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Forum » News, Politik & Wissenschaft » Threadwo ist der Respekt abhanden gekommen?
06.04.2008 17:30
HiddenNickname
0 http://www.abendblatt.de/ [...] 889.html Wie nur war der Respekt abhanden-gekommen? Und was hat das aus Deutschland gemacht? Woher wissen wir, ob Respekt fehlt? Was ist das überhaupt: Respekt? Vielleicht ist Respekt das, worum sich heute noch alles dreht. Rücksicht auf etwas, auf anderes und andere nehmen. Im Lateinischen heißt es respicere, sich umschauen, das Sich-mit-anderen-beschäftigen, damit, wer es ist, der da neben einem steht. Beobachten, wie er sich verhält, was er tut und was er zu mögen scheint, um es zu verstehen. Was er ablehnt auch. Daraus, aus diesem Hinschauen ergibt sich ein Bild. Ein Bild, das mir nicht gefallen muss, das ich nur zu achten habe, als das besondere Bild dieser Person - das Bild ihrer Einzigartigkeit. Ihr Abbild, das nicht ein äußeres ist, sondern viel mehr: auch das ihrer Art und Fähigkeiten, Lieben und ihrer Unzulänglichkeiten. Ein persönliches menschliches Bild, wie es das von jedem geben muss. Dieses Abbild des Anderen erkennen und vor dem eigenen Auge entstehen zu lassen lohnt immer. Im Privaten wie im Geschäftlichen. Dem anderen zu begegnen, wird einfacher, wenn ich die Wege zu ihm kenne. Spreche ich deine Sprache, verstehst du mich auch. Ebenso ist es mit den Abbildern. Kann ich dich lesen, dich erkennen, verstehe ich dich. Achte ich dich. Zumal Respekt auch das ist: Die Grenzen, die der andere hat oder setzt, zu erkennen, sie zu achten. Ich kann von meinem Gegenüber keine Initiative, nicht Widerstand oder Heldentum erwarten, wenn der nicht die Kraft oder das Wissen oder die Möglichkeit hat, dies auch zu leisten. Der Mensch in seiner Einzigartigkeit, in seiner Andersartigkeit verhält sich nun mal nicht gleich, sogar dann nicht, wenn er die gleiche Wertevorstellung hat wie ich. Und trotzdem darf der Respekt nicht ver-loren gehen. Er ist eine Voraussetzung des Zusammenlebens, im Privaten wie in der Gemeinschaft und in der Politik. Freiherr von Knigge hat einst die Bedeutung der Wechselwirkung von respektvollem Verhalten betont. "Interessiere dich für andere, wenn du willst, dass andere sich für dich interessieren sollen", schrieb er und beschrieb damit ein Gleichgewicht, das für die Sicherheit moderner Gesellschaften unabdingbar ist. Menschen müssen in ihrer Besonderheit beachtet werden, um geachtet zu werden. Achtung braucht es, weil sie Freiheitsräume schafft, in dem sich jeder entfalten kann. Diese Selbst-bestimmtheit, wenn sie gegenseitig zugestanden wird, ist tragende Säule der Gesellschaft. Und Respekt, quasi ihr Fundament, ist, was den Menschen zum Menschen macht: gelebte Humanität.
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