innere Werte = keine Schönheit?!?
Angeregt durch manche Beiträge in den "ist es so wichtig"-Threads, möchte ich gerne auf ein dort meinem Empfinden nach sehr interessantes und zu kurz gekommenes Thema eingehen und hoffe auf eine gute (und gerne auch kontroverse) Diskussion. Es geht um das Verhältnis von Schönheitsidealen zur Betonung von inneren Werten.
Zur Diskussion möchte ich folgende These in den Raum stellen: Der moralische Anspruch, "nur auf die inneren Werte" zu achten, dient im Grunde genommen eigentlich nur der Bestätigung und Festigung der abgelehnten Schönheitsideale selbst und fördert so die Abwertung von Menschen, die ihnen nicht entsprechen.
Dazu ein paar Denkanstöße und Gedanken von mir:
Was sagt es über unser Verhältnis zu den Schönheitsidealen aus, wenn in Diskussionen ein den Schönheitsidealen nicht entsprechendes optisches Merkmal durch die Betonung der inneren Werte relativiert wird („mir macht es nicht aus, mit so einer Frau zusammen zu sein, es zählen doch eh nur die inneren Werte“?
Oder dies umgekehrt mit dem Charakter eines Menschen getan wird, wenn dieser den Schönheitsidealen entspricht? ("was soll ich mit einer schönen Frau, wenn die eh ein Charakterschwein ist"
Welche Wertung wird über den Körper eines Menschen, der nicht den Schönheitsidealen entspricht, getroffen, wenn dieser Körper im Sinne der politischen Korrektheit als „gleichgültig“ gegenüber seinen „inneren Werten“ abgestempelt wird?
Wie wird überhaupt Schönheit aufgefasst, wenn einige Menschen alleine auf den Bereich ihres Charakters reduziert werden?
Ist die alleinige Betrachtung meiner „inneren Werte“ ehr ein Kompliment, weil mein „makelhafter“ Körper unwichtig ist oder ehr eine „Beleidigung“, weil ein Teil meiner selbst unwichtig ist?
Darf ich mich selbst überhaupt als schön empfinden und den Anspruch an andere erheben, auch in meiner Körperlichkeit wahrgenommen zu werden, wenn ich den Schönheitsidealen nicht entspreche oder ist dies ein Privileg der „Schönen“?
Wer hat überhaupt das Hoheitsrecht, darüber zu bestimmen, wer schön ist?
Meine Meinung dazu ist folgende: Die Betonung der inneren Werte ist keineswegs eine Gleichstellung, sondern lediglich eine Verschleierung hinter politisch korrekten Phrasen. „Du bist zwar hässlich, aber hey, das macht nichts, es zählen doch eh nur die inneren Werte“ ist kein Kompliment, sondern eine Beleidigung! Im Gegensatz nämlich zu „schönen“ Menschen wird der Körper des den Schönheitsideal nicht entsprechenden Menschen einfach ausgeblendet. Ein Bereich seiner Person wird so gemieden – vermutlich aus dem Grund, weil alles, was man darüber zu sagen hätte, etwas negatives wäre – und ihm abgesprochen. Damit ist er ebenso ein „Mensch zweiter Klasse“, wie wenn die Schönheitsideale offen ausgesprochen werden würden, denn die positive Wahrnehmung des Körpers ist weiterhin ein Privileg der „Schönen“. Wenn es um die Diskussion über Schönheit und innere Werte geht, dann gibt es nicht nur einzelne, spezifische optische Merkmale, die als „hässlich“ oder „nicht so schön“ angesehen werden, nein, es gibt sogar ganze Gruppen von Menschen, die aus der Schönheitsdiskussion völlig herausfallen, für die der Gedanke des „schön seins“ noch nicht mal angedacht wird. Zwei, die mir dabei spontan einfallen sind ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. Beide Gruppen werden äußerst selten mit Schönheit assoziiert. Dafür eignen sie sich hervorragend als Beispiele im Kampf um die ungeheure Wichtigkeit der „inneren Werte“, für die ihre angebliche „Hässlichkeit“ teilweise sogar !systematisch vorgeführt! wird a la „stell dir mal vor, dir fehlt ein Bein, ja was ist denn dann mit den ganzen Äußerlichkeiten?“ oder „schau dir mal an, so alt und schrumpelig wirst du später auch mal aussehen und was ist denn dann mit der Schönheit?“. Welche Aussage solche Sätze über ältere Menschen und Menschen mit Behinderung transportieren und vor allem auch, welche Botschaft sie grade jenen Gruppen vermitteln, das überlasse ich mal euch.
Ich hoffe, mit diesem Thread, auch wenn garantiert lesarische Steine auf mich fliegen werden, hoffentlich etwas zum Nachdenken angeregt zu haben und freue mich auf eure Antworten und eine gute Diskussion.
Zur Diskussion möchte ich folgende These in den Raum stellen: Der moralische Anspruch, "nur auf die inneren Werte" zu achten, dient im Grunde genommen eigentlich nur der Bestätigung und Festigung der abgelehnten Schönheitsideale selbst und fördert so die Abwertung von Menschen, die ihnen nicht entsprechen.
Dazu ein paar Denkanstöße und Gedanken von mir:
Was sagt es über unser Verhältnis zu den Schönheitsidealen aus, wenn in Diskussionen ein den Schönheitsidealen nicht entsprechendes optisches Merkmal durch die Betonung der inneren Werte relativiert wird („mir macht es nicht aus, mit so einer Frau zusammen zu sein, es zählen doch eh nur die inneren Werte“?
Oder dies umgekehrt mit dem Charakter eines Menschen getan wird, wenn dieser den Schönheitsidealen entspricht? ("was soll ich mit einer schönen Frau, wenn die eh ein Charakterschwein ist"

Welche Wertung wird über den Körper eines Menschen, der nicht den Schönheitsidealen entspricht, getroffen, wenn dieser Körper im Sinne der politischen Korrektheit als „gleichgültig“ gegenüber seinen „inneren Werten“ abgestempelt wird?
Wie wird überhaupt Schönheit aufgefasst, wenn einige Menschen alleine auf den Bereich ihres Charakters reduziert werden?
Ist die alleinige Betrachtung meiner „inneren Werte“ ehr ein Kompliment, weil mein „makelhafter“ Körper unwichtig ist oder ehr eine „Beleidigung“, weil ein Teil meiner selbst unwichtig ist?
Darf ich mich selbst überhaupt als schön empfinden und den Anspruch an andere erheben, auch in meiner Körperlichkeit wahrgenommen zu werden, wenn ich den Schönheitsidealen nicht entspreche oder ist dies ein Privileg der „Schönen“?
Wer hat überhaupt das Hoheitsrecht, darüber zu bestimmen, wer schön ist?
Meine Meinung dazu ist folgende: Die Betonung der inneren Werte ist keineswegs eine Gleichstellung, sondern lediglich eine Verschleierung hinter politisch korrekten Phrasen. „Du bist zwar hässlich, aber hey, das macht nichts, es zählen doch eh nur die inneren Werte“ ist kein Kompliment, sondern eine Beleidigung! Im Gegensatz nämlich zu „schönen“ Menschen wird der Körper des den Schönheitsideal nicht entsprechenden Menschen einfach ausgeblendet. Ein Bereich seiner Person wird so gemieden – vermutlich aus dem Grund, weil alles, was man darüber zu sagen hätte, etwas negatives wäre – und ihm abgesprochen. Damit ist er ebenso ein „Mensch zweiter Klasse“, wie wenn die Schönheitsideale offen ausgesprochen werden würden, denn die positive Wahrnehmung des Körpers ist weiterhin ein Privileg der „Schönen“. Wenn es um die Diskussion über Schönheit und innere Werte geht, dann gibt es nicht nur einzelne, spezifische optische Merkmale, die als „hässlich“ oder „nicht so schön“ angesehen werden, nein, es gibt sogar ganze Gruppen von Menschen, die aus der Schönheitsdiskussion völlig herausfallen, für die der Gedanke des „schön seins“ noch nicht mal angedacht wird. Zwei, die mir dabei spontan einfallen sind ältere Menschen und Menschen mit Behinderung. Beide Gruppen werden äußerst selten mit Schönheit assoziiert. Dafür eignen sie sich hervorragend als Beispiele im Kampf um die ungeheure Wichtigkeit der „inneren Werte“, für die ihre angebliche „Hässlichkeit“ teilweise sogar !systematisch vorgeführt! wird a la „stell dir mal vor, dir fehlt ein Bein, ja was ist denn dann mit den ganzen Äußerlichkeiten?“ oder „schau dir mal an, so alt und schrumpelig wirst du später auch mal aussehen und was ist denn dann mit der Schönheit?“. Welche Aussage solche Sätze über ältere Menschen und Menschen mit Behinderung transportieren und vor allem auch, welche Botschaft sie grade jenen Gruppen vermitteln, das überlasse ich mal euch.
Ich hoffe, mit diesem Thread, auch wenn garantiert lesarische Steine auf mich fliegen werden, hoffentlich etwas zum Nachdenken angeregt zu haben und freue mich auf eure Antworten und eine gute Diskussion.
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