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Forum » Streaming, TV & Musik » ThreadWalt Disney's Schneewittchen
01.07.2012 16:11
HiddenNickname
0 Ich habe eben Walt Disney's Schneewittchen geschaut. Was für eine absurde Welt und was hat Walt Disney daraus gemacht... Schneewittchen wird, von der Mutter verstoßen und zum Tode verurteilt, weil diese aus einem schizophrenen Wahn heraus, der Stimme ihres Spiegelbilds mehr Bedeutung beimisst, als der Stimme ihres Herzens, von einem Jäger im Wald ausgesetzt. Mit dem Hereinbrechen der Nacht, zeichnet Walt Disney Bilder eines Alptraums, in dem die Schemen der Bäume zu böswilligen Fratzen werden, Äste zu greifenden, knochigen Fingern und Treibholz zu gefräßigen Krokodilen. Das Ganze untermalt mit den tiefen hektischen Tönen von Streichinstrumenten, die die innere Unruhe des Zuschauers in eine nicht aufzuhaltenden Hektik treiben. So groß und übertrieben die Angst in der Nacht, so naiv wendet sich Schneewittchen am Morgen den (Kuschel-)Tieren des Waldes zu. Ein Wechselbad von unreifen Gefühlen, fernab von jeglicher innerer Substanz. Angekommen im Zwergenhaus, das sie zunächst eher mit einer Form von Wald-Kinderheim verwechselt, schlüpft Schneewittchen in die gewohnte untergebene Magdrolle und reinigt das Haus bis sie erschöpft einschläft. Währenddessen sieht man die Bewohner des Hauses ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Sieben seltsame Wesen, die scheinbar mangels Sonnenlicht während der Arbeit unter Tage nicht ganz ausgewachsen sind, bauen Diamanten ab. Doch nicht nur an Größe mangelnd es ihnen, auch der Geist ist durch die stupide Arbeit eingeschränkt. Wie sehr sie damit die klassische Männerrolle eines Arbeiters erfüllen, offenbaren die kommenden Szenen: Nach getaner Arbeit erreichen Sie ihr Zuhause. Doch statt sich über das geputzte Haus zu freuen, betrachten sie die Ordnung als anstößig. Sauberkeit entspricht nicht ihrem gewohntem Umfeld und wird folglich auch völlig überbewertet. Man könnte nun die Hoffnung haben, sie stellen sich der Situation wie ein Mann, doch stattdessen werden sie panisch und vermuten eine feindlich Übernahme. Dieser Feind wird unter einem weißen Laken in Form eines Gespenstes ausgemacht und führt zur Flucht der Zwerge. Dann die Wende: Als sich herausstellt, dass es sich bei dem Lakengespenst um ein Mädchen handelt, werden alle butterweich. Die zarte, annehmende Seite eines menschlichen Wesens lässt kernige Arbeiter zu kleinen Schmusebuben werden. Im Haus feiern die Zwerge bei Musik und Tanz ihren zweiten Frühling (vorausgesetzt sie hatten einen ersten). Derweilen beweist die Königin als Einzige eine gradlinige Zielstrebigkeit. Als ihr Spiegelbild ihr erklärt, Schneewittchen sei noch am Leben, nimmt sie die Sache selbst in die Hand. Sie entwickelt den finstern Plan Schneewittchen zu vergiften. Und auch hier wird ein Klischee bedient. Während sie alle Eventualitäten bedenkt, hält sie die Möglichkeit, Schneewittchen könne durch Liebe errettet werden, für absolut unwahrscheinlich. Die Kaltblütige unterschätzt die Macht der Gefühle. Es kommt wie es kommen muss: Der Plan wird vollführt, doch zuletzt siegt das Gute. Damit ist das kindgerechte Schema und scheinbar auch die Freigabe ab 0 Jahren erfüllt. Dabei könnte der Film auch der Grundstein für die Idee der modernen Mangafilme sein. Die grausame Härte des Lebens im Kindchenschema überzeichnet. Walt Disney spiegelt in der Darstellung seiner Filme mit einem verliebten Hang zum Wechselspiel aus Gut und Böse, die Zerrissenheit mancher Menschen wieder und spricht damit eine breite Masse an, der er vorgaukelt, dass zuletzt immer das Gute gewinnt. Eine These, die es noch zu beweisen gilt...
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