mein vater
mein vater war grad bei mir im zimmer um zu reden. wir hatten immer ein enges verhältniss, welches aber über die letzten jahre auseinander gegangen ist. er wollte mit mir über mich reden. er meinte er und meine mutter machen sich sorgen um mich.
meine eltern sind sehr traditionel, konservatiev und gläubig. sie sind 69 und 67 jahre. sie waren immer für mich da, mir hat es nie an etwas gefält und sie haben mir immer gezeigt, dass sie mich lieben. sie haben mir aber auch schon immer klar gemacht, welche weltanschaung sie haben und was sie für werte haben. mein vater meinte, er hat angst, dass etwas mit mir nicht stimmt, dass ich vielleicht ein psychisches problem habe.
meine eltern wissen nicht, dass ich lesbisch bin. für mich stand dies aber schon immer fest. ich wollte es ihnen erst sagen, wenn ich ausgezogen bin und eine frau gefunden habe, die ich liebe.
ich habe meinen eltern schon immer gesagt (um sie etwas vorzubereiten), dass sie nicht darauf warten/hoffen sollen, dass ich mal einen mann finde und ihn heirate. das einen mann zu finden mich nicht interessiert und mir nicht wichtig ist. dass es für mich wichtiger ist auf eigenen füssen zu stehen und ein eigenständiges leben zu führen. ein leben in dem ich so sein kann, wie ich es für richtig halte.
mich glücklich mit einem mann zu sehen ist ein großer traum meiner eltern, besonders mein vater hat mir immer klar gemacht, wie sehr er auf diesen tag wartet.
mein vater hat mich gefragt ob ich irgendwelche probleme habe, da er oft das gefühl hat ich lebe in meiner eigenen welt, die nicht so ist, wie die normale welt ist. er hat sich gewundert, wieso ich noch nie einen freund hatte. er hat gesagt, familie ist sehr wichtig und das was das tv zur zeit zeigt nur abartig ist, dass homosexualität abartig ist. dass es sich sorgen macht, dass könnte mich negativ beeinflussen.
ich hab ihm gesagt, dass ich finde das liebe liebe ist, egal auf welche weise und das man auch eine familie haben kann auch wenn es nicht "mann-frau-kind" ist.
wir haben sehr lange hin und her geredet. aus dem gespräch ging deutlich hervor, dass er zwar nicht denkt ich sei lesbisch, sich aber sorgen macht ich könnte in diese richtung tendieren. er hat mir auch sehr klar gemacht, wie er und meine mutter zu diesem thema stehen. und er hat mehrmals gesagt, dass ich jetzt noch jung bin aber dass ich so mit 30 dann erkennen werde, was familie (mit mann und kind) wirlich heißt und meine jetzigen anschaung verschwinden würde. er hat auch gesagt, es ist sein sinnlicher wunsch, ich finde einen mann der mich unsterblich liebt und denn ich zurück liebe.
ich hab ihm gesagt, dass eltern und kinder verschiede vorstellungen haben, wie sie ein glückliches und erfühltes leben führen können. und dass ich mir wünsche, dass mich meine eltern+familie auch noch lieben und hinter mir stehen wenn ich ein leben führe, dass nicht nach ihren vorstellungen läuft. denn ich bin der mensch der ich bin und ich bin glücklich und zufrieden mit meinem leben.
er sagte dazu, dass er mich liebt, er aber angst hat, ich fange an, ein realitäts fernes leben zu führen und mir nicht klar ist, wie falsch meine anschauengen sind. er hat auch gesagt, wie traurig es ihn machen würde, zu sehen wie ich mein leben zerstöre.
auch soll ich meine mutter nicht beunruhigen. meine mutter ist sehr krank. bei jeder kleinsten auseinandersetzung steigt ihr blutdruck und die gefahr, dass sie ins krankenhaus kommt oder einen zweiten schlaganfall erleidet.
ich hab ihn auch mal gefragt, wer entscheiden kann was für ein leben richtig oder nicht ist und er kam mir mit der bibel und gott.
mein vater hat mir einfach wirklich das gefühl gegeben, es wär nicht akzetabäl, sollte ich lesbisch sein und wie abartig und unnormal er das findet. ich hab jetzt das gefühl, ich werde mich mal entscheiden müssen, zwischen meinen eltern und dem leben mit einer frau.
und ich konnte ihm nicht sagen, wie sehr mich seine worte doch verletzten ohne mich zu outen.
ich liebe meine eltern und möchte sie nicht verletzen. sie haben so viel für mich gemacht und tun es immer noch. aber es tut weh zu wissen, sie werden mich nicht so akzeptieren wie ich bin. und ich weiß jetzt schon, dass ich ihnen mal sehr weh tun werde, denn ich will nicht immer im geheimen leben.
meine geschwister haben mich leztens auch mal geschockt. sie wissen, dass ich lesbisch bin und zum neujahr haben sie mir dann gewünscht, dass ich dieses jahr endlich einen mann finde, denn ich liebe. dabei war ich mir so sicher, sie haben kein problem mit meiner sexualität und hätten es akzeptiert.
ich ziehe im september aus, aber damit verschwinden die probleme nicht. meine eltern werden mich sicher oft besuchen und ich will auch, dass sie ein teil meines lebens bleiben.
ich wusste schon immer, dass ein coming out vor meinen eltern schwer sein wird, aber nach diesem gespräch ist mir erst klar geworden, wie schwer es sein wird. das es eine entscheidung zwischen familie und dem lesbisch sein werden kann. und da ich mich nicht verstellen werde, hab ich angst meine eltern zu verliehren.
danke fürs lesen.