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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Thread...die Frau meiner Träume...
03.04.2009 15:18
HiddenNickname
0 Verlaufen Wir hatten uns verlaufen, in den Dünen, die Frau meiner Träume und ich. Das Meer rauschte, und wir redeten kein Wort. Seit einer halben Stunde redeten wir kein Wort. Ich war unendlich weit weg, ich hätte noch Stunden durch die Gegend laufen können, ich war allein auf der Welt. Die Frau meiner Träume, versteht mich nicht falsch, wenn ich sie Frau meiner Träume nenne, sie ist aus Fleisch und Blut, ich habe sie vor drei Jahren kennengelernt, die Frau meiner Träume, ich will nie mehr ohne sie sein. Sie ging neben mir her, ich weiß nicht, wie sie sich fühlte, ob sie überhaupt etwas fühlte. Ärger, Freude, Angst, Müdigkeit, Liebe. Es war dunkel, es war seit Stunden dunkel, ich wusste nicht, in welche Himmelsrichtung wir mussten. Ich stieg runter ans Meer, sie folgte mir. Ich hätte nichts anderes getan, wenn sie mir nicht gefolgt wäre. Die Frau meiner Träume, ich rief mir ihr Bild vor Augen, obwohl ich nur den Kopf hätte zur Seite drehen müssen. Ihre blonden Haare, die weichen Gesichtszüge, ihre lachenden Augen, diesen Blick, den ich liebte, diesem Blick, der mir sagte, dass sie mich verstand. All ihre Schönheit, etwas Besseres hätte mir nicht passieren können. Ich ging nach links den Stand runter, ich würde nie wieder müde werden, nie wieder würden falsche Hoffnungen meine Seele beschweren, nie wieder würde ich ohne Liebe sein. Ich wünschte, der Strand würde nie enden, ich wünschte, wir würden immer so weitergehen, mein Mädchen und ich, ich wünschte, die Welt wäre eine Scheibe, und wir würden immer weitergehen. Nichts Böses konnte unseren Weg säumen. Nur im Augenblick war ich allein. Ich fühlte mich warum und gleichzeitig verletzlich, ich wollte einfach nur weitergehen in der Dunkelheit. Wir schwiegen, und ich wollte nicht, dass die Macht der Worte meine Gefühle bröckeln ließ, ich wollte nicht, dass sie den Mund aufmachte. Wir gingen immer weiter, es war still, die ganze Welt war verstummt. Wir sahen in der Ferne die Lichter von Hotels, die in dieser Stunde der Nacht schläfrig und still dalagen wie Löwen nach dem Mahl. Wir gingen immer weiter, bis es dämmerte. Ich vergaß, dass wir uns eigentlich verlaufen hatten. Als die Sonne über dem Meer erschien, blieb ich stehen. Ich liebe die Sonne, und ich liebte diese Frau, die die ganze Zeit neben mir hergegangen war, ohne ein Wort zu sagen. Ich sah sie im ersten Licht. Ich sank auf die Knie, und jeder von euch hätte das auch getan. Ich sah zu ihr auf, ich war groß, ich war voller Liebe, ich hätte alles auf der Welt sein können. Sie sah mich an, mit diesem Blick, diesem unglaublichen Blick, in dem ich mich aufgehoben fühlte. Wir kehrten um, wir gingen genau denselben Weg zurück, es war nicht schwer. Wir hatten uns also eine Nacht lang verlaufen, die Frau meiner Träume und ich. Nur habe ich sie schon lange nicht mehr gesehen, und diesen Blick, diesen Blick hat sie nie gehabt. (leider nicht von mir, sondern von Selim Özdogan, in "Trinkgeld vom Schicksal" )
editiert am 03.04.2009 21:04
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