Um LESARION optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern verwenden wir zur Auswertung Cookies. Mehr Informationen über Cookies findest du in unseren Datenschutzbestimmungen. Wenn du LESARION nutzst erklärst du dich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Messages werden geladen
Postfach öffnen

Abschied der Gitarre

Nimeesha
HiddenNickname
offline
14.07.2007 13:30
0
Es war dunkel, der Mond verhüllte sein mildes Licht mit einem Tuch aus dünnen Wolken.
Er saß einfach nur da, während der sanfte Nachtwind mit den Strähnen seines langen schwarzen haares spielte.
Sanft glitten seine Fingerspitzen über den schimmernden Lack der Gitarre, die auf seinen Beinen lag.
Seine Augen verfolgten aufmerksm jede Bewegung auf der fast menschenleeren Straße, die tief unter ihm lag. Von hier oben, von dem Dach des 17-stäckigen Hochhauses aus konnte er alles sehen, ohne selbst gesehen zu werden. Er liebte die Ruhe hier oben, es war der einzige Platz, an dem auch seine Seele zur Ruhe kommen konnte, den Schmerz und Pein des Lebens vergessend.
Langsam schloss er die Augen, lauschte der Musik des Winds, fühlte das kaum wahrnehmbare Licht der Sterne auf seiner Haut.
Es war ein Abschied, für immer? Wer wusste das schon, wer konnte schon erahnen, was nach dem Tod lag, jenseits der Schwelle, hinter dem Leid.
Er hatte abgeschlossen, schon so lange, er war müde. Ganz vorsichtig lies er seine Finger über die kühlen Saiten der Gitare gleiten, ein letztes Mal.
Langsam stand er auf, seine Zehenspitzen berührten den schmalen Sims nicht mehr. Mit einer Geste, in der mehr Liebe lag, als er einem lebendigen Wesen je zu geben vermocht hätte, legte er die schimmernde Gitarre sanft auf den Boden. Ein weißer Briefumschlag steckte unter ihren Saiten, alles was geblieben war, von einem 23 Jahre währenden Leben stand in enger Handschrift auf zwei weißen Bögen Papier.
Ein letztes Mal suchten seine braunen Augen die Staße ab, nichts, Leere, Ruhe.
Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf seine Lippen, er drehte sich um, mit dem Rücken stand er zu dem tiefen Abgrund.
Der Blick streifte die Gitarre, seine Lippen formten einen Abschiedsgruß, an die Welt, die so voll von Leid und Schmerz war.
Ganz langsam ließ er sich zurückfallen, seine Füße verloren den Boden, wieder zierte ein Lächeln seine Lippen, während er in freiem Fall auf den Boden zuraste, das letzte was er sah, war der Mond, der die Wolken sanft beiseite schob, um sich von dem Menschenkind zu verabschieden, dass nun endlich die lang ersehnte Ruhe finden würde. Und zum Abschied, strich der Wind ganz vorsichtig über die Saiten der Gitarre und entlockte ihr einen milden Laut, voll von Wehmut, und Melancholie.