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02.08.2020 11:57
HiddenNickname

Vor etwa einem oder zwei Jahren haben meine beste Freundin und ich uns eine Comedy-Show auf Netflix angesehen. Die Kinder waren im Bett und wir lümmelten gemütlich auf dem Sofa mit leckerem Knabberkram und Kaltgetränken. Wir haben vorher recherchiert, dass es eine lesbische Comedian ist und die Show gute Kritiken bekommen hat.

Es handelte sich dabei um Hannah Gadsby‘s „Nanette“.
Eine Stand-Up-Show, in der sie persönliche Erfahrungen zu ihrem Coming Out, Homophobie, gesellschaftliche Normen und Gewalt in unterschiedlichen Formen eingearbeitet hat. In und mit „Nanette“ hat sie Grenzen, Mauern und Wände zu Tabuthemen und Komödie und gesellschaftliche Konstrukte gezielt mit Wörtern heruntergerissen und zerschreddert.

Das Publikum in der Show war darauf nicht vorbereitet gewesen. Die Atmosphäre war selbst bei uns auf dem Sofa spürbar: Lachen, Entspanntheit, Irritation, Unbehagen, Entsetzen, Atemlosigkeit, Sprachlosigkeit, Mitgefühl, Wut, Tränen, ... All diese Gefühle wurden in einem Spannungsbogen von Hannah Gadsby gehalten. Mit einer entspannt unterhaltsamen Comedy-Stand-Up-Show hatte es nur noch wenig zu tun.

Wir waren darauf nicht vorbereitet gewesen.
Wir hatten vorher etwas recherchiert. Aber nirgendwo stand wirklich etwas über die Inhalte. Wir haben es uns freiwillig angesehen, weil ... hey, eine Frau, eine Lesbe, hochgelobt von Kritikern, bei Netflix. YES! Ein Muss für uns.

Das Knabberzeug und die Getränke standen vergessen auf dem Tisch. Ab und zu haben wir uns geschockt angesehen und gelegentlich „wtf“ gesagt. Wir waren zu geschockt, währenddessen und danach. Wir wurden durch wohl ausgesuchte Worte, durch die thematischen Inhalte und durch die sehr persönliche Performance emotional so richtig durchgeschleudert. Ohne Worte haben wir beide zur gleichen Zeit zur Decke hochgesehen, wo eine Etage über uns die Kinder geschlafen haben.

Wir saßen danach noch schweigend da, was für uns ungewöhnlich ist, weil uns die Worte gefehlt haben und wir noch am Verarbeiten waren.

Wir waren uns beide einig: DAS war eine verd... gute Show. Informativ, intensiv, grenzensprengend und empowernd. In vielerlei Hinsicht.
Sie hat (nicht nur) uns getriggert.

Worte sind immer ein sehr starkes Medium. Ob angemessen und wohl überdacht oder nicht.
Jede Person nimmt Inhalte und Worte individuell wahr. Eine Botschaft steckt immer darin.

Dieses ganze Nach-Diskutieren triggert mich zum Beispiel.
Immer wieder dachte ich, jetzt ist gut, jetzt wurde genug kommuniziert - und dann geht es doch weiter. Der Thread wird wieder hochgepusht in der Forenansicht. Ich kann das nicht wegblinzeln. Ich hatte genug andere Beiträge dazu bereits hier gelesen. Ich bin emotional involviert, wenn ich den Thread-Titel nur sehe. Ich habe darum auch nicht gebeten.

Das tut mir nicht gut.
Dennoch lese ich weiterhin im Forum und atme manchmal mehrmals tief durch. Denn ich rechne damit, dass es noch weitergehen wird.

Ich fand, dass diese persönliche Geschichte von mir hier ganz gut reinpasst, weil fischperles persönlich geschilderten Erfahrungen bei Lesenden mehrere Triggerpunkte gereizt hat - inhaltlich und wortwörtlich.
Sie hat durch ihre Beiträge ebenfalls etwas bewirkt und wurde kritisiert. Gut und negativ. Die Inhalte bleiben.

Peace.


02.08.2020 12:03
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 11:23:
"So wie Du bist, bist Du hier nicht in Ordnung"-gatekeeping


Ich kenne im echten Leben zahllose Menschen, die deswegen die Szene verlassen haben u/o meiden. (Wobei ich davon ausgehe, dass ich die meisten aus dem Grund nichtmal kenne).
das Problem: die sind dann auch nicht mehr da, um die Szene mitzuformen.

Mich macht das sehr traurig.
Zum einen für die Menschen, die dann keinen Szene-Anschluss mehr haben (obwohl sie ihn z.T. vielleicht noch dringender bräuchten), zum anderen aus zweierlei Gründen für die Szene selber: erstens wegen des unschönen von Ausschlüssen, und zweitens, weil sie verarmt.
Aber vielleicht gibt es Leute, denen eine Filterblase wichtiger ist. Wenn sie die Macht haben, die nach ihren Vorstellungen durchzusetzen... dann fänd ich es wenigstens fair, sie würden das zugeben.

02.08.2020 12:12
HiddenNickname

@QueerPower,
@Highbrow,

vielen Dank für Eure letzten beiden Beiträge!
Die ich gerade erst gelesen habe.

Ich wollte ansonsten noch feststellen (und ich hoffe, dass auch das nicht zu einem Neuaufflammen beiträgt):
Ich glaube, wir reden hier auch viel aneinander vorbei.
Manch einer geht es um die Fehler, die fischperle gemacht hat... bis hin dazu, dass die eigene Reaktion damit pauschal legitimiert wird und nicht zur Diskussion steht.
Mir persönlich hingegen geht es in erster Linie um die Reaktionen. Den Umgang mit Situationen, die nicht gefallen (stören, wehtun, ... bitte passendes verb einsetzen).



02.08.2020 12:13
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 12:03:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 11:23:
"So wie Du bist, bist Du hier nicht in Ordnung"-gatekeeping


Ich kenne im echten Leben zahllose Menschen, die deswegen die Szene verlassen haben u/o meiden. (Wobei ich davon ausgehe, dass ich die meisten aus dem Grund nichtmal kenne).
das Problem: die sind dann auch nicht mehr da, um die Szene mitzuformen.

Mich macht das sehr traurig.
Zum einen für die Menschen, die dann keinen Szene-Anschluss mehr haben (obwohl sie ihn z.T. vielleicht noch dringender bräuchten), zum anderen aus zweierlei Gründen für die Szene selber: erstens wegen des unschönen von Ausschlüssen, und zweitens, weil sie verarmt.
Aber vielleicht gibt es Leute, denen eine Filterblase wichtiger ist. Wenn sie die Macht haben, die nach ihren Vorstellungen durchzusetzen... dann fänd ich es wenigstens fair, sie würden das zugeben.


Die Frage, die sich mir ja auch schon in einem anderen Thread stellte (Du erinnerst Dich sicher an unsere Diskussion), ist doch:
Warum möchte jemand Teil einer Szene sein, die er weder versteht noch respektiert?
Wenn jemand allen ernstes und mit drastischen Worten behauptet, Lesben wollten doch (mindestens gelegentlich) von einem Mann gef*ckt werden - was diese sich sonst eher von Männern anhören müssen, die wohl als homophob eingestuft werden dürften, wenn jemand Lesben beschimpft und beleidigt als Personen, die selbst Trans*menschen missbrauchen und misshandeln - wieso möchte SO JEMAND denn bitteschön unbedingt Teil der lesbischen Szene werden???

Kannst Du mir das BITTE erklären?

Das Beispiel von Isa bringt übrigens wunderbar auf den Punkt, weshalb bei ihrer Geschichte kein "Aufschrei" durchs Forum ging, bei dem *piep* von Fischperle aber sehr wohl.
Und nein, das lag nicht an Wattebäuschchen.

02.08.2020 12:25
HiddenNickname

Die TE ist nicht mehr da.

Wie respektvoll ist es, weiterhin ihre Worte im Detail hier zu besprechen? Ohne dass sie Stellung etc. beziehen kann?

Würden sich das manche auch für sich selbst wünschen?

Ich bin zumindest hier raus.

02.08.2020 12:35
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 12:25:

Die TE ist nicht mehr da.

Wie respektvoll ist es, weiterhin ihre Worte im Detail hier zu besprechen? Ohne dass sie Stellung etc. beziehen kann?

Würden sich das manche auch für sich selbst wünschen?

Ich bin zumindest hier raus.


Vielleicht könnte man die Diskussion aber auch nutzen, um generell mal über den "Ton"/die Wortwahl im Forum zu reden?
Ob man angemessene, gewaltfreie Sprache wirklich als "Wattebausch" diskreditieren muss?

02.08.2020 12:42
HiddenNickname

@QueerPower

Wenn es ein Bedürfnis gibt sich weiter mit dem Thread zu beschäftigen kann ich das verstehen. Die TE hat öffentlich geschrieben und nur weil sie weg ist, ist es trotzdem geschrieben, steht hier im Forum. Ich finde es ok und überhaupt nicht respektlos ihre Aussagen mit eigenen Berichten und Meinungen zu interpretieren und zu diskutieren.
Das zeigt doch wie sehr sie aufgerüttelt hat, in diesem oder jenem Sinn.

Edit: s entfernt

editiert am 02.08.2020 13:45 Beitrag melden Zitatantwort
02.08.2020 12:50
HiddenNickname

@ Mehrere Leser*innen:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb:
(... u.a. Verfasserin entfernt, weil mehrere User*innen diesen Punkt kritisieren...)

Wenn jemand allen ernstes und mit drastischen Worten behauptet, Lesben wollten doch (mindestens gelegentlich) von einem Mann gef... werden - was diese sich sonst eher von Männern anhören müssen, die wohl als homophob eingestuft werden dürften, wenn jemand Lesben beschimpft und beleidigt als Personen, die selbst Trans*menschen missbrauchen und misshandeln -

(...)



Die TE hat in diesem Zusammenhang die „Lesben“ bzw. „lesbisch“ in Anführungszeichen gesetzt. An anderer Stelle spricht sie nur von Frauen, nicht von Lesben. Später schrieb sie, dass sie erst nach ihrer OP die erste, echte lesbische Liebesbeziehung erfahren hatte und sich dann selbst als Lesbe fühlte.

(Ich habe gerade extra nochmal nachgesehen. Dies kann gerne von jemand Anderes hier mit Zugang zum Ero-Forum bestätigt werden.)

Sie HAT also sehr wohl ihre Meinung und Haltung zu diesen Frauen mitgeteilt, nämlich, dass diese Frauen für sie keine Lesben waren. Ein pauschales „Lesbenbashing“ gab es nicht. Es gab quasi ein „bestimmter Frauen-Typ-bashing“ und was sie davon hielt und dabei empfand.

Bei all der wortwörtlichen Kritik wurde die gezielte Zeichensetzung ignoriert...



02.08.2020 12:51
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 12:25:

Die TE ist nicht mehr da.

Wie respektvoll ist es, weiterhin ihre Worte im Detail hier zu besprechen? Ohne dass sie Stellung etc. beziehen kann?

Würden sich das manche auch für sich selbst wünschen?

Ich bin zumindest hier raus.


Dito. Mir dreht sich der Magen um.

02.08.2020 12:59
HiddenNickname

Mir drehte sich der Magen bei dem verschobenen und einigen anderen Beiträgen der TE um.
Hab es nur nicht im Detail erwähnt, weil ich diese offensichtliche Zurschaustellung von Erbrechen (ist ja in letzter Zeit auch in diversen Filmen in Mode gekommen) selbst zum Kotzen finde.

Ne Runde Kamillentee oder Vomex gefällig?

02.08.2020 13:41
HiddenNickname

Also ich habe dir Show von Hannah Gadsby auch gesehen und kann mich nicht erinnern, dass die voll von pauschalisierender Homophobie und Gewalt war...

02.08.2020 13:43
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 12:25:

Die TE ist nicht mehr da.

Wie respektvoll ist es, weiterhin ihre Worte im Detail hier zu besprechen? Ohne dass sie Stellung etc. beziehen kann?

Würden sich das manche auch für sich selbst wünschen?

Ich bin zumindest hier raus.


Ich würde mir das nicht wünschen, aber würde auch keinen Thread eröffnen, um mich im nächsten Moment abzumelden und damit bewusst Raum für Diskussion bieten, indem ich auch noch weitere Provokationen einwerfe. Nö, würde ich nicht tun. Die TE hat sich dafür entschieden ... der Thread ist da und offen.
Ihre Gedanken hätte sie z. B. auch in einem der Gedanken-Threads schreiben können, aber sie hat sich für einen neuen, eigenen Thread entschieden.
Was ist also respektlos daran, auf diesen zu reagieren?

02.08.2020 13:44
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 12:13:

Kannst Du mir das BITTE erklären?



Nein, ich kann natürlich nicht erklären, warum jemand anders etwas "will" (bedenktliche Formulierung übrigens, finde ich).

Das könnte nur Nadja - hat jemand sie das eigentlich mal gefragt? Auf interessierte Weise, und nicht aggressiv? Sie war ja nach Ankündigung wohl noch die Woche da.
Das hätte so ein Aufeinanderzugehen sein können, von dem ich mir vorstellen kann, dass sie es sich vielleicht gewünscht hätte...

Ich selber findes es tatsächlcih überhaupt nicht so unerklärlich...
Wenn es Dich wirklich interessiert, im Sinne eines pot. Verständnisgewinns, kann ich das gerne mal erläutern. Allerdings ungern hier und nur bedingt gern in Bezug auf eine konkrete Person, über deren kopf ich dann reden müsste...
((Nachtrag: ich glaub allerdings nicht, dass das zwischen uns beiden viel bringt... wir kommunizieren von zu unterschiedlichen Planeten aus))

Soviel ist aber vielleicht allgemein genug:
Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Text zu lesen. (Ganz zu schweigen von den Kommunikationsebenen etc...).
Manches kann man sicher auch dann besser verstehen, wenn man sich auf die Sprache, in der es verfasst ist, einlässt statt sie als erstes zu bekämpfen.
Und natürlich muss man Verständnis haben wollen; solange man in widersache gefangen ist, wirds schwierig. (Muss natürlich nicht, aber dann wirds auch nix).

editiert am 02.08.2020 13:54 Beitrag melden Zitatantwort
02.08.2020 14:06
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 12:50:
@ Mehrere Leser*innen:

Wenn jemand allen ernstes und mit drastischen Worten behauptet, Lesben wollten doch (mindestens gelegentlich) von einem Mann gef... werden - was diese sich sonst eher von Männern anhören müssen, die wohl als homophob eingestuft werden dürften, wenn jemand Lesben beschimpft und beleidigt als Personen, die selbst Trans*menschen missbrauchen und misshandeln -
(...)


Die TE hat in diesem Zusammenhang die „Lesben“ bzw. „lesbisch“ in Anführungszeichen gesetzt. An anderer Stelle spricht sie nur von Frauen, nicht von Lesben. .....................
Sie HAT also sehr wohl ihre Meinung und Haltung zu diesen Frauen mitgeteilt, nämlich, dass diese Frauen für sie keine Lesben waren. Ein pauschales „Lesbenbashing“ gab es nicht. Es gab quasi ein „bestimmter Frauen-Typ-bashing“ und was sie davon hielt und dabei empfand.
Zitat


Ich habe keinen Zugang zu diesem ERO-Forum, das nur vorweg.
Hätte sie Lesben nicht gemeint, hätte sie Lesben nicht schreiben sollen. Anführungszeichen hin oder her. DAS hat mich auch verletzt und ich erinnere mich, dass ich ihr darauf auch entsprechend geantwortet habe. Wie ich finde sehr taktvoll, trotz dieses Angriffs auf Lesben.

Deine Meinung "Lesbenbashing" gab es nicht, finde ich mehr als nur falsch. Es gab mehrere Aussagen von ihr dazu.



02.08.2020 14:07
HiddenNickname

Zu den Kommunikationsebenen ein paar Gedanken...

(für alle, die evtl. noch ncihts davon gehört haben, stark verkürzte Erklärung:
Mehrere Theorien gehen davon aus, dass wir Kommuniziertes auf vier verschiedene Weisen ("Ohren" o.ä.) lesen können:
- Sachohr/Sachebene: Was steht da tatsächlich
- Selbstkundgabe-Ebene: Was sagt es über die Schreibende aus? Was steckt dahinter?
- Appellohr: Was macht das mit mir, welche "Anforderung" an mich lese ich da heraus?
- Beziehungsohr: Was schwingt dabei zwischen uns, wie positioniert uns das zueinander

).


Ein so polarisierender, kraftvoller Text wie der von Fischperle, der etliches enthält was bekannt ist (oder auch nur scheint)... trägt vermutlich dazu bei, dass die "Ohren" noch unwillkürlicher anspringen.

Mir scheint, einige sind gleich mit dem Appell-, viellelicht mit dem Beziehungsohr darauf angesprungen.
Ich reagiere eigentlich oft (nicht immer) mit dem Sach-Ohr... aber Nadjas Beitrag war für mich so klar persönlich, dass bei mir sofort das Selbskundgabeohr angesprungen ist....

So weit so gut. Das erklärt vielleicht auch unterschiedliche Lesarten.
Aber: Es ist eigentlich keins legitimer als das andere, angeblich... ( auch wenn ich das gerne für das Sachohr so sehen würde).



02.08.2020 14:08
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 13:44:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 12:13:

Kannst Du mir das BITTE erklären?



Nein, ich kann natürlich nicht erklären, warum jemand anders etwas "will" (bedenktliche Formulierung übrigens, finde ich).

Das könnte nur Nadja - hat jemand sie das eigentlich mal gefragt? Auf interessierte Weise, und nicht aggressiv? Sie war ja nach Ankündigung wohl noch die Woche da.
Das hätte so ein Aufeinanderzugehen sein können, von dem ich mir vorstellen kann, dass sie es sich vielleicht gewünscht hätte...

Ich selber findes es tatsächlcih überhaupt nicht so unerklärlich...
Wenn es Dich wirklich interessiert, im Sinne eines pot. Verständnisgewinns, kann ich das gerne mal erläutern. Allerdings ungern hier und nur bedingt gern in Bezug auf eine konkrete Person, über deren kopf ich dann reden müsste...
((Nachtrag: ich glaub allerdings nicht, dass das zwischen uns beiden viel bringt... wir kommunizieren von zu unterschiedlichen Planeten aus))

Soviel ist aber vielleicht allgemein genug:
Es gibt mehrere Möglichkeiten, einen Text zu lesen. (Ganz zu schweigen von den Kommunikationsebenen etc...).
Manches kann man sicher auch dann besser verstehen, wenn man sich auf die Sprache, in der es verfasst ist, einlässt statt sie als erstes zu bekämpfen.
Und natürlich muss man Verständnis haben wollen; solange man in widersache gefangen ist, wirds schwierig. (Muss natürlich nicht, aber dann wirds auch nix).


Wozu dann so viele Buchstaben, wenn Du eh nix aussagen willst? Unnötig ...

02.08.2020 14:10
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 14:07:

Zu den Kommunikationsebenen ein paar Gedanken...

(für alle, die evtl. noch ncihts davon gehört haben, stark verkürzte Erklärung:
Mehrere Theorien gehen davon aus, dass wir Kommuniziertes auf vier verschiedene Weisen ("Ohren" o.ä.) lesen können:
- Sachohr/Sachebene: Was steht da tatsächlich
- Selbstkundgabe-Ebene: Was sagt es über die Schreibende aus? Was steckt dahinter?
- Appellohr: Was macht das mit mir, welche "Anforderung" an mich lese ich da heraus?
- Beziehungsohr: Was schwingt dabei zwischen uns, wie positioniert uns das zueinander

).


Ein so polarisierender, kraftvoller Text wie der von Fischperle, der etliches enthält was bekannt ist (oder auch nur scheint)... trägt vermutlich dazu bei, dass die "Ohren" noch unwillkürlicher anspringen.

Mir scheint, einige sind gleich mit dem Appell-, viellelicht mit dem Beziehungsohr darauf angesprungen.
Ich reagiere eigentlich oft (nicht immer) mit dem Sach-Ohr... aber Nadjas Beitrag war für mich so klar persönlich, dass bei mir sofort das Selbskundgabeohr angesprungen ist....

So weit so gut. Das erklärt vielleicht auch unterschiedliche Lesarten.
Aber: Es ist eigentlich keins legitimer als das andere, angeblich... ( auch wenn ich das gerne für das Sachohr so sehen würde).



Jo, man kann natürlich leicht auf dem Sach-Ohr reagieren, wenn es einen selbst nicht betrifft.
Ich sag nur "sezieren unterm Mikroskop" ...

02.08.2020 14:21
HiddenNickname

Teamhinweis:
Bitte an die AGB halten! (Ziffer 6)
02.08.2020 14:40
HiddenNickname

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 02.08.2020 um 11:57:

Vor etwa einem oder zwei Jahren haben meine beste Freundin und ich uns eine Comedy-Show auf Netflix angesehen. Die Kinder waren im Bett und wir lümmelten gemütlich auf dem Sofa mit leckerem Knabberkram und Kaltgetränken. Wir haben vorher recherchiert, dass es eine lesbische Comedian ist und die Show gute Kritiken bekommen hat.

Es handelte sich dabei um Hannah Gadsby‘s „Nanette“.
Eine Stand-Up-Show, in der sie persönliche Erfahrungen zu ihrem Coming Out, Homophobie, gesellschaftliche Normen und Gewalt in unterschiedlichen Formen eingearbeitet hat. In und mit „Nanette“ hat sie Grenzen, Mauern und Wände zu Tabuthemen und Komödie und gesellschaftliche Konstrukte gezielt mit Wörtern heruntergerissen und zerschreddert.

Das Publikum in der Show war darauf nicht vorbereitet gewesen. Die Atmosphäre war selbst bei uns auf dem Sofa spürbar: Lachen, Entspanntheit, Irritation, Unbehagen, Entsetzen, Atemlosigkeit, Sprachlosigkeit, Mitgefühl, Wut, Tränen, ... All diese Gefühle wurden in einem Spannungsbogen von Hannah Gadsby gehalten. Mit einer entspannt unterhaltsamen Comedy-Stand-Up-Show hatte es nur noch wenig zu tun.

Wir waren darauf nicht vorbereitet gewesen.
Wir hatten vorher etwas recherchiert. Aber nirgendwo stand wirklich etwas über die Inhalte. Wir haben es uns freiwillig angesehen, weil ... hey, eine Frau, eine Lesbe, hochgelobt von Kritikern, bei Netflix. YES! Ein Muss für uns.

Das Knabberzeug und die Getränke standen vergessen auf dem Tisch. Ab und zu haben wir uns geschockt angesehen und gelegentlich „wtf“ gesagt. Wir waren zu geschockt, währenddessen und danach. Wir wurden durch wohl ausgesuchte Worte, durch die thematischen Inhalte und durch die sehr persönliche Performance emotional so richtig durchgeschleudert. Ohne Worte haben wir beide zur gleichen Zeit zur Decke hochgesehen, wo eine Etage über uns die Kinder geschlafen haben.

Wir saßen danach noch schweigend da, was für uns ungewöhnlich ist, weil uns die Worte gefehlt haben und wir noch am Verarbeiten waren.

Wir waren uns beide einig: DAS war eine verd... gute Show. Informativ, intensiv, grenzensprengend und empowernd. In vielerlei Hinsicht.
Sie hat (nicht nur) uns getriggert.

Worte sind immer ein sehr starkes Medium. Ob angemessen und wohl überdacht oder nicht.
Jede Person nimmt Inhalte und Worte individuell wahr. Eine Botschaft steckt immer darin.

Dieses ganze Nach-Diskutieren triggert mich zum Beispiel.
Immer wieder dachte ich, jetzt ist gut, jetzt wurde genug kommuniziert - und dann geht es doch weiter. Der Thread wird wieder hochgepusht in der Forenansicht. Ich kann das nicht wegblinzeln. Ich hatte genug andere Beiträge dazu bereits hier gelesen. Ich bin emotional involviert, wenn ich den Thread-Titel nur sehe. Ich habe darum auch nicht gebeten.

Das tut mir nicht gut.
Dennoch lese ich weiterhin im Forum und atme manchmal mehrmals tief durch. Denn ich rechne damit, dass es noch weitergehen wird.

Ich fand, dass diese persönliche Geschichte von mir hier ganz gut reinpasst, weil fischperles persönlich geschilderten Erfahrungen bei Lesenden mehrere Triggerpunkte gereizt hat - inhaltlich und wortwörtlich.
Sie hat durch ihre Beiträge ebenfalls etwas bewirkt und wurde kritisiert. Gut und negativ. Die Inhalte bleiben.

Peace.


*TOPP* wirklich sehr gutes eindringliches Statement und Schilderung - fabelhaft.
Dafür Daumen hoch pointen ist eine wahre Wohltat und Balsam für Gehirn und Seele *Danke Highbrow* für diese phantastisch guten Zeilen

(hoffe Du schreibst auch Bücher ? Wäre sonst ein verschwendetes Talent ...)

02.08.2020 14:45
HiddenNickname

Ich finds echt gruselig, wie hier die Aussagen der TE, der es offensichtlich nicht so sehr gut ging mit den Themen, die sie besprechen wollte, fürs Schaulaufen mit dem eigenen Ego benutzt werden..
Dieses gnadenlose Bewerten hilft weder der TE, noch trägt es irgendwie dazu bei, Perspektiven zu erleuchten...



editiert am 02.08.2020 14:45 Beitrag melden Zitatantwort

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