. man hat vorher gelebt, und man wird auch hinterher noch weiterleben.)
im normalen "liebes-sprachgebrauch&qu ot; wird es ja manchmal sogar sysnonym mit "ich liebe dich" verwendet.
ich persönlich glaube ja tatsächlich, dass es helfen könnte, an dieser stelle den eigenen wortschatz mal zu überdenken / zu überarbeiten.
denn das negative, das mit "ich brauche dich" implizit mit einhergeht, findet keinerlei entsprechung in evtl. vorhandenen positiven aspekten, die dieser formulierung den vorzug vor "ich will dich" geben könnten.
"brauchen" impliziert eine abhängigkeit, ein ausgeliefert-sein, eine bedingungslosigkeit, die meiner ansicht nach in zwischenmenschlichen beziehungen nichts zu suchen hat. es zwingt die andere person dazu, sich mit der absoluten verantwortung über mich und meine befindlichkeit konfrontiert zu sehen, und das darf man keinem anderen menschen aufbürden.
gleichzeitig spricht man sich selbst jegliche autonomie und jeden selbstwert ab.
"wollen" dagegen hat etwas freies, freiwilliges. und trotzdem steht es der intensität von "brauchen" in nichts nach, kann sich genauso tief und erfüllend anfühlen, und genauso gnadenlos umfassend schmerzen, wenn es nicht erfüllt wird.
ich denk den unterschied kann man ganz gut darin erkennen, wie sich das eigene selbst-verständnis verändert, wenn man erkennt, dass das, was man fühlt, nicht "brauchen" ist, sondern "wollen". es ist ein bisschen wie durchatmen und den kopf heben.
denn in wirklichkeit "braucht" man die andere nicht (und wenn das, was man für die andere empfindet, einem "brauchen" gleichkommt, sollte man schleunigst etwas daran ändern.), man "will" sie. und das schafft einen rahmen, in dem man sich trotz der emotionalen bindung, die man zu der geliebten person eingeht, frei fühlen kann. und die eigenen gefühle als ein geschenk ansehen kann, nicht als quälende notwendigkeit.
hat man angst, die eigenen gefühle bzw. die person, auf die sie sich beziehen, abzuwerten, wenn man sie als etwas sieht, was man als bereicherung, als geschenk ins leben integrieren möchte, aber nicht lebensnotwendig braucht?
bzw. andersrum gesehen, versucht man, das, was man fühlt, aufzuwerten, indem man es "brauchen" nennt & es so zu etwas essentiell für's eigene seelenheil wichtigem hochstilisiert?
das ist im grunde schade, unnötig & kontraproduktiv, weil ich denk dass "wollen" dem wesen von liebe näher kommt als "brauchen".
es ist ja umgekehrt auch so, dass man die andere person & das, was sie einem gibt, viel mehr wertschätzt, wenn man ihr ebenso zugesteht, einen selbst nicht zu brauchen. möchte ich eine person, die mich braucht, oder eine, die mich will? (<-rhetorische frage, denke ich...)
man schafft sich natürlich eine (fragwürdige) sicherheitsbasis, wenn man sich "braucht", denn was man braucht, kann man nicht einfach so loslassen (selbst wenn man will...).

die gedankenfäden gleiten mir aus den händen, deshalb an dieser stelle ein abrupter abbruch.
denen, die sich durch das da oben gekämpft haben: ich danke für die geduld ;-)
flusie
HiddenNickname
offline
12.08.2006 12:48
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delugePatio
HiddenNickname
offline
11.08.2006 23:46
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