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Lovestories » Detail

Firscher Wind (4)

von CosimaRakas


Lautes Kindergeschrei ertönte und mischte sich unter das Brummen von Bässen. Vera sog die frische Abendluft ein. Der Duft von Zuckerwatte, Popcorn und gebrannten Mandeln versetzte sie zurück in ihre Kindheit. Egal wie alt sie auch wurde, diese Atmosphäre würde sie immer lieben. Kirmes. Sophie, die neben ihr lief hatte den selben Gesichtsausdruck wie sie.
„Das war eine super Idee, Vera.“, sagte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Anerkennend klopfte sie ihr auf die Schulter. Vera brauchte sich nicht erst von Sophies Begeisterung anstecken zu lassen. Sophies Tochter war noch etwas zu jung um wirklich etwas von der Kirmes mitzubekommen und so gehörte der heutige Abend ihnen allein. Langsam schlenderten sie über das Gelände und begutachteten die verschiedenen Attraktionen. Vera suchte insgeheim nach einem Adrenalinschub, der sie von Alexandra ablenken konnte. Sie brauchte etwas schnelles, was sie in der Luft hob. Sie kräftig herumwirbelte. Als ihr Blick über das Gewimmel von Menschen schweifte stockte sie. Mit einem Mal blieb sie wie angewurzelt stehen. Sophie bemerkte dies erst nach ein paar Metern und schaute sie verwirrt an. Bevor sie fragen konnte was los sei, erwachte Vera aus ihrer Starre. Blitzschnell ergriff sie Sophies Arm und zerrte sie in die entgegengesetzte Richtung.

„Was ist denn plötzlich los?“ fragte Sohpie entgeistert.
„Alexandra!“, war das einzige Wort was sie heraus brachte. Sophie blieb auf der Stelle stehen, sodass Vera fast ihr Gleichgewicht verlor. Als sie sich zu Sophie umdrehte blickte sie in zwei schelmisch grinsende Augen.
„Junge Dame, du möchtest mir doch nicht deine heimliche Liebe vorenthalten.“ Dabei setzte sie ihren mütterlichen Tonfall ein. Bei ihren Worten wurde Vera erst kreidebleich und wechselte dann zu einem Feuerrot.
„Spinnst du! Was wenn sie plötzlich hinter uns steht und das hört“, zischte Vera durch zusammen gebissene Zähne. Bevor Sophie noch ein weiteres Wort entgegnen konnte zerrte Vera sie weiter.
„Ich bin hier um mich abzulenken und nicht damit du dich auf meine Kosten amüsierst!“
Sophie blickte nervös über ihre Schulter zurück und versuchte Alexandra in der Menge auszumachen.
„Wo ist sie denn. Bitte, du weißt ich bin neugierig. Ich werde dich erst in Ruhe lassen, wenn du sie mir zeigst.“ Vera zog Sophie unauffällig zu einem Stand mit gebrannten Mandeln. Vorsichtig blickte sie sich um. Doch Alexandra war nirgends zu sehen. Erleichtert entspannte sie sich wieder.
„Du hast wohl Pech gehabt. Sie ist weg.“ Sophie zog einen Schmollmund.
„Ich hätte sie wirklich mal gerne gesehen.“
Vera brauchte etwas um sich wieder völlig zu entspannen. Unsicher blickte sie sich immer wieder um. Doch Alexandra blieb verschwunden. Irgendwann war sie sich sicher, dass sie bereits das Gelände verlassen haben musset. Endlich konnte sie sich wieder auf die Fahrgeschäfte konzentrieren. Sie sollte bald fündig werden. Sie kamen an ein Fahrgeschäft, dass einer übergroßen Schaukel glich. Mit Überschlag. Anhand der Laustärke der Passagiere schien es amüsant zu sein. Obwohl Vera normalerweise nicht so waghalsig war, zog es sie genau dort hin. Sie hatte das unbändige Bedürfnis diese Schmetterlinge in ihrem Bauch durch pures Adrenalin zu vertreiben. Sophie lehnte Veras Bitte, sie zu begleiten, mit einem heftigen Kopfschütteln ab.
„Ich bin doch nicht lebensmüde!“
Vera schob ihre eigene Angst beiseite und stellte sich an das Kassenhäuschen. Leicht zitternd nahm sie ihren Chip für die Fahrt entgegen. Als sie sich umdrehte verfluchte sie das Leben für seinen kranken Humor.
„Hallo Vera. Was für ein Zufall!“
Vera überwand ihre Schockstarre und setzte ein schiefes Lächeln auf. Alexandra umarmte sie plötzlich zur Begrüßung, als seien sie alte Freunde. Diese plötzliche Vertrautheit irritierte Vera zutiefst. Verzweifelt blickte sie sich nach Sophie um. Diese stand ein paar Meter Abseits und beobachtete sie aufmerksam. Sie wäre mit Sicherheit keine große Hilfe. Alexandra hielt den gleichen Chip in der Hand und legte den Kopf leicht schief.
„Scheint so als hätten wir beide die gleiche Todessucht.“ Es folgte ein schallendes Lachen.
Vera beschlich die Vermutung, dass sie schon etwas Alkohol getrunken hatte. Anders konnte sie sich ihre ungewohnte Offenheit nicht erklären. Sie trug auch wieder ihre Lederjacke, die sie einfach unverschämt gut aussehen ließ.
Ein Geräusch lenkte Vera ab und sie blickte auf die Gondel, die sie gleich in die Luft befördern würde. Zusammen mit Alexandra. Plötzlich ergriff sie Panik und der Drang so schnell wie möglich wegzurennen. Alexandra folgte ihrem Blick und legte eine Hand auf ihren Rücken. Sanft schob sie sie vorwärts.
„Du wirst doch nicht kalte Füße bekommen?“, gluckste sie.
Vera fühlte die Wärme von Alexandras Hand durch ihr Shirt hindurch. Das Kribbeln, dass ihren ganzen Rücken bedeckte, machte es ihr unmöglich ein Wort herauszubringen. Widerstandslos ließ sie sich von Alexandra auf die metallische Plattform führen. Ungeschickt zwängte sie sich auf den engen Sitz. Alexandra folgte ihrem Beispiel. Dann kam ein gelangweilter Mitarbeiter, der die Halterungen herunter klappte. Vera blieb keine Fluchtmöglichkeit mehr offen. Sie schloss die Augen und ergab sich ihrer idiotischen Idee. Alexandra beugte sich so weit vor, wie die Haltung es zuließ.
„Du siehst etwas nervös aus. Alles in Ordnung?“, fragte sie ehrlich besorgt. Vera schluckte schwer und zwang sich zu einem Lächeln, ließ ihre Augen jedoch geschlossen.
„Gut möglich, dass ich mich mit dem hier etwas übernommen habe.“ gab sie mit leiser Stimme zu.
„Ich bin direkt neben dir. Was kann denn schon schlimmer sein, als mit mir zu arbeiten.“
Vera musste über Alexandras Selbstironie lachen.
„So schlimm bist du gar nicht.“
Das schiefe und traurige Lächeln, dass daraufhin auf Alexandras Gesicht erschient gab ihr einen Stich.
„Schön zu hören“, antwortete sie ihr knapp.
Die Gondel setzte sich langsam in Bewegung.
„Wenn es unerträglich wird, kannst du gerne meine Hand halten.“
Vera war sich nicht sicher, ob das Angebot wirklich ernst gemeint war, oder ob sie gerade nur aufgezogen wurde. Doch als die Gondel plötzlich an Geschwindigkeit aufnahm und gen Himmel schoss, ergriff sie automatisch Alexandras Hand. Sie hatte keine Zeit auf das Kribbeln ihres Körpers zu achten. Als sie nur noch den blauen Himmel vor sich sah konzentrierte sie sich allein auf den Händedruck, der ihr Halt gab. Sie blickte zu Alexandra, der die Todesfahrt offenbar gefiel. Sie lachte und schrie voller Freude. Vera konnte nicht anders als sich etwas davon mitreißen zu lassen. Sie fühlte wie der Wind um sie herum wirbelte. Sie vergaß die Gondel um sich herum. Sie genoss den Blick über die gesamte Kirmes. Das Herzklopfen und die Aufregung, die durch ihren Körper fuhr. Ihr wurde bewusst, dass sie immer noch Alexandras Hand fest umklammerte. Diesen kurzen Moment gab sie ihrem Gefühl freien Lauf. Ohne Beschränkung. Sie sog dieses Gefühl von Sicherheit und Freiheit auf, wie eine ertrunkene nach Luft rang. Dann spürte, die dass die Gondel wieder an Geschwindigkeit verlor. Schließlich pendelte sich wieder über der Plattform ein und kam nun gänzlich zum stehen. Alexandra sprang als erstes vom Sitz. Ohne jedoch ihre Hand loszulassen. Vera erhob sich schwankend aus der Gondel. Ihr Herz pochte immer noch so wild, dass ihr schwindelig wurde. Als sie ihr Gewicht auf die Füße verlagern wollte, wurde ihr kurz schwarz vor Augen. Sie merkte nicht wie sie vornüber fiel. Doch sie spürte wie sich eine Hand um ihre Taille legte und sie fest hielt. Als sie ihre Sicht endlich zurück gewann blinzelte sie verwundert. Alexandras Gesicht war nur einen Handbreit von ihrem entfernt. Die eine Hand umschloss immer noch die ihre, die andere ruhte immer noch auf ihrem Rücken. Alexandra löste sich mit einem Ruck von ihr, stütze sie jedoch noch mit einer Hand. Veras Körper lehnte sich dabei leicht nach vorne. Sie konnte selbst nicht sagen, ob dies noch durch den Schwindel bedingt war, oder ob ihr Körper versuchte die Nähe zu Alexandra aufrecht zu erhalten. Sie fühlte sich benommen. Irrte sie sich, oder sah sie da einen rötlichen Schleier auf Alexandras Gesicht?
„Kannst du alleine stehen?“, fragte sie knapp. Ihre Stimme klang dabei seltsam heiser und rau. Vera drückte Alexandras Hand zum Dank und löste sich dann langsam von ihr. Eine grausame Kälte blieb zurück.
„Vielen Dank. Mir ist zwar noch etwas schwindelig, aber es geht.“ Schweigend stiegen sie von der Plattform. Veras Beine fühlte sich tonnenschwer an. Sie sehnte sich nach dem Gefühl der Schwerelosigkeit. Als sie fast bei Sophie angekommen waren durchbrach Alexandra die Stille.
„Ich wünscht dir noch einen schönen Abend. Meine Freunde warten dort drüben auf mich.“ Ohne eine Antwort abzuwarten verschwand sie in der Menschenmenge. Vera blickte ihr verwirrt nach. Dann besann sie sich wieder und ging zu Sophie, die grinsend auf sie wartete.
Normalerweise hätte sie verlegen reagiert, doch sie fühlte sich zu schwach für solche Abwehrreaktionen.
„Ich nehme an das war deine Alexandra.“
Vera hörte Sophies herausfordernden Unterton und ignorierte ihn schlicht.
„Ja das war sie.“, antwortete sie verträumt. Sophie schmunzelte und harkte sich bei ihrer Freundin ein.
„Ich glaube du bist nicht die einzige, die gerade etwas neben sich steht.“ Es dauerte etwas bis Vera die Worte richtig verstand. Mit hochgezogenen Augenbrauen starrte sie Sophie an.
„Was genau meinst du damit?“
„Es war kein Zufall, dass sie da war. Als du dich in die Schlange gestellt hast, hab ich gesehen wie sie zum anderen Schalter gelaufen ist um sich noch schnell eine Fahrkarte zu kaufen. Außerdem hättest du ihr Gesicht sehen müssen, als du das Gleichgewicht verloren hast.“
„Du veräppelst mich doch gerade, nicht wahr?“, fragte Vera ungläubig. Ihre Freundin legte den Kopf schien und grinste verschwörerisch.
„Vielleicht, Vielleicht aber auch nicht.“
Vera war sich sicher, dass Sophie sich das ausgedacht hatte. Es konnte einfach nicht wahr sein. Es wäre auch wirklcih zu schön gewesen. Sie schlenderten noch eine Weile ziellos umher bis Sophie auf ein Stand zeigte. Davor standen einige Fässer, die als Tische zweckentfremdet wurden.
„Wie wäre es zum Abschluss mit einem kleinen Bier?“ Vera nahm den Vorschlag dankend an. So ließen sie den Abend an einem der Fässer ausklingen und beobachteten die Menschen, die langsam an ihnen vorbeizogen. Sophie verschluckte sich plötzlich und schlug mit der Hand auf das Fässchen.
„Alles in Ordnung?“, fragte Vera besorgt. Statt zu antworten wedelte sie aufgeregt auf einen Stand mit Zuckerwatte. Vera folgte ihrem Blick und erstarrte. Alexandra stand dort und strich sich gerade eine Strähne aus dem Gesicht. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Ein Mann, der offenbar sehr vertraut mir ihr war, hielt ihr mit einem charmanten Lächeln Zuckerwatte entgegen. Alexandra bedankte sich mit einem flüchtigen Kuss auf die Wange. Selbst von ihrem Standort aus, konnte Vera deutlich erkennen, dass Alexandras Gesicht gerötet war. Länger konnte sie sich diese Szene nicht ansehen. Sie zupfte an Sophies Ärmel und nickte mit dem Kopf in Richtung Theke.
„Lass und die Gläser abstellen und gehen, bitte.“ sagte sie trauriger, als gewollt. Ihr Körper fühlte sich kalt und taub an. Sophie legte tröstend einen arm um sie.
„Vielleicht ist es nicht das was du denkst.“ versuchte sie Vera aufzumuntern. Diese schüttelte nur resignierend den Kopf.
„Lass uns gehen.“



copyright © by CosimaRakas. Die Autorin gab mit der Veröffentlichung auf lesarion kund, dass dieses Werk Ihre eigene Kreation ist.



Kommentare


Spannend
Thanks for the story. Bitte weiterschreiben
cosmopo - 12.03.2020 15:59

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