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Forum » News, Politik & Wissenschaft » ThreadKomapatientin - Vater greift Berlusconi an
09.02.2009 16:05
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0 ROM, 8. Februar (AFP) - Das Schicksal der seit 17 Jahren im Koma liegenden Eluana Englaro spaltet Italien. Ihr Vater Beppino Englaro warf Regierungschef Silvio Berlusconi in einem am Sonntag veröffentlichten Interview vor, er betreibe mit seiner Notverordnung zur Fortführung der künstlichen Ernährung Eluanas "nichts als Theater". Italiens Präsident Giorgio Napolitano hatte sich zuvor geweigert, das Dekret Berlusconis zu unterzeichnen. Beppino Englaro zeigte sich gegenüber der spanischen Zeitung "El País" überrascht, dass Berlusconi in dem Fall "plötzlich die Szene betritt". Bereits vor fünf Jahren habe er dem damaligen Regierungschef einen Brief geschrieben und das Schicksal seiner Tochter geschildert. "Es kam nie eine Antwort." Indem er Napolitano das Dekret zum Verbot der Sterbehilfe vorlegte, habe Berlusconi das Rechtssystem umgehen wollen. "Er versteht einfach nicht, was Gewaltenteilung bedeutet", sagte Englaro. Der Vater der heute 38-jährigen Eluana kämpft seit Jahren vor Gericht um Sterbehilfe für seine Tochter. Ende Januar hob der Mailänder Verwaltungsgerichthof einen Verwaltungsbescheid auf, der dem Pflegepersonal die Beendigung der künstlichen Ernährung Eluanas verbot. Damit war der Weg für ein Abschalten der Geräte frei. Mit einem am Freitag beschlossenen Dekret wollte die Regierung Berlusconi den Abbruch der künstlichen Ernährung für die Frau jedoch in letzter Minute untersagen. Der linksgerichtete Präsident Napolitano verweigerte seine Unterschrift. Berlusconi zeigte sich überrascht über Napolitanos Verhalten. Er "hätte gedacht, dass die Präsidentschaft sich über ihre juristischen Bedenken stellen könnte, um ein Menschenleben zu retten", sagte der rechtskonservative Ministerpräsident am Samstag laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ANSA. Er äußerte sich zudem "erstaunt, dass Ärzte, deren Aufgabe es ist, Menschenleben zu retten", etwas täten, das zum sicheren Tod führe. Das Verweigern von Nahrung sei "grausam". Die Regierung will nun versuchen, binnen zwei bis drei Tagen per Eilgesetz die Sterbehilfe zu verhindern. Der Senat wollte am Montagabend über das Gesetz beraten, eine Verabschiedung könnte sich aber bis zum kommenden Samstag hinziehen, wie der "Corriere della Sera" am Sonntag berichtete. Englaro wäre dann aber schon den achten Tag in Folge ohne künstliche Ernährung, meldete das Blatt unter Berufung auf Ärzteangaben. Der Prozess sei dann schon seit drei Tagen nicht mehr rückgängig zu machen. Englaros Vater sagte gegenüber "El País", die Ärzte in der Klinik in Udine folgten "hundertprozentig" dem gerichtlich festgelegten Prozedere, um seiner Tochter das Sterben zu ermöglichen. Details wollte er nicht nennen. Eluana war 1992 durch einen Autounfall ins Koma gefallen. Ihr Schicksal bewegt seitdem ganz Italien. Berlusconis Bemühen um ein Verbot der Sterbehilfe wird von der katholischen Kirche unterstützt, die in Italien sehr einflussreich ist. Papst Benedikt XVI. hob am Samstag erneut "die absolute und übergeordnete Würde eines jeden Menschenlebens" hervor, ohne direkt Englaros Schicksal zu erwähnen. Die italienische Linke hingegen wirft Berlusconi vor, den Fall für politische Zwecke zu missbrauchen. Der Fall Eluana erinnert an den von Terry Schiavo aus den USA, der ein Gericht 2005 das Sterben erlaubte. Schiavo hatte 15 Jahre im Koma gelegen, ihr Mann setzte sich jahrelang gegen den Willen der Eltern seiner Frau für ein Abschalten der Geräte ein. US-Präsident George W. Bush versuchte bis zuletzt, den Gerichtsentscheid rückgängig zu machen. Quelle: msn.de
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