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was schlägt in deiner brust?

kirlian23
HiddenNickname
offline
08.02.2007 19:25
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Tarja

Stundenlang hatte der Kampf zwischen Tag und Nacht, um die Vorherrschaft über den Himmel gedauert. Nun endlich hatte die Dunkelheit das Zepter in den kühlen Händen. Ein Sternenschleier legt sich auf die Dächer und Straßen der Stadt. Der Asphalt erscheint wie ein Spiegel in dem der Mond grelle Eitelkeit zelebriert! Die Nacht ist eine Bühne! Das Schauspiel kann beginnen!

Vor ein paar Stunden noch, hatte SIE sich vor der Sonne versteckt. Das Licht hatte IHR immer nur Trugbilder versprochen, falsche Träume geschenkt. Ein ganzes Leben hatte SIE sich der Helligkeit ausgeliefert, sich in einer Welt bewegt, die IHRE zarte Haut verbrannte. Doch heute gegann sie zu begreifen...

"Komm ans Fenster!", flüstert eine Stimme in die Stille.
Tarja hielt sich die Ohren zu. Sie kannte die Stimme. Jede Nacht rief sie nach ihr! Jede Nacht verbot sich Tarja, ihrem Ruf zu folgen. Es war keine Furcht, die sie davon abhielt der Bitte nachzugehen. Es war die Gewissheit, dass sich alles ändern würde, dass sie loslassen müßte, was ihr zur Gewohnheit geworden war, was sie ihr Leben nannte.
"Komm ans Fenster!", lockte die Stimme erneut.
"Ich kann nicht.", flüsterte Tarja.
"Hab keine Angst! Ich will dir nichts Böses. Ich möchte dir nur etwas schenken!" Die Stimme klang so zart.
Tarja schmeckte salz auf ihren Lippen. Eine Träne! So heiß, dass ihre Wangen glühten.
"Ich kann nicht!", schrie sie, "Ich weiß nicht wo das hinführt! Es gibt so viele Fenster in meiner Stadt, warum wohnst du vor meinem? Wer bin ich, dass du mich rufst?"
"Sieh dich an!", sprach die Stimme, "Du bist so voller Sehnsucht. In deinen Augen sammelt sich die Traurigkeit! Hörst du dieses Geräusch? Was da rasselt und schleift, sind die Ketten, die du dir selbst angelegt hast. Deine Fesseln sind so laut, dass du dein Herz nicht hörst! Du hältst den Schlüssel in deinen Händen und befreist dich nicht?"

Regungslos verharrte Tarja in der hintersten Ecke ihres Zimmers. Die Kerze die sie angezündet hatte, warf tanzende Schatten an die Wände.
Traurigkeit? In ihren Augen? Sehnsucht?
Tarja ließ das Fenster nicht aus den Augen, während sie in sich selbst versank.

Mein Herz, ich hör dich doch! sag mir, dass du es bist, dass sekunde um sekunde in mir rasselt und schleift! sag mir, dass ich alles habe, was ich zum atmen brauch!
sag mir, dass du dich in meiner brust ganz frei bewegen kannst, dass es diese Fesseln nicht gibt, dass du schlägst, wie alle anderen Herzen auch!
Mein Herz, lass mich nicht zweifeln, an mir selbst!

"Dein Herz kann dich nicht hören!", unterbrach die Stimme den Moment.
"Aber ich hab doch..., ich hab doch immer..." Tarja sprang auf und ging einen Schritt auf das Fenster zu. Eine seltsame Kraft schien sie zu animieren. Dann hielt sie inne.
"Oh Nein! Du blendest mich nicht! Ich weiß nicht, was du von mir willst, aber du kannst mich nicht täuschen!"
Tarja legte ihre Hand an ihre Brust.
"Siehst du?", schrie sie, " Da! Mein Herz! Es schlägt in einer Tour! Es schlägt! Was sagst du jetzt?"
Einen Augenblick lang war es still im Zimmer. Ungeachtet der Schatten, die im Kerzenschein jetzt auch mit Tarjas Körper tanzten, wartete sie auf den nächsten Angiff der Stimme vor ihrem Fenster. Fast siegessicher drehte sie der Nacht den Rücken zu, als die Stimme mit ungeahnter Weichheit sich erneut erklärte.
"Du mußt deine Hand auf dein Herz legen, um es schlagen zu hören? um zu spüren dass es schlägt?"

Tarja drehte sich wieder zum Fenster. Das Salz auf ihren Lippen wurde immer bitterer. Der Beigeschmack einer Wahrheit, die sie nicht akzeptieren wollte, machte sie wütend.
"Wie sollte ich mein Herz denn sonst schlagen hören? Wie sollte ich dir sonst beweisen, dass in meiner Brust keine Ketten existieren?"