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Herbstlied

25.10.2005 20:09
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I.

Bald tauchen wir in kalte Dunkelheit;
Licht der zu kurzen Sommer, lebe wohl!
Schon hör ich Holz im Hofe, Scheit um Scheit,
Aufs Pflaster poltern, unheimlich und hohl.

Der Winter zieht jetzt in mich ein mit Wut,
Entsetzen, Hass und Arbeit, streng und hart;
Und wie am Pol vereist der Sonne Glut,
Mein Herz zu einem roten Block erstarrt.

Das Fallen jeden Klotzes lässt mich schauern;
Dumpf hallt es, wie beim Bau von Blutgerüsten.
Mein Geist gleicht einem Turme, dessen Mauern,
vom Sturmbock schwer gerammt, bald wanken müssten.

Ich glaube, von dem Hämmern ganz benommen,
Man nagelt einen Sarg, in Eile, irgendwo.
Für wen? - Noch gestern Sommer, schon ist Herbst gekommen.!
Geheimnisvoller Lärm! - Abschiede klingen so.

II.

Ich liebe deiner schmalen Augen grünes Licht,
Sanft Schöne, doch ist heute alles mir vergällt;
Die Liebe das Gemach, das Feuer gilt mir nicht
So viel wie diese Sonne, die das Meer erhellt.

Und dennoch lieb mich, zärtlich Herz! Sei Mutter mir,
Sei es dem Undankbaren selbst, den Schuld beschwert;
Geliebte, Schwester sei die flüchtige Süße hier
Der Abendsonne, die den Herbst verklärt.

Für eine Weile nur! Wer kann dem Grab entrinnen?
Ach! lass mich, meine Stirn auf deine Knie gesenkt,
Wehmütig weißer, heißer Sommerglut nachsinnen,
die milden Strahlen kosten, die das Spätjahr schenkt!

(Aus "Die Blumen des Bösen" von Charles Baudelaire)



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