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Versprengtes - weiterhin ...

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11.09.2019 15:34
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WAHRE SCHÖNHEIT

Die schönsten Menschen,
die ich kennen gelernt habe, sind die,
die Niederlagen einstecken mussten,
die Leid, Schicksalsschläge
und Verlust erfahren haben,
und die es dennoch schafften,
immer wieder ihren Weg
aus der Tiefe heraus zu finden.
Ihre Erfahrungen gaben ihnen
eine Wertschätzung,
eine Empfindsamkeit
und ein Verständnis vom Leben,
die sie in Mitgefühl, Sanftheit
und in tiefer Liebe auf andere
Menschen zugehen lassen.

Ein schöner Mensch wird nicht geboren.
Ein Mensch wird schön durch die Kraft,
sich über seine Tiefschläge
zu erheben und daran zu reifen.


(Elisabeth Kübler Ross)



11.09.2019 15:36
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Für mich gibt es nur das Gehen auf Wegen, die Herz haben,
auf jedem Weg gehe ich, der vielleicht ein Weg mit Herz ist.
Dort gehe ich, und die einzige lohnende Herausforderung ist, seine ganze Länge zu gehen. Und dort gehe ich und sehe und sehe atemlos.


(Carlos Castaneda)

12.09.2019 00:50
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 07.09.2019 um 15:41:

Du bist auch deine DUNKELHEIT.
Die Abgründe und Widersprüche
gehören auch zu dir.
Die SCHATTEN geben deinem Leben
Tiefe und Menschlichkeit.


Ulrich Schaffer: Grundrechte




Licht ist einfach zu lieben.
Zeig mir deine Dunkelheit.

R.R. Queen




14.09.2019 13:18
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Ich suche nirgends mehr dein Gesicht. Lange tauchtest du überall auf. Wie sollte ich einen Weg, eine Straße, ein Ufer finden, das wir nicht gemeinsam gekannt hätten? Ich musste fliehen oder jedem Ort allein begegnen. In der Betriebsamkeit der Menge, in der Einsamkeit eines Waldweges sah ich nur dich. Mein Verstand wies diese Trugbilder von sich, aber mein Herz suchte sie. Du warst fern und nah. ...

Anne Philipe, aus: „Nur einen Seufzer lang“ (Deutsche Übersetzung von Margarete Bormann)


21.09.2019 12:47
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Ich bin den ganzen Tag in Florenz herumgeschlendert, mit offenen Augen und träumendem Herzen.
Sie wissen, das ist meine größte Wonne in dieser Stadt, die mit Recht den Namen la bella verdient. Wenn Italien, wie die Dichter singen, mit einer schönen Frau vergleichbar, so ist Florenz der Blumenstrauß an ihrem Herzen.


Heinrich Heine




24.09.2019 16:25
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Nie mehr sprechen.
Keine Wörter mehr.
Dieses akustische Ungeziefer.
Den Mund spülen. Pfefferminz, bitte, Ingwer.
Oder gleich Pfeffer, Paprika, Jod, Lysol, ja Lysol und dann Blei in den Schlund,
basta, ein für allemal ...



Martin Walser




11.10.2019 10:06
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Sie erkannte, dass die Menschen dieser Welt in einem Panzer der Selbstgefälligkeit daherkamen, trunken von ihrem Spiegelbild, dürstend nach Komplimenten, beinahe taub für das, was man zu ihnen sagte, ungerührt vom Unglück selbst ihrer engsten Freunde und in steter Furcht vor jedem Ansinnen, das sie in ihrer langen Zwiesprache mit den eigenen Wünschen und Sehnsüchten stören mochte.

Thornton Wilder: Die Brücke von San Luis Rey


11.10.2019 10:07
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…es ist so: Ich liebe. Aber ich liebe niemanden. Es ist niemand da, den ich lieben könnte. Ich suche jemanden, um ihn zu lieben. Ich habe zu viel Liebe, und ich suche nach einem Menschen, dem ich sie geben könnte… Ich habe es mit dem Garten versucht, Blumen brauchen viel Liebe, heißt es, aber es hat nicht gereicht, für die Liebe, es ist immer noch zu viel übrig. Ich habe überall gesucht, auf Reisen, und in Zeitungen, und im Internet, aber ich habe nicht den richtigen Menschen gefunden. ...

Antonia Michaelis: Paradies für alle


11.10.2019 10:08
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Geheimes Einverständnis, gemeinsame Gewohnheiten, nach zwanzigjähriger Gefühlskälte und Einsamkeit lege ich die Maske ab, lasse die Rüstung fallen, verscharre den Schildkrötenpanzer, mein Misstrauen verschwindet, ich gestehe: Die Liebe gleicht einer epidemischen Krankheit, je mehr man sie fürchtet, desto mehr ist man ihr ausgeliefert. ...

Volker Harry Altwasser: Glückliches Sterben


11.10.2019 10:11
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ICH LIEBE

Aus beiden Augen strahlt meine goldene Liebe
In beiden Händen zittert die furchtsame Liebe
In meinen Schläfen klopft die gefangene Liebe
Mein Lied ist Liebe
Mein Schweigen ist Liebe
Mein Tanz ist Liebe
Meine Krankheit ist Liebe
Der Frühling ist Liebe
November ist Liebe
Ich lebe aus Liebe
Ich sterbe vor Liebe


YVAN GOLL (1891-1950)


13.10.2019 13:57
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Es gibt ein so subtiles, diffuses inneres Leid, dass sich nicht feststellen lässt, ob es von der Seele oder vom Körper herrührt oder ein Unwohlsein ist, weil man die Nichtigkeit des Lebens spürt, oder aber die schlechte Laune, die aus irgendeinem organischen Abgrund aufsteigt - aus Magen, Leber oder Gehirn.
Wie oft trübt sich das normale Bewusstsein meiner selbst durch den aufgewühlten Bodensatz einer unruhigen Stagnation!
Wie oft schmerzt es mich, mit einem so unbestimmten Gefühl des Ekels existieren zu müssen, dass ich nicht weiß, ob es Überdruss ist oder ein beginnendes Erbrechen! Wie oft...
Meine Seele ist heute traurig bis in den Körper.


Fernando Pessoa
Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares




13.10.2019 14:44
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Vom Ende an-Aus dem Polnischen mit Nea Weisberg-Bob



Mein Leben hatte am Ende seinen Anfang …

Zuerst lernte ich den Tod, die Grausamkeit kennen

Und erst danach die Geburt

In Ruinen aufgewachsen, unter der Herrschaft des Hasses

sah ich erst später, wie man ein Heim erbaut



Das war die gewohnte Atmosphäre meiner Kindheit

Später erst sah ich auch Licht

entdeckte das Blühen



Nur die Liebe kannte ich immer

Auch wenn es noch schlimmer als schrecklich war

selbst in der Hölle begegnete sie mir.



Mein Leben begann am Ende

und kehrte zum Anfang zurück

Ich bin wieder auferstanden

Nichts war umsonst

Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

In mir ist die Kraft nicht aufzugeben

Ich bin ein Beweis


-Halina Birenbaum



13.10.2019 19:44
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Ihr Worte, auf, mir nach!,
und sind wir auch schon weiter,
zu weit gegangen, geht’s noch einmal
weiter, zu keinem Ende geht’s.

Es hellt nicht auf.

Das Wort
wird doch nur
andre Worte nach sich ziehn,
Satz den Satz.
So möchte Welt,
endgültig,
sich aufdrängen,
schon gesagt sein.
Sagt sie nicht.

Worte, mir nach,
dass nicht endgültig wird
– nicht diese Wortbegier
und Spruch auf Widerspruch!

Lasst eine Weile jetzt
keins der Gefühle sprechen,
den Muskel Herz sich anders üben.

Lasst, sag ich, lasst.

Ins höchste Ohr nicht,
nichts, sag ich, geflüstert,
zum Tod fall Dir nichts ein,
lass, und mir nach, nicht mild
noch bitterlich,
nicht trostreich,
ohne Trost,
bezeichnend nicht,
so auch nicht zeichenlos –

Und nur nicht dies: das Bild
im Staubgespinst, leeres Geroll
von Silben, Sterbenswörter.

Kein Sterbenswort,
Ihr Worte!



Ingeborg Bachmann

29.10.2019 23:34
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Ich habe schon gesagt, daß Metaphern gefährlich sind.
Die Liebe beginnt mit einer Metapher.
Anders gesagt:
Die Liebe beginnt in dem Moment,
da eine Frau sich mit ihrem ersten Wort in unser poetisches Gedächtnis einprägt.

Milan Kundera
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins






29.10.2019 23:37
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"... zudem, gerade als Schreiber sollte ich dankbar sein für die Beulen auf meiner Seele. Sie verhindern, dass ich satt werde und als unheilbar Gutgelaunter die Seiten vollmache.
Das Wissen um die eigene Verwundbarkeit macht empfindsamer, durchlässiger, lotet rigoroser die Wirklichkeit aus.
Meine Verletzungen sind, so vermute ich, der Eintrittspreis für mein Davonkommen." ...



A. Altmann
"Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend"







editiert am 07.11.2019 21:30 Beitrag melden Zitatantwort
02.11.2019 16:42
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 29.10.2019 um 23:37:


Ich habe schon gesagt, daß Metaphern gefährlich sind.
Die Liebe beginnt mit einer Metapher.
Anders gesagt:
Die Liebe beginnt in dem Moment,
da eine Frau sich mit ihrem ersten Wort in unser poetisches Gedächtnis einprägt.

Milan Kundera
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins






02.11.2019 17:07
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Ich dachte lange Zeit,
dass ich die merkwürdigste Person auf der Welt bin,
doch dann dachte ich,
dass es so viele Menschen auf der Welt gibt,
dass es noch jemanden wie mich geben muss,
jemanden, der sich auf die gleiche Weise
wie ich bizarr und fehlerhaft fühlt.
Ich stelle sie mir vor,
und ich stelle mir vor,
dass sie irgendwo da draußen ist,
und dass sie auch an mich denkt.

Nun, ich hoffe,
dass falls du da draußen bist
und dies liest,
du weißt, ja, es ist wahr,

ich bin hier,
und ich bin ebenso eigenartig wie du.

(Frida Kahlo)



05.11.2019 16:30
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DER ENGEL

Einmal geht der Engel
Auch ganz nah an dir vorbei.
Es ist ein regnerischer Montag
Du fühlst dich älter als die Welt
Die Stiefel schlecht geputzt
Das Herz gänzlich verrostet

Aber deines Schicksals Engel geht vorbei
Dich mit Güte überschwemmend
Und einem rosa Lächeln
Halt ihn fest!
Dreh dich um!
Bevor er nur noch dem Winde gleicht.


(Yvan Goll, aus: “Métro de la Mort” 1934
Deutsche Nachdichtung: Claire Goll)


05.11.2019 16:31
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Schrecke nie davor zurück, jemandem zu sagen, dass du ihn liebst. Es gibt viele Missstände in der Welt, doch ein Übermaß an Liebe gehört nicht dazu.

Matt Haig: Ich und die Menschen


07.11.2019 21:27
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Also sprach Zarathustra im Steigen zu sich, mit harten Sprüchlein sein Herz tröstend: denn er ward wund am Herzen wie noch niemals zuvor.
Und als er auf die Höhe des Bergrückens kam, siehe, da lag das andere Meer vor ihm ausgebreitet: und er stand still und schwieg lange.

Die Nacht aber war kalt in dieser Höhe und klar und hellgestirnt.
Ich erkenne mein Los, sagte er endlich mit Trauer.
Wohlan! Ich bin bereit. Eben begann meine letzte Einsamkeit.
Ach, diese schwarze traurige See unter mir!
Ach, Schicksal und See!
Zu euch muss ich nun hinab steigen!
Vor meinem höchsten Berge stehe ich und vor meiner längsten Wanderung: darum muss ich erst tiefer hinab als ich jemals stieg: - tiefer hinab in den Schmerz als ich jemals stieg, bis hinein in seine schwärzeste Flut!
So will es mein Schicksal:
Wohlan! Ich bin bereit. Woher kommen die höchsten Berge? so fragte ich einst.
Da lernte ich, dass sie aus dem Meere kommen. Dies Zeugnis ist in ihr Gestein geschrieben und in die Wände ihrer Gipfel. Aus dem Tiefsten muss das Höchste zu seiner Höhe kommen. -


Als er aber in die Nähe des Meeres kam und zuletzt allein unter den Klippen stand, da war er unterwegs müde geworden und sehnsüchtiger als noch zuvor.
Es schläft jetzt alles noch, sprach er; auch das Meer schläft. Aber es atmet warm, das fühle ich.
Und ich fühle auch, dass es träumt.
Es windet sich träumend auf harten Kissen. Horch! Horch!
Wie es stöhnt von bösen Erinnerungen! Oder bösen Erwartungen?
Ach, ich bin traurig mit dir, du dunkles Ungeheuer, und mir selber noch gram um deinetwillen.
Ach, dass meine Hand nicht Stärke genug hat! Gerne, wahrlich, möchte ich dich von bösen Träumen erlösen! -

Und indem Zarathustra so sprach, lachte er mit Schwermut und Bitterkeit über sich selber. Wie! Zarathustra! sagte er, willst du noch dem Meere Trost singen? Ach, du liebreicher Narr Zarathustra, du Vertrauens-Überseliger!
Aber so warst du immer: immer kamst du vertraulich zu allem Furchtbaren.
Jedes Ungetüm wolltest du streicheln. Ein Hauch warmen Atems, ein wenig weiches Gezottel an der Tatze -: und gleich warst du bereit, es zu lieben und zu locken.


Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten, die Liebe zu Allem, wenn es nur lebt! Zum Lachen ist wahrlich meine Narrheit und meine Bescheidenheit in der Liebe!



Friedrich Nietzsche





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