Um LESARION optimal zu gestalten und fortlaufend zu verbessern verwenden wir zur Auswertung Cookies. Mehr Informationen über Cookies findest du in unseren Datenschutzbestimmungen. Wenn du LESARION nutzst erklärst du dich mit der Verwendung von Cookies einverstanden.
Messages werden geladen
Postfach öffnen

Gedankenmonolog

Wienerin
HiddenNickname
offline
27.08.2004 05:52
0

Ich spüre Übelkeit,
die Seele drückt mir auf den Magen.
Der Boden schwimmt,
die Kälte fröstelt meine Lippen
und ich habe Mühe, mit den Augen zu sehen.
Zu stark ist die Kälte,
mein Atem steht im weißen Kleid.

Wünsche wage ich nicht zu denken,
Gedanken wage ich nicht zu machen
und doch spüre ich, wie es mich treibt.
Wie eine in mir sitzende verschluckte Schraube
unaufhörlich bohrt, bohrt.
Sie muss meine gesamten Eingeweide schon durch haben.
Ich sehe auf meine Haut. Sie ist unversehrt.
Unversehrt. Die verengten und verstopften Poren.
Ein leises Lächeln zieht meinen Mund, das in der Situation erstickt.

Wann habe ich mich zuletzt frei gefühlt?
Mir selbst diese Frage zu stellen erschreckt.
Wie ein Aufschrei.
Ich versinke in Bildern.
Wenn ich Tränen hätte würden diese jetzt einsetzen.
Ich flüchte wieder aus den Bildern,
weil sie mir zu irrational erscheinen.
Was war das für eine Welt?

Manche versinken in den Bildern.
Sie werden des Irrsinns hörig.
Das sind die Menschen, die mit funkelnden,
verrückten Augen singen und tanzen.
Sich in den Bildern bewegen
und nicht mehr herausfinden.

Und wieder schießt mir ein Bild in den Kopf.
Ich versuche es abzuschütteln.
Vielleicht ist der Grat zwischen Irrsinn
und Realität doch nur ein Fuß?

Jeden Tag mehr
(und ich zähle die Tage)
spüre ich weniger.
Aber doch rasselt und brasselt alles auf mich ein,
die ganze grausame nackte Realität,
welcher ich mir zwar bewusst bin,
diese aber nicht verarbeiten
und noch viel weniger - verstehen - kann.
Manchmal möchte ich alles wissen,
um irgendwann einmal verstehen zu können.
Manchmal breche ich unter dem Wissen zusammen.
Gefühle spielen schon lange keine Rolle mehr.
Sie sind zwar ständig da, können sich aber nicht entfalten.
Zu groß ist die Angst daran zugrunde zu gehen.
Und es geht so schnell.
Hedes Hüsteln kann den Tod bedeuten.
Zugefügt bekommener Schmerz
tut immer noch gleich weh,
doch ich spüre ihn nicht mehr.
Zu stumpf und eintönig ist der Alltag.
Zu grau die Bilder.

Jeder ist sich selbst der Nächste
und doch können wir nicht ohne einander.
Menschlichkeit ist ein dünnes Brot.

In Gedenken an die über 6 Millionen Opfer des Nazionalsozialismus.