das letzte mal
das letzte mal
die hitze dauerte nun schon monate an. weit hinten am horizont flimmerte sie, sodass die linie zwischen himmel und erde verwischte . niemand konnte sagen, wo der himmel anfing und die erde aufhörte. viel länger aber, nämlich schon viele jahre, wurden wir vom bürgerkrieg und seinen nachfolgenden unruhen geplagt - niemand, der nicht feuer gefangen hatte. die trockenheit schien nicht nur die erde zu verdorren, sondern auch die letzten menschlichen gedanken in unseren köpfen.
wir liefen schnell über den vorplatz des alten hangargeländes. die flugzeughallen standen noch, waren aber stark verrostet und nicht viel mehr als ein haufen blech. die menschen im umland nutzten das gelände als schrottplatz. so schlängelten wir uns geschickt und flink vorbei an alten ölfässern, kühlschränken, autoreifen, autowracks, fahrrädern und… und… und. wir kannten den weg über den schrottplatz genau. die meisten von uns besaßen keine schuhe und wer sich einmal an irgenwelchem rostigen zeug die fußsohle aufgerissen hatte, dem passierte das so schnell nicht wieder. in den hallen angekommen machten wir uns routinemäßig >an die arbeit<. wir holten die alten gewehre aus den verstecken und luden sie mit der munition, die segal letzten monat auf >dem markt< besorgt hatte. das war das letzte, was er für unsere gruppe tun konnte. drei tage später schnappten sie ihn bei einer razzia. seit dem war er verschwunden. alle wussten, dass wir ihn nicht wiedersehen würden.
deshalb waren wir umso hasserfüllter und wollten ihn rächen um jeden preis, dachten wir. vielleicht versuchten wir auch, das gefühl der ohnmacht zu bekämpfen. erst viel später kam mir in den sinn, dass er es nicht gewollt hätte. möglicherweise wäre vieles anders gekommen… so aber machten wir uns bewaffnet auf den weg. die meisten waren kaum älter als 16 oder 17. hitzköpfig und unüberlegt, geprägt von dem, was ihre eltern und die größeren brüder ihnen eingebläut hatten. dass nur wenige aus der wüste zurückgekehrt waren - es erschien uns normal. anders kannten wir es nicht.
es sollte das letzte mal sein, dass ich ein gewehr in den händen halte.
wir waren gerade aus der halle herausgetreten, da hörten wir ihn schon. schrapp-schrapp-schrapp - bedrohlich kam das geräusch näher. jeder wusste, dass wir gegen einen hubschrauber keine chance hatten. trotzdem versuchten wir nicht, in der halle schutz zu suchen. näher und näher kam der hubschrauber, bis er schließlich über unseren köpfen kreiste. plötzlich erschien mir die waffe in meinen händen unendlich schwer. ich musste alle kraft aufbringen, um sie gen himmel zu richten . nach jedem schuss drohte der rückstoß mich zu boden zu werfen. meine knie schienen dem druck nicht länger standzuhalten. irgendwann gaben wir auf. es war ganz klar, dass wir keine gefahr darstellten. sie schossen nicht mal zurück, sondern warteten einfach, bis unsere munition aufgebraucht war.
dann landeten sie gleich neben den hallen und schnapppten uns. es war uns egal, was sie mit uns anstellen würden. aber wir hatten glück, denn die sogenannten wahlen kündigten sich an. drei tage wasser und brot. das war alles. viel schlimmer hatte ich es mir vorgestellt.
in der folgenden zeit wurde es ruhiger. abends saß ich oft mit aunty im staub vor der hütte. sie sang mit ihrer hellen stimme abend für abend dieselben melodien und wippte dabei seicht von links nach rechts und wieder zurück. gemeinsam sahen wir die ersten regentropfen in diesem jahr fallen und sie erzählten uns von einer besseren zukunft.
die hitze dauerte nun schon monate an. weit hinten am horizont flimmerte sie, sodass die linie zwischen himmel und erde verwischte . niemand konnte sagen, wo der himmel anfing und die erde aufhörte. viel länger aber, nämlich schon viele jahre, wurden wir vom bürgerkrieg und seinen nachfolgenden unruhen geplagt - niemand, der nicht feuer gefangen hatte. die trockenheit schien nicht nur die erde zu verdorren, sondern auch die letzten menschlichen gedanken in unseren köpfen.
wir liefen schnell über den vorplatz des alten hangargeländes. die flugzeughallen standen noch, waren aber stark verrostet und nicht viel mehr als ein haufen blech. die menschen im umland nutzten das gelände als schrottplatz. so schlängelten wir uns geschickt und flink vorbei an alten ölfässern, kühlschränken, autoreifen, autowracks, fahrrädern und… und… und. wir kannten den weg über den schrottplatz genau. die meisten von uns besaßen keine schuhe und wer sich einmal an irgenwelchem rostigen zeug die fußsohle aufgerissen hatte, dem passierte das so schnell nicht wieder. in den hallen angekommen machten wir uns routinemäßig >an die arbeit<. wir holten die alten gewehre aus den verstecken und luden sie mit der munition, die segal letzten monat auf >dem markt< besorgt hatte. das war das letzte, was er für unsere gruppe tun konnte. drei tage später schnappten sie ihn bei einer razzia. seit dem war er verschwunden. alle wussten, dass wir ihn nicht wiedersehen würden.
deshalb waren wir umso hasserfüllter und wollten ihn rächen um jeden preis, dachten wir. vielleicht versuchten wir auch, das gefühl der ohnmacht zu bekämpfen. erst viel später kam mir in den sinn, dass er es nicht gewollt hätte. möglicherweise wäre vieles anders gekommen… so aber machten wir uns bewaffnet auf den weg. die meisten waren kaum älter als 16 oder 17. hitzköpfig und unüberlegt, geprägt von dem, was ihre eltern und die größeren brüder ihnen eingebläut hatten. dass nur wenige aus der wüste zurückgekehrt waren - es erschien uns normal. anders kannten wir es nicht.
es sollte das letzte mal sein, dass ich ein gewehr in den händen halte.
wir waren gerade aus der halle herausgetreten, da hörten wir ihn schon. schrapp-schrapp-schrapp - bedrohlich kam das geräusch näher. jeder wusste, dass wir gegen einen hubschrauber keine chance hatten. trotzdem versuchten wir nicht, in der halle schutz zu suchen. näher und näher kam der hubschrauber, bis er schließlich über unseren köpfen kreiste. plötzlich erschien mir die waffe in meinen händen unendlich schwer. ich musste alle kraft aufbringen, um sie gen himmel zu richten . nach jedem schuss drohte der rückstoß mich zu boden zu werfen. meine knie schienen dem druck nicht länger standzuhalten. irgendwann gaben wir auf. es war ganz klar, dass wir keine gefahr darstellten. sie schossen nicht mal zurück, sondern warteten einfach, bis unsere munition aufgebraucht war.
dann landeten sie gleich neben den hallen und schnapppten uns. es war uns egal, was sie mit uns anstellen würden. aber wir hatten glück, denn die sogenannten wahlen kündigten sich an. drei tage wasser und brot. das war alles. viel schlimmer hatte ich es mir vorgestellt.
in der folgenden zeit wurde es ruhiger. abends saß ich oft mit aunty im staub vor der hütte. sie sang mit ihrer hellen stimme abend für abend dieselben melodien und wippte dabei seicht von links nach rechts und wieder zurück. gemeinsam sahen wir die ersten regentropfen in diesem jahr fallen und sie erzählten uns von einer besseren zukunft.