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Forum » Allgemeines » Threadvegan vertan...
26.09.2014 16:11
HiddenNickname
0 Ich selbst lebe es seit mehr als einem Jahr, voller Überzeugung, voller Durchblick ob der Praktiken der Massentierhaltungsindustrien, voller Abscheu und Abneigung seit Pandoras Büchse geöffnet war und diffuse Hintergründe zu konturbeladenen Vordergründen wurden. Es tat gut, sich als moralischer, ethischer Bessermensch zu fühlen, ganz und gar nicht verachtend auf die anderen runterblickend, doch aber mit dem Gefühl, ein wenig mehr zu wissen und verstanden zu haben. Einen Beitrag zu leisten für ein wenig weniger Leid auf dieser Welt. Doch vermutlich geht das nie: eine Freude ohne Leid einzufangen. Im Taumel der Freude ob der ethischen Überlegenheit und des inneren Eins-seins-mit allem was lebt, vergaß ich eines: die Einhaltung der Menge der so wichtigen Mikronährstoffe Eisen und Vit.-B12. Und so habe ich den sprichwörtlichen Salat: eine beginnende Mangelernährung, die sich ungnädig auf meinen Körper auswirkt und mir eine seit Wochen anhaltende Mixtur aus unterschiedlich unangenehmen Symptomfeldern beschert. Anhänger des Veganismus werden mir schnell vorwerfen: ich habe es falsch gemacht. Wenn man es richtig macht, dann kann da gar kein Mangel entstehen. Anhänger des Karnismus werden mir schnell antworten: Na, das ist doch klar, dass einem das nicht gut tut, der Körper bekommt nicht, was er braucht. Und so ist hier eine Schere zwischen ethisch korrekter Lebensweise, die mein Leben zu einem schleichend sich verschlimmernden Siechtum macht, sofern es mir nicht gelingt, passende Präparate zu finden, die meinen Mangel schnell zu einem Normalwert wandeln. Und ja, schnell ist der Gedanke plötzlich da, aus Schutz des eigenen Lebens wieder andere zu konsumieren, um endlich wieder ein mangelfreies Dasein ohne einschränkende Symptomatik zu fristen. Die Frage bleibt: ist in diesem Sinne ein ethisch korrektes Leben möglich, ohne einen eigenen Schaden zu nehmen... Es ist derzeit in aller Munde, ich mag nicht sagen Mode, aber vermutlich muss man es doch. In Großstädten sprießen vegane Läden, Shops, Restaurants, Imbisse, Kochgelegenheiten, Bäckereien wie Pilze aus der Erde. Zahlreiche Bücher werden nimmer müde, der bereiten Leserschaft die wahren Hintergründe dieser Ernährungsform zu unterbreiten. Und natürlich sind sie alle gesund, haben sich nie besser im Leben gefühlt und sogar noch Kraft dazu gewonnen. Aber, stimmt das alles so? Darf ich das so glauben? Muss man das nicht weiter hinterfragen, weil die Ethik sich hierbei selbst immunisiert? Oder wie sieht der Alltag derer aus, die sich jahrelang beschwerdefrei vegan ernähren, ohne auch nur annähernd Mangelerscheinungen zu entwickeln? Ein Leben nach Maß und Tabelle? Nach Küchenwaage und Ernährungsplan? Ich weiß es nicht. Und ich dachte, ich wüsste es mal. Hoffnungsvoll auf einen regen Austausch wünsche ich einen angenehmen Abend. pP
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