eine Familiengeschichte
anstatt immer nur CO-geschichten oder Lovestories zus schreiben, was ich oft tue, wollte ich auch mal das Thema Regenbogenfamilie aufgreifen! Viel Spaß beim Lesen!
Mama, Martina, Anita und der Regenbogen
Der Gang hing voll mit selbstgemalten Bildern und durch die großen Glasfronten links und rechts schien die Sonne und ließ alles in einem wunderbaren Licht erstrahlen. Es war ein herrlicher Sommermorgen, als Mama und Anita Martina zum Kindergarten brachten. Sie durfte heute das erste mal hier bleiben – ganz alleine ohne Mama oder Anita, ganz alleine, wie stolz sie war. Martina lief zwischen den beiden und hielt beide gaben ihr die Hand, als sie langsam auf eine Tür am Ende des Korridors zusteuerten. Sie hüpfte ein wenig und sang eins ihrer Lieblingslieder, ihre kleinen braunen Kringellöckchen glänzten im Sonnenlicht. Mama konnte nicht mehr auf Martina aufpassen, weil sie wieder anfing zu arbeiten und so hatten sie einen Kindergarten gesucht, in dem sie Martina unterbringen konnten. „ab heute darfst du jeden Tag mit ganz vielen anderen kleinen Jungen und Mädchen spielen“, hatte Mama ihr gesagt und Martina konnte es gar nicht fassen, bis Anita sagte „ja, und alle sind genauso alt wie du“ Sie hat sich schon so auf heute gefreut und ist ganz schön aufgeregt. Das letzte mal so aufgeregt war sie, als sie ihren 4. Geburtstag feierte. Die Tür am Ende des Korridors, auf der in großen, dicken Buchstaben „Mäuschengruppe& #8220; steht öffnet sich langsam. Und Mama, Anita und Martina treten herein. Der Raum ist noch leer. Na ja, das heißt nicht ganz, da steht eine große, etwas dickere blonde Frau. „Die Kindergärtnerin“, denkt Martina. Frau Neuhaus, die Leiterin der Mäuschengruppe schaut Mama und Anita etwas verwundert an. Frau Ebers, Martinas Mutter, weißt natürlich warum. Vielleicht hätte sie Anita, ihre Lebensgefährtin nicht mit hierher nehmen sollen. Aber warum sollte sie sie verstecken? Sie waren doch eine Familie und sicher wird auch Anita mehr als einmal Martina vom Kindergarten abholen. Nein, es war schon richtig. „Ich dachte, sie wollten mit ihrem Lebensgefährten kommen“, sagt Frau Neuhaus schließlich. „Das ist richtig, deswegen sind wir ja auch zu zweit erschienen“. Martina versteht nicht, was die Großen reden, sie sieht nur, wie Frau Neuhaus Mama und Anita einen abschätzigen Blick zuwirft, der von einem leicht ärgerlichen Blick Anitas erwidert wird. Dann beugt sich Frau Neuhaus herunter zu Martina. „Und du musst Martina sein, oder“ Martina strahlt und nickt. „Na dann willkommen in der Mäuschengruppe. Die anderen Kinder müssen auch bald kommen“ „Ich werde sie um 12 Uhr wieder abholen“, sagte Anita, als Frau Neuhaus sich wieder aufrichtet und sie mit einem Blick anschaut, als würde sie sie nicht ernst nehmen, bis Mama schließlich nickt. Dann nehmen Anita und Mama Martina noch einmal in den Arm, verlassen das Zimmer, winken ihr auf dem Gang noch mal zu und dann sind sie weg. Jetzt war nur noch Frau Neuhaus da. „Satz dich doch mal in den Stuhlkreis, bis die anderen Kinder kommen“, sagt sie freundlich zu Martina und Martina setzt sich in den Stuhlkreis. Frau Neuhaus spielt ein Puzzle mit ihr und sie reden. Es ist fast wie zuhause. „Wo ist denn eigentlich dein Papa“, fragt Frau Neuhaus Martina schließlich. „Ich hab keinen“, sagt Martina „und deiner“, fragt sie frech. Doch Frau Neuhaus lacht nicht, sondern fragt „aber du musst doch einen Papa haben, jedes Kind hat doch einen Papa“. Martina zuckt mit den Schultern „Ich weiß nicht. Vielleicht ist Anita ja mein Papa“. „Aber du hättest doch gerne einen Papa, oder?“ Martina zuckt mit den Schultern, dann sieht sie eine Puppe in der Ecke und sagt „he, da ist ja eine Puppe“. Frau Neumann gibt es auf, Martina über die Familienverhältnisse auszufragen. Sie hatte gehofft, herauszufinden, ob das Mädchen einen Vater hat und ob es ihr schlecht bei 2 Frauen geht. Immerhin kann es einem Kind nur schlecht gehen, wenn es in so einem Umfeld aufwächst. Doch scheinbar haben die Eltern – oder besser gesagt ihre Mutter und deren Geliebte - ihr eingetrichtert nichts darüber zu sagen. Also lässt sie das arme Mädchen lieber mit der Puppe spielen. Etwa 2 Minuten später ist der Gang voll mit jungen Familien. Immer wieder betritt ein juges Ehepaar – Mann und Frau- das Zimmer um ihr kleines Mädchen oder ihren kleinen Jungen in der Mäuschengruppe abzugeben. Immer wieder sieht Martina, wie sich die Kinder von ihrem Vater verabschieden. Vater, das ist so ein Mann, der mit der Mama zusammenlebt und sich um das Kind kümmert, das weiß sie, das hat sie bei ihrer Cousine und den Nachbarskindern gesehen. Manche Kinder kommen auch nur mit ihrer Mama oder nur ihrem Papa, aber niemals kommen 2 Frauen. Irgendwie fühlt sich Martina gar nicht mehr so wohl hier, weil sie merkt, dass sie irgendwie anders ist als all die anderen Kinder. Als sie den Vormittag lang spielen erzählen alle immer wieder von ihren Mamas und Papas und fragen Martina, was ihr Papa macht. Sie sagt jedes Mal, sie hätte keinen und wenn die anderen sie fragen, ob er denn gestorben sei, wie der Papa von Markus oder ob sich ihre Mama und ihr Papa nicht mehr lieb gehabt hätten so wie bei Angelika muss sie jedes mal sagen „nein, ich hab keinen Papa, hatte noch nie einen“. Und sie weiß selber nicht, warum sie keinen hat. So geht das die ganze Zeit bis 12 Uhr, als die Eltern kommen um ihre Kleinen abzuholen. Martina hört wie hier ein Junge und da ein Mädchen ihren Eltern erzählen, dass Martina keinen Papa hat, dafür 2 Mamas. Und die Eltern schauen Martina dann immer ganz komisch an, irgendwie mit Mitleid aber auch mit.. mit Ekel. Und dann kommt endlich Anita. Ihre kurzen schwarzen Haare sieht man schon von weitem. Martina umarmt Anita, winkt der Kindergärtnerin noch zu und dann gehen sie. „Hast du Lust auf ein Eis?“, fragt Anita Martina, als sie den Korridor entlang in Richtung Ausgang laufen. „jaaaa“, sagt Martina und strahlt über das ganze Gesicht. Doch als sie im Auto sitzen kann sie nur immer wieder darüber nachdenken, warum sie keinen Papa hat, wie die anderen kleinen Mädchen und Jungen. Doch sie traut sich nicht Martina zu fragen, sie hat irgendwie Angst, dass sie böse auf sie sein könnte. Anita fährt mit Martina in ihre Lieblingseisdiele. Es ist so schön warm, dass das Eis fast in der Sonne geschmolzen ist, bis Martina es aufessen konnte. „Und jetzt erzähl mal, wie es im Kindergarten war“, meint Anita. Martina fühlt sich nicht gut, aber sie erzählt Anita dann von der tollen Puppe, von Angelika und Markus, die mir ihr Haustiere gespielt haben (ihr Lieblingsspiel) sie erzählt von „bin in den Brunnen gefallen“ und den vielen kleinen Toiletten und Waschbecken, die genau auf ihre Größe ausgerichtet sind. „Na, dann war das doch ein toller Tag, oder“ „Ja“, Martina nickt. Dann fahren Anita und Martina nach Hause und Martina spielt in ihren Zimmer, während Anita am PC arbeitet. Martina spielt mit ihren Puppen, spielt Mama, Anita und sie nach und lässt sich ihre Puppen gegenseitig Fragen stellen. Sie weiß einfach nicht, warum sie keinen Papa hat. Als sich um 17 Uhr das Schloss in der Türe umdreht und eine total erledigte Mama reinkommt, springt Martina sofort auf und fällt ihr um den Hals, ohne, dass Mama auch nur dazu kommt, ihre Taschen abzustellen. „Na heute bist du aber stürmisch“, sagt Mama und lächelt Anita an, die inzwischen auch im Gang steht. „Ja“, sagt Martina „und ich lass dich nicht los“ Mama knuddelt Martina noch mal, während Anita mit einem „na dann deck ich mal fürs Abendessen“ in der Küche verschwindet. Nachdem Martina Mama erzählt hat, was sie heute so alles „angestellt̶ 0; hat und Mama Martina erzählt, was sie „angestellt̶ 0; hat, sitzen die drei schließlich am Küchentisch und essen. Anita und Mama führen für eine ganze Weile lang wieder diese Erwachsenengespräche, von denen Martina nichts versteht. „tja, es ist halt alles nicht so leicht“, sagt Mama schließlich etwas traurig und Anita nickt. Dann ist es ruhig. Martina spürt, dass grade etwas ernstes beredet wurde, weil Mama und Anita immer so sind, wenn sie was Ernstes bereden. Und jetzt wo keiner mehr redet, kann sie ja eigentlich sagen, was sie schon die ganze Zeit belastet. Soll sie? Ja! „Warum habe ich eigentlich keinen Papa?“, sagt sie schließlich. Anita und Mama blicken auf und schauen sich verwundert an, bis Anita Mama zunickt. Sie hatten gewusst, dass Martina irgendwann einmal diese Frage stellen würde. Sie war ja kein dummes Kind und würde irgendwann merken, dass ihre Familie anders ist als die der anderen. Aber wie sollte man einer Vierjährigen erklären, was lesbisch ist und das Mama mit einem Mann zusammenlebte, weil sie Angst vor negativen Reaktionen hatte, bis sie Anita traf. Diesen schwierigen Teil hatten sie so oft besprochen und fanden doch niemals wirklich eine Lösung. „komm mal her“, sagte Mama. Und Martina krabbelt zu Mama auf den Schoß. „Du hast sicher mitbekommen, dass die anderen Kinder alle irgendwo einen Vater haben oder hatten“ Martina nickt. „Nun, bei uns ist es ein wenig anders“ Sie bricht ab, wie soll sie es erklären. Doch Anita lächelt ihr zuversichtlich zu. Mama atmet tief durch. „weißt du, die anderen Kinder haben eine Mama und einen Papa, weil sich ihre Mama und ihr Papa sehr lieb haben und zusammen ein Kind wollten. Manche Mamis und Papis mögen sich nicht mehr, aber haben sich mal gemocht.“ Martina nickt. „nun, die ganzen Mamis, die du gesehen hast mögen Männer und haben irgendwann gemerkt, dass sie den Papa ganz besonders lieb haben. Und die Papas mögen Frauen und haben irgendwann gemerkt, dass sie die Mamas ganz doll lieb haben“ Jetzt kam der schwierigste Teil. „soll ich übernehmen?“, fragt Anita. Aber Mama schüttelt den Kopf, sie will weiter erzählen. Martina ist ganz gespannt, dann spricht Mama weiter „Aber nicht alle Mamis mögen Männer. Und nicht alle Papis mögen Frauen. Es gibt auch Mamis, die Frauen mögen und Papis, die Männer mögen. Und ich bin eine Mami, die Frauen mag und Anita ist auch eine Mami, die Frauen mag und dann haben wir uns gefunden und haben uns genauso lieb wie all die anderen Mamis und Papis, nur dass wir 2 Mamis sind, hast du das verstanden?" Martina nickt. Das Gespräch dauert noch eine ganze Weile. Mama muss Martina noch erklären, wie sie auf die Welt kam, weil Martina im Kindergarten gehört hat, dass man dazu eine Mami und einen Papi braucht. Mama muss Martina erklären, dass ihr Papi sie zwar in Mamas Bauch getan hat, wie bei den anderen Mamis und Papis, dass sie Papi aber nicht lieb gehabt hat und niemals einen Mann so lieb gehabt hat wie Anita und dass sie den Papi verlassen musste, weil sie sonst ganz traurig geworden wäre. Sie muss Martina auch sagen, dass es Mamis und Papis gibt, die Männer und Frauen mögen, weil sie zufällig als ein Elternpaar im kindergarten über Martina sprach das Wort „bi“ gehört hatte. Sie muss Martina sagen, dass die meisten Menschen Mamis, die Mamis und Papis, die Papis lieb haben nicht mögen und dass sie mit Papi zusammen war, weil sie Angst hatte, dass die Menschen sie auch nicht mögen würden. Und am Ende erzählt sie Martina sogar, dass die Mamis, die (auch) Mamis mögen und die Papis, die (auch) Papis mögen einen Regenbogen als Zeichen erfunden haben, damit sie andere solche Mamis und andere solche Papis erkennen können, wenn sie mal alleine sind, so wie Anita mit ihre huete Mittag beim Eisessen und und und....
Als Martina an dem Abend im Bettchen liegt nimmt sie sich ganz fest vor, den anderen Kindern von den Mamis, die Mamis lieb haben und den Papis, die Papis lieb haben zu erzählen, ohne dass Frau Neuhaus etwas mitbekommt, weil Mami gesagt hat, die Frau Neuhaus würde Mama und Anita nicht mögen. Im Kindergarten klärt sie alle Kinder über Homosexualität auf und alle Kinder hören ihr erstaunt zu. Aber alle müssen ihr versprechen ihren Eltern nichts zu sagen, weil die sonst Mama und Anita und Martina nicht mehr mögen würden. Und als Martina am Nachmittag ganz stolz in ihrem Zimmer sitzt, denkt sie nicht mehr darüber nach, warum sie keinen Papa hat, sondern sie schnappt sich ein Blatt Papier und ihre Wachsmalstifte und malt einen riesigen bunten Regenbogen und unter den Regenbogen malt sie Mama und Anita. Zwischen den beiden Frauen malt sie ein kleines vierjähriges Mädchen mit braunen Kringellocken. Und unter das Bild schreibt sie in ihrer Martinaschrift, die keiner lesen kann, ganz heimlich „meine Familie“
Mama, Martina, Anita und der Regenbogen
Der Gang hing voll mit selbstgemalten Bildern und durch die großen Glasfronten links und rechts schien die Sonne und ließ alles in einem wunderbaren Licht erstrahlen. Es war ein herrlicher Sommermorgen, als Mama und Anita Martina zum Kindergarten brachten. Sie durfte heute das erste mal hier bleiben – ganz alleine ohne Mama oder Anita, ganz alleine, wie stolz sie war. Martina lief zwischen den beiden und hielt beide gaben ihr die Hand, als sie langsam auf eine Tür am Ende des Korridors zusteuerten. Sie hüpfte ein wenig und sang eins ihrer Lieblingslieder, ihre kleinen braunen Kringellöckchen glänzten im Sonnenlicht. Mama konnte nicht mehr auf Martina aufpassen, weil sie wieder anfing zu arbeiten und so hatten sie einen Kindergarten gesucht, in dem sie Martina unterbringen konnten. „ab heute darfst du jeden Tag mit ganz vielen anderen kleinen Jungen und Mädchen spielen“, hatte Mama ihr gesagt und Martina konnte es gar nicht fassen, bis Anita sagte „ja, und alle sind genauso alt wie du“ Sie hat sich schon so auf heute gefreut und ist ganz schön aufgeregt. Das letzte mal so aufgeregt war sie, als sie ihren 4. Geburtstag feierte. Die Tür am Ende des Korridors, auf der in großen, dicken Buchstaben „Mäuschengruppe& #8220; steht öffnet sich langsam. Und Mama, Anita und Martina treten herein. Der Raum ist noch leer. Na ja, das heißt nicht ganz, da steht eine große, etwas dickere blonde Frau. „Die Kindergärtnerin“, denkt Martina. Frau Neuhaus, die Leiterin der Mäuschengruppe schaut Mama und Anita etwas verwundert an. Frau Ebers, Martinas Mutter, weißt natürlich warum. Vielleicht hätte sie Anita, ihre Lebensgefährtin nicht mit hierher nehmen sollen. Aber warum sollte sie sie verstecken? Sie waren doch eine Familie und sicher wird auch Anita mehr als einmal Martina vom Kindergarten abholen. Nein, es war schon richtig. „Ich dachte, sie wollten mit ihrem Lebensgefährten kommen“, sagt Frau Neuhaus schließlich. „Das ist richtig, deswegen sind wir ja auch zu zweit erschienen“. Martina versteht nicht, was die Großen reden, sie sieht nur, wie Frau Neuhaus Mama und Anita einen abschätzigen Blick zuwirft, der von einem leicht ärgerlichen Blick Anitas erwidert wird. Dann beugt sich Frau Neuhaus herunter zu Martina. „Und du musst Martina sein, oder“ Martina strahlt und nickt. „Na dann willkommen in der Mäuschengruppe. Die anderen Kinder müssen auch bald kommen“ „Ich werde sie um 12 Uhr wieder abholen“, sagte Anita, als Frau Neuhaus sich wieder aufrichtet und sie mit einem Blick anschaut, als würde sie sie nicht ernst nehmen, bis Mama schließlich nickt. Dann nehmen Anita und Mama Martina noch einmal in den Arm, verlassen das Zimmer, winken ihr auf dem Gang noch mal zu und dann sind sie weg. Jetzt war nur noch Frau Neuhaus da. „Satz dich doch mal in den Stuhlkreis, bis die anderen Kinder kommen“, sagt sie freundlich zu Martina und Martina setzt sich in den Stuhlkreis. Frau Neuhaus spielt ein Puzzle mit ihr und sie reden. Es ist fast wie zuhause. „Wo ist denn eigentlich dein Papa“, fragt Frau Neuhaus Martina schließlich. „Ich hab keinen“, sagt Martina „und deiner“, fragt sie frech. Doch Frau Neuhaus lacht nicht, sondern fragt „aber du musst doch einen Papa haben, jedes Kind hat doch einen Papa“. Martina zuckt mit den Schultern „Ich weiß nicht. Vielleicht ist Anita ja mein Papa“. „Aber du hättest doch gerne einen Papa, oder?“ Martina zuckt mit den Schultern, dann sieht sie eine Puppe in der Ecke und sagt „he, da ist ja eine Puppe“. Frau Neumann gibt es auf, Martina über die Familienverhältnisse auszufragen. Sie hatte gehofft, herauszufinden, ob das Mädchen einen Vater hat und ob es ihr schlecht bei 2 Frauen geht. Immerhin kann es einem Kind nur schlecht gehen, wenn es in so einem Umfeld aufwächst. Doch scheinbar haben die Eltern – oder besser gesagt ihre Mutter und deren Geliebte - ihr eingetrichtert nichts darüber zu sagen. Also lässt sie das arme Mädchen lieber mit der Puppe spielen. Etwa 2 Minuten später ist der Gang voll mit jungen Familien. Immer wieder betritt ein juges Ehepaar – Mann und Frau- das Zimmer um ihr kleines Mädchen oder ihren kleinen Jungen in der Mäuschengruppe abzugeben. Immer wieder sieht Martina, wie sich die Kinder von ihrem Vater verabschieden. Vater, das ist so ein Mann, der mit der Mama zusammenlebt und sich um das Kind kümmert, das weiß sie, das hat sie bei ihrer Cousine und den Nachbarskindern gesehen. Manche Kinder kommen auch nur mit ihrer Mama oder nur ihrem Papa, aber niemals kommen 2 Frauen. Irgendwie fühlt sich Martina gar nicht mehr so wohl hier, weil sie merkt, dass sie irgendwie anders ist als all die anderen Kinder. Als sie den Vormittag lang spielen erzählen alle immer wieder von ihren Mamas und Papas und fragen Martina, was ihr Papa macht. Sie sagt jedes Mal, sie hätte keinen und wenn die anderen sie fragen, ob er denn gestorben sei, wie der Papa von Markus oder ob sich ihre Mama und ihr Papa nicht mehr lieb gehabt hätten so wie bei Angelika muss sie jedes mal sagen „nein, ich hab keinen Papa, hatte noch nie einen“. Und sie weiß selber nicht, warum sie keinen hat. So geht das die ganze Zeit bis 12 Uhr, als die Eltern kommen um ihre Kleinen abzuholen. Martina hört wie hier ein Junge und da ein Mädchen ihren Eltern erzählen, dass Martina keinen Papa hat, dafür 2 Mamas. Und die Eltern schauen Martina dann immer ganz komisch an, irgendwie mit Mitleid aber auch mit.. mit Ekel. Und dann kommt endlich Anita. Ihre kurzen schwarzen Haare sieht man schon von weitem. Martina umarmt Anita, winkt der Kindergärtnerin noch zu und dann gehen sie. „Hast du Lust auf ein Eis?“, fragt Anita Martina, als sie den Korridor entlang in Richtung Ausgang laufen. „jaaaa“, sagt Martina und strahlt über das ganze Gesicht. Doch als sie im Auto sitzen kann sie nur immer wieder darüber nachdenken, warum sie keinen Papa hat, wie die anderen kleinen Mädchen und Jungen. Doch sie traut sich nicht Martina zu fragen, sie hat irgendwie Angst, dass sie böse auf sie sein könnte. Anita fährt mit Martina in ihre Lieblingseisdiele. Es ist so schön warm, dass das Eis fast in der Sonne geschmolzen ist, bis Martina es aufessen konnte. „Und jetzt erzähl mal, wie es im Kindergarten war“, meint Anita. Martina fühlt sich nicht gut, aber sie erzählt Anita dann von der tollen Puppe, von Angelika und Markus, die mir ihr Haustiere gespielt haben (ihr Lieblingsspiel) sie erzählt von „bin in den Brunnen gefallen“ und den vielen kleinen Toiletten und Waschbecken, die genau auf ihre Größe ausgerichtet sind. „Na, dann war das doch ein toller Tag, oder“ „Ja“, Martina nickt. Dann fahren Anita und Martina nach Hause und Martina spielt in ihren Zimmer, während Anita am PC arbeitet. Martina spielt mit ihren Puppen, spielt Mama, Anita und sie nach und lässt sich ihre Puppen gegenseitig Fragen stellen. Sie weiß einfach nicht, warum sie keinen Papa hat. Als sich um 17 Uhr das Schloss in der Türe umdreht und eine total erledigte Mama reinkommt, springt Martina sofort auf und fällt ihr um den Hals, ohne, dass Mama auch nur dazu kommt, ihre Taschen abzustellen. „Na heute bist du aber stürmisch“, sagt Mama und lächelt Anita an, die inzwischen auch im Gang steht. „Ja“, sagt Martina „und ich lass dich nicht los“ Mama knuddelt Martina noch mal, während Anita mit einem „na dann deck ich mal fürs Abendessen“ in der Küche verschwindet. Nachdem Martina Mama erzählt hat, was sie heute so alles „angestellt̶ 0; hat und Mama Martina erzählt, was sie „angestellt̶ 0; hat, sitzen die drei schließlich am Küchentisch und essen. Anita und Mama führen für eine ganze Weile lang wieder diese Erwachsenengespräche, von denen Martina nichts versteht. „tja, es ist halt alles nicht so leicht“, sagt Mama schließlich etwas traurig und Anita nickt. Dann ist es ruhig. Martina spürt, dass grade etwas ernstes beredet wurde, weil Mama und Anita immer so sind, wenn sie was Ernstes bereden. Und jetzt wo keiner mehr redet, kann sie ja eigentlich sagen, was sie schon die ganze Zeit belastet. Soll sie? Ja! „Warum habe ich eigentlich keinen Papa?“, sagt sie schließlich. Anita und Mama blicken auf und schauen sich verwundert an, bis Anita Mama zunickt. Sie hatten gewusst, dass Martina irgendwann einmal diese Frage stellen würde. Sie war ja kein dummes Kind und würde irgendwann merken, dass ihre Familie anders ist als die der anderen. Aber wie sollte man einer Vierjährigen erklären, was lesbisch ist und das Mama mit einem Mann zusammenlebte, weil sie Angst vor negativen Reaktionen hatte, bis sie Anita traf. Diesen schwierigen Teil hatten sie so oft besprochen und fanden doch niemals wirklich eine Lösung. „komm mal her“, sagte Mama. Und Martina krabbelt zu Mama auf den Schoß. „Du hast sicher mitbekommen, dass die anderen Kinder alle irgendwo einen Vater haben oder hatten“ Martina nickt. „Nun, bei uns ist es ein wenig anders“ Sie bricht ab, wie soll sie es erklären. Doch Anita lächelt ihr zuversichtlich zu. Mama atmet tief durch. „weißt du, die anderen Kinder haben eine Mama und einen Papa, weil sich ihre Mama und ihr Papa sehr lieb haben und zusammen ein Kind wollten. Manche Mamis und Papis mögen sich nicht mehr, aber haben sich mal gemocht.“ Martina nickt. „nun, die ganzen Mamis, die du gesehen hast mögen Männer und haben irgendwann gemerkt, dass sie den Papa ganz besonders lieb haben. Und die Papas mögen Frauen und haben irgendwann gemerkt, dass sie die Mamas ganz doll lieb haben“ Jetzt kam der schwierigste Teil. „soll ich übernehmen?“, fragt Anita. Aber Mama schüttelt den Kopf, sie will weiter erzählen. Martina ist ganz gespannt, dann spricht Mama weiter „Aber nicht alle Mamis mögen Männer. Und nicht alle Papis mögen Frauen. Es gibt auch Mamis, die Frauen mögen und Papis, die Männer mögen. Und ich bin eine Mami, die Frauen mag und Anita ist auch eine Mami, die Frauen mag und dann haben wir uns gefunden und haben uns genauso lieb wie all die anderen Mamis und Papis, nur dass wir 2 Mamis sind, hast du das verstanden?" Martina nickt. Das Gespräch dauert noch eine ganze Weile. Mama muss Martina noch erklären, wie sie auf die Welt kam, weil Martina im Kindergarten gehört hat, dass man dazu eine Mami und einen Papi braucht. Mama muss Martina erklären, dass ihr Papi sie zwar in Mamas Bauch getan hat, wie bei den anderen Mamis und Papis, dass sie Papi aber nicht lieb gehabt hat und niemals einen Mann so lieb gehabt hat wie Anita und dass sie den Papi verlassen musste, weil sie sonst ganz traurig geworden wäre. Sie muss Martina auch sagen, dass es Mamis und Papis gibt, die Männer und Frauen mögen, weil sie zufällig als ein Elternpaar im kindergarten über Martina sprach das Wort „bi“ gehört hatte. Sie muss Martina sagen, dass die meisten Menschen Mamis, die Mamis und Papis, die Papis lieb haben nicht mögen und dass sie mit Papi zusammen war, weil sie Angst hatte, dass die Menschen sie auch nicht mögen würden. Und am Ende erzählt sie Martina sogar, dass die Mamis, die (auch) Mamis mögen und die Papis, die (auch) Papis mögen einen Regenbogen als Zeichen erfunden haben, damit sie andere solche Mamis und andere solche Papis erkennen können, wenn sie mal alleine sind, so wie Anita mit ihre huete Mittag beim Eisessen und und und....
Als Martina an dem Abend im Bettchen liegt nimmt sie sich ganz fest vor, den anderen Kindern von den Mamis, die Mamis lieb haben und den Papis, die Papis lieb haben zu erzählen, ohne dass Frau Neuhaus etwas mitbekommt, weil Mami gesagt hat, die Frau Neuhaus würde Mama und Anita nicht mögen. Im Kindergarten klärt sie alle Kinder über Homosexualität auf und alle Kinder hören ihr erstaunt zu. Aber alle müssen ihr versprechen ihren Eltern nichts zu sagen, weil die sonst Mama und Anita und Martina nicht mehr mögen würden. Und als Martina am Nachmittag ganz stolz in ihrem Zimmer sitzt, denkt sie nicht mehr darüber nach, warum sie keinen Papa hat, sondern sie schnappt sich ein Blatt Papier und ihre Wachsmalstifte und malt einen riesigen bunten Regenbogen und unter den Regenbogen malt sie Mama und Anita. Zwischen den beiden Frauen malt sie ein kleines vierjähriges Mädchen mit braunen Kringellocken. Und unter das Bild schreibt sie in ihrer Martinaschrift, die keiner lesen kann, ganz heimlich „meine Familie“