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Forum » Literatur, Kunst & Philosophie » Thread

Liebe

01.05.2026 18:25
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Ich wage nicht, die Liebe zu erklären.
Ich hebe sie nur einen Augenblick ins Licht
und schaue, wie es sich in ihr bricht.

Diese Helligkeit
fällt nie in zwei Herzen gleich.
Dem einen
fast golden,
dem andern
dunkel an den Rändern.

Still wie Wasser in der Hand,
fast so, als dürfe man sie halten.
Dann wieder gleitet sie davon,
wird Atem, Flügelschlag, Bewegung,
ein Licht am Rand von etwas Namenlosem
und doch so nah, dass es uns wandelt.

Eben noch warm in meiner Hand —
und schon im nächsten Atemzug
schaudert sie mich.
Im selben Licht
Weiches,
Scharfes.
Gerade, als ich meine, sie fast zu begreifen,
zerfließt sie mir schon wieder.

eine kleine Hand in meiner,
als wäre eine ganze Welt
nur für mich gemeint

dieses Streicheln an meiner Wange,
und selbst der Schmerz
fällt einen Augenblick
mit mir mit ins Licht

ein heller Augenblick,
der das Schwere
nicht leugnet.
Darin ein Lachen.
Nicht unschuldig.
bittersüß.
leicht schwer.
nicht ohne Schatten.
Auch das,
was lange in einem ruht.
und doch
Herzklopfen.
Das Helle,
das plötzlich weiterträgt.
Nicht ohne Bilder,
in denen ich schon gehe,
ehe ich weiß,
wohin.

ein Brausebonbon in einer alten Hand,
von weit her zu mir getragen,
als wüsste sie noch,
dass kleinste Freude
die Welt sein kann

ein geplanter Sommer,
der niemals ein Sommer wurde
und doch schon lebte
in ihren jungen Stimmen,
in ihrem Lachen,
in diesem Trotzdem,
mit dem sie
diesen Sommer
mit ihr schon lebten

weich.
scharf.
nah genug,
um zu wärmen.
fern genug,
um zu schaudern.
klein wie ein Bonbon in einer alten Hand,
groß wie ein Sommer,
der nie kam
und doch schon lebte.

Vor mir haben andere hingesehen.
Neben mir tun sie es.
Nach mir werden sie es tun.
Ich bin nicht mehr als eine von vielen,
die für einen Augenblick
ihr Gesicht ins Licht hebt
und weiterschaut.
Denn morgen
kann sie schon anders sein.
Ein anderes Licht.
Ein anderer Schatten.
Eine andere Galaxie.

Ich werde sie nicht halten.
Nicht erklären.
Nicht zu Ende sagen.
Ich halte sie nur mit meinen Händen
einen Augenblick ins Licht
und lasse sie weiter
als ich.

So zeigt sie sich mir.
Nicht ganz, nicht endgültig — nur in diesem Licht, in diesen Bildern.
Wenn ihr mögt, erzählt mir, wie die Liebe sich euch zeigt.
Mika


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