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Polizei löst gewaltsam Schwulen-Demo auf


16.05.2009 13:21
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Die Moskauer Polizei hat vor dem Finale des Eurovision Song Contest eine Demonstration gegen die Diskriminierung Homosexueller in Russland gewaltsam aufgelöst. Teilweise im Würgegriff wurden mindestens 20 Männer und Frauen aus Russland und Weißrussland vor der staatlichen Lomonossow-Universität abgeführt. Auch ein US-Bürger wurde festgenommen.

Die Demonstranten hatten bei der nicht genehmigten Kundgebung Plakate entrollt, auf denen die Einhaltung der Menschenrechte für Schwule und Lesben gefordert wurde. Augenzeugen berichteten, dass Polizisten der Spezialeinheit OMON die Demonstranten jagten und sie in Gefängniswagen sperrten.

Polizisten zerren Aktivisten in bereitstehende Busse
Die Demonstranten, darunter der britische Aktivist Peter Tatchell, riefen Slogans wie: "Schwulenfeindlichkeit ist eine Schande für dieses Land!" und "Wir fordern gleiche Rechte!" Nach nur einer Minute begannen Bereitschaftspolizisten, die Demonstranten zu ergreifen und in bereitstehende Busse zu zerren.

Tatchell sprach gerade mit Journalisten, als ihn Polizisten wegrissen. "Das zeigt, dass das russische Volk nicht frei ist", sagte er. Der russische Führer der Homosexuellen-Bewegung, Nicolai Alexejew, wurde an Händen und Füßen in ein Polizei-Fahrzeug gezerrt. Auch die Aktivistin Ksenia Prilebskaja wurde festgenommen. Polizisten zerrissen Prilebskajas Bluse und BH, als sie sie grob in den Bus stießen.

Die Geschehnisse wurden von zahlreichen Journalisten, darunter auch mehreren Fernsehteams, verfolgt. Die Polizei versuchte, die Medien mit Gewalt vom Ort der Auseinandersetzung zu vertreiben. Die festgenommenen Demonstranten beriefen sich immer wieder auf ihre Grundrechte. "Wir sind friedliche Menschen und wollen so leben wie andere auch", rief eine Russin.

Mit der Demonstration "Slavic Pride" wollten die Demonstranten ein Zeichen gegen die offen feindselige Haltung vieler Politiker in Russland setzen. Der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow nannte Homosexualität "teuflisch". An einer Demonstration von Gegnern der Homosexuellen-Bewegung nahmen 50 Personen teil; ein Teilnehmer wurde festgenommen, als er die Machthaber im Kreml als schwul bezeichnete.

Der Grünen-Politiker Volker Beck bezeichnete die Vorgänge in Moskau als Skandal. Er forderte in Berlin die Bundesregierung auf, sich unverzüglich für die Freilassung der festgenommenen Demonstranten einzusetzen. Die Eurovisionsteilnehmer und die übertragenden Fernsehanstalten rief Beck auf, gegen das Vorgehen der russischen Behörden zu protestieren. "Man kann nicht einfach weggucken und zur Tagesordnung übergehen", sagte er. "Nun ist Zivilcourage gefragt."

Das Finale des Song Contests wird am Abend ausgetragen; viele Millionen Menschen in Europa werden es im Fernsehen verfolgen. Die Veranstaltung ist vor allem bei Homosexuellen beliebt. Es gehört zur Tradition des alljährlichen Wettbewerbs, dass am Austragungsort Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit feiern. Die Musikveranstaltung hatte bereits im Vorfeld ein Schlaglicht auf die Lage Homosexueller in Russland geworfen: Einige Künstler haben einen Auftrittsboykott angedroht, sollte die nun aufgelöste Kundgebung nicht stattfinden.

www.t-online.de


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