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Forum » Sport, Wellness und Erholung » ThreadAmélie im Wunderland
18.02.2006 12:36
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0 Der russische Vormarsch im Damen-Tennis wurde bei den Australian Open gebremst. Durch die stille Französin Amélie Mauresmo. Als Tennis-Oma Martina Navratilova noch ein naives Ding war, verriet sie einem Reporter ganz im Vertrauen, dass sie für Männer als Freudenspender nichts übrig habe, stattdessen das andere, ihr eigenes Geschlecht also, bevorzuge. 1981 eine Riesengeschichte. Der Wortbrüchige wurde reich, Navratilova zur Ikone der Schwulen- und Lesbenszene. 2006 ist die beste Tennisspielerin aller Zeiten noch immer unterwegs, aber nicht mehr allein. Die starke Frau hat die Brücke geschlagen für potenzielle Mitstreiterinnen vom anderen Ufer. Eine traute sich tatsächlich darüber, auch sie wurde zur Nummer 1 der Welt. Und ist zurzeit der große Star im Tenniszirkus: Amélie Mauresmo. Die breitschultrige Dame ist aber kein emotionaler Dreschflegel wie die Exil-Tschechoslowakin Navratilova, die jeden Knüppel, der ihr vor die Beine geworfen wird, einfach beiseite räumt. Amélie ist eher ein zartes Pflänzchen, das jedes Lüftchen bewegt. Ein Riesentalent von Kindesbeinen an, ausgestattet mit einem gigantischen Schlagrepertoire und einer außergewöhnlichen Athletik, die sie vom Vater mitbekam. Schon mit 11 übersiedelte sie ins Tennisinternat, war als Juniorin unschlagbar. Doch scheiterte Amélie, eine der besten, aber auch sensibelsten Tennisspielerinnen, bei großen Events im Profizirkus meist an ihrem Wankelmut. Erst Ende 2005 fand sie Rückhalt bei sich selbst. Gewann das Masters in Los Angeles, im Jänner dann die Australian Open, ihr erster Grand-Slam-Turniersieg nach 31 erfolglosen Versuchen. Ihr großer Traum, das eigene fz-pfeilrechts/fz-pfeilrechtsG esicht im großen silbernen Pokal strahlen zu sehen, wurde wahr. Zwar profitierte sie im Finale vom verstimmten Magen Justine Henins, doch war für sie klar, dass die Stunde ihr gehörte, ihr gebührte. "Ich wäre bereit gewesen, auf dem Platz zu sterben für diesen Sieg", sagte sie nach ihrer späten Premiere. Und: "Ich habe so viel dafür gearbeitet und habe den Titel verdient. Ich bin heute wohl die stolzeste Frau der Welt." 27 Jahre wird Amélie im Juli alt, und endlich scheint sie ihr Dasein in vollen Zügen zu genießen. Jetzt ist ihre Welt so, wie sie lange Zeit nicht sein konnte. Die verlorene Tochter Das Jahr 1999 bedeutete einen Paradigmenwechsel im Leben der Amélie Mauresmo. Das große Outing, das erste, und sogar gewollte, dieser Art seit Martina Navratilova, forderte seinen Tribut: medialen Andrang und elterliche Abwendung. Jahrelang kein Wort an die Tochter, selbst die Oma war schwer erbost über die unanständige Enkelin. Und erst die Häme aus dem Eck der Engstirnigen – Mauresmo als Terminator, abgebildet in Zeitungen. Auch wühlten besonders nette Kolleginnen in den untersten Schubladen ihrer Fantasie. Die damals noch halbwüchsige Martina Hingis sprach von einem "halben Mann", die 80-Kilo-Lady Lindsay Davenport zeigte sich brüskiert ob der athletischen Mauresmo-Schultern. Schwierige Jahre also für eine nachdenkliche Natur, obwohl sich wichtige Proponenten der französischen Öffentlichkeit wie Premierminister Lionel Jospin an ihre Seite stellten. Tapfer aber stand sie zu ihrem Lebensstil, hielt zu ihren großen Lieben. Erst zu Sylvie, die bei jedem Match auf der Tribüne saß, nach der Trennung war die Baskin Pascale an ihrer Seite, mit der sie auch nach Genf übersiedelte. Um Abstand zu gewinnen, um Aufregung zu verlieren. Das große Herz Seit kurzem ist Geraldine die Frau an Amélies Seite. Sie gibt ihr die Kraft, um das Dasein einer öffentlichen Frau zu meistern. Mademoiselle Mauresmo redet längst nicht mehr offen über persönliche Dinge, nur so viel: "Ich habe in letzter Zeit vieles geregelt, ich habe aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt." Auch wenn die Rotweinliebhaberin ihr Herz nicht mehr für die breite Öffentlichkeit öffnet, für Außenseiter und Benachteiligte fz-pfeilrechts/fz-pfeilrechtst ut sie es immer noch gerne. Vor ein paar Tagen spendete Amélie der französischen Krebshilfe den Gegenwert des Porsche, den sie als Zusatzgabe für den Sieg bei den Australian Open bekam – immerhin 60.000 Dollar. Ein Märchen wird wahr Vielleicht gibt es bald wieder Grund zu großer Festlichkeit. Ab 20. Februar gilt es in Dubai, beim 1-Million-Dollar-Turnier, ordentlich abzusahnen, und im Mai steht Roland Garros auf dem Programm. Das Grand-Slam-Turnier, das Amélie Mauresmo schon immer unbedingt gewinnen wollte. Auf dem Sand in Paris, es allen zeigen. Es sich selbst beweisen. Beweisen, dass Kinder nicht nur an Märchen glauben. "1983 sah ich im Fernsehen, wie Yannick Noah die French Open gewann. Da war ich noch keine vier Jahre alt. Aber danach beschloss ich, dass ich Tennisspielerin werden wollte und auch einmal die French Open gewinnen wollte." 23 Jahre danach scheint die Kleine erwachsen und gut genug, ihrem Initialzünder und berühmten Landsmann nachzufolgen. "Leicht wird es nicht, aber locker genug wäre ich jetzt. Schließlich habe ich jetzt alles erreicht, was ich mir je erträumt habe. Den Masters-Sieg, einen Grand-Slam-Titel und Nummer 1 der Welt war ich auch schon", meinte Mauresmo nach ihrem Coup in Melbourne. Sie spielte damit auch auf die brutale, starke, zumeist jüngere Konkurrenz an, die vor allem aus den Belgierinnen (Henin und Clijsters) und den US-Schwestern (Serena und Venus Williams) besteht, ganz zu schweigen von dem nach wie vor ungebremsten russischen Ansturm (u. a. Scharapowa, Myskina, Kuznetsowa). Alles beinharte Schlägerinnen. Und dann gibt es da noch die alten Widersacherinnen Lindsay Davenport und Martina Hingis – Letztgenannter wurde in der Frührente etwas fad, weshalb sie wieder ihren Schläger aus dem Keller fischte. Und sollte das Märchen, das sie in den Sand von Roland Garros schreiben will, nicht Realität werden, dann wird die mittlerweile fabelhafte Welt der Amélie auch nicht untergehen. Zu routiniert ist sie im Einstecken von Rückschlägen, zu smart, zudem gesegnet mit der wunderbaren Eigenschaft Selbstironie. Als ein Reporter einmal fragte, was das Tattoo auf ihrer Schulter, ein Engel mit Olivenzweig, bedeute, antwortete Amélie Mauresmo: "Das ist ein Engel. So wie ich." Von Erich Vogl (Text) |
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