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Klimaschutz..Bäume.. Gedichte-Zitate-Texte..

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10.10.2019 21:15
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Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

10.10.2019 21:21
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Ich bin in dieser Stadt aufgewachsen, meine Poesie wurde zwischen den Hügeln und dem Fluss geboren, nahm ihre Stimme vom Regen und ist wie Holz in den Wäldern gewachsen.“

-Pablo Neruda

10.10.2019 21:24
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Der Baum des Lebens

Deine Wurzeln, so tief,
verankert in der Erde,
Deine Blätter, so hoch,
Sonne und Sterne.

Erde und Himmel zugleich,
Dein Atem gibt uns Leben.
Früchte machen uns reich,
die wir von Dir nehmen.

Du bist das Zentrum der Welt,
seit Anbeginn der Schöpfung.
Urzustand, der zusammenhält,
Schicksal und Hoffnung.

Symbol für ewiges Leben,
Mittelpunkt im Paradies.
Du stehst im Garten Eden,
von dem der Mensch Dich verließ.

Er rodet die Wälder
und wird Dich zerstören.
Verseucht Felder,
will auf Vernunft nicht hören.

Der Mensch sägt an dem Ast,
auf dem er selber sitzt,
mit viel Müh’ und ohne Rast,
bis er keucht und schwitzt.

Will er die Natur bezwingen,
dann wird er mit dem Tode ringen.
Er wird sich selbst die Luft abwürgen
und mit seinem Leben bürgen.

Flüsse werden steigen,
Felsen werden brechen,
Wind wird sich neigen,
Natur wird sich rächen.

Die Erde braucht den Menschen nicht,
er bringt sie aus dem Gleichgewicht.
Der Baum des Lebens darf nicht sterben,
sonst rennt der Mensch in sein Verderben.

Wenn wir die Natur verletzen,
dann verletzen wir uns selber.
Blut wird die Erde benetzen,
toter Boden und zerstörte Wälder.

Doch die Armee der Engel,
die lässt das nicht zu.
Sie wird den Baum beschützen,
Ignoranz darf der Dummheit nicht nützen.

Zurück zum Ursprung,
zurück zur Natur.
Das ist Hoffnung,
ist Leben pur.

© Markus Scherrmann

(*1967), Pseudonym Mark Cherrry, Verfasser philosophischer Texte und Gedichte


10.10.2019 21:25
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Ich weiß noch, wie du warst im vergangenen Herbst.
Grau die Mütze; das Herz so still, als ob es schliefe.
In deinen Augen fochten Flammen des Abenddämmerns.
Und es fielen die Blätter ins Wasser deiner Tiefe.

Meine Arme umklammernd, warst du wie eine Winde,
die Blätter dämpften deine Stimme, als ob sie schliefe.
Lähmendes Loderfeuer, in dem mein Durst verbrannte.
Geknickte Hyazinthe, blau über meiner Tiefe.

Ich fühle deine Augen reisen, fern ist der Herbst:
Graukappe, Vogelstimme, Herz wie ein Zuhause,
wohin meine geheimen Sehnsüchte emigrierten
und meine frohen Küsse wie rote Kohlen fielen.

Himmel, von einem Schiff aus. Saat, vom Felskamm gesehen.
Dein Bild in mir ist Licht, Dunst, ein Teich, als ob er schliefe.
Jenseits von deinen Augen flammten die Dämmerungen.
Dürre Blätter des Herbstes kreisten in deiner Tiefe.

Pablo Neruda

10.10.2019 21:32
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Leben wie ein Baum,
einzeln und frei
und brüderlich
wie ein Wald -
das ist unsere Sehnsucht.

Nazim Hikmet
türk. Lyriker


10.10.2019 21:34
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Ein Baum spiegelt das Sein.
Er wandelt sich.
Verändert
stellt er sich selbst wieder her.
Und bleibt immer der gleiche.

Indianische Weisheit


10.10.2019 21:36
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Ob auch die Stunden
uns wieder entfernen ...
wir sind immer zusammen
im Traum,
wie unter einem
aufblühendem Baum.
Wir werden die Worte,
die laut sind, verlernen
und von uns reden
wie Sterne von Sternen.
Alle lauten Worte verlernen,
wie unter einem
aufblühenden Baum.

Rainer Maria Rilke


11.10.2019 07:41
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Hinter der Welt wird ein Baum stehen
Mit Blättern und Wolken
Und einer Krone aus Blau.
In seine Rinde aus rotem Sonnenbrand
Schneidet der Wind unser Herz
Und kühlt es mit Tau.

Hinter der Welt wird ein Baum stehen
Eine Frucht in den Wipfeln,
mit einer Schale aus Gold.
Lass uns hinübersehen, wenn sie im Herbst der Zeit
In Gottes Hände rollt.

(Ingeborg Bachmann)

editiert am 11.10.2019 07:41 Beitrag melden Zitatantwort
11.10.2019 14:55
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"Unser Ansinnen ist überhaupt nicht, die alten Stadtbaumarten zu ersetzen. Da, wo sie funktionieren, ist es wunderbar. Wir wollen weiterhin unsere Linden, Ahornbäume und Kastanien in den Städten haben. Aber da, wo es eben nicht mehr funktioniert, ist es wichtig, dass wir neue Baumarten an der Hand haben."

Biologin Susanne Böll, Bayerische Landesanstalt für Wein und Gartenbau


11.10.2019 17:08
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Neue Bäume braucht das Land

Von Susanne Schnabel

■Der Klimawandel macht Bäumen arg zu schaffen
■Experten suchen nach Lösungen
■Zukunftsbäume sind Ginkgo, Hopfenbuche und Tulpenbaum

Der Klimawandel beschäftigt zurzeit alle Berufsgruppen, die mit Bäumen zu tun haben: Landschaftsplaner, Förster oder Gärtner. "Täglich kommen Kunden, die wissen möchten, was sie überhaupt noch anpflanzen oder wie sie ihre vertrockneten Bäumchen retten können", erzählt Rudolf Höfkes, Baumschulmeister aus Kempen am Niederrhein.

Kleine Bäume für den Garten
Viele möchten jetzt weniger durstige Bäume im Garten beherbergen wie Zitronen- oder Olivenbäume", sagt der Experte. "Unsere Winter sind aber doch noch sehr kalt und das vertragen die Exoten nicht."

Es gibt aber eine Reihe von Bäumen, die recht unempfindlich sind gegen Hitze und sich für den privaten Garten gut eignen. Zum Beispiel Kornelkirsche, Zierapfel oder die weidenblättrige Birne.

12.10.2019 10:39
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Züricher Forscher Effektivste Methode zur Klimarettung: Bäume pflanzen

Wir könnten unser Klimaproblem lösen, wenn wir nur genug Bäume pflanzen. Das jedenfalls sagen Foscher aus Zürich. Wieviel Platz würde man dafür brauchen und was würden die Bäume eigentlich bewirken?

Bäume pflanzen fürs Klima? Klingt nach einem Plakat auf einer Demonstration von Umweltschützern, ist aber tatsächlich das, was Züricher Forscher jetzt mit Zahlen untermauert haben: Würden wir eine Fläche von 900 Millionen Hektar Land mit Bäumen bepflanzen, würden die wiederum 205 Gigatonnen CO2 aus der Atmosphäre speichern. Zum Vergleich: 2018 wurden weltweit 37 Gigatonnen Kohlendioxid freigesetzt. Und die 900 Millionen Hektar entsprechen der übrigen Fläche, die die Forscher errechnet haben, wenn man von der weltweiten Gesamtfläche möglicher Bewaldungsfläche die abzieht, die von Menschen benutzt wird.


Also einfach Bäume auf einer Fläche pflanzen, die der doppelten Größe der EU entspricht? Das klingt auf den ersten Blick tatsächlich sehr einfach und beinahe beruhigend. Selbst Thomas Crowther, Professor für Globale Ökosystemökologie an der ETH Zürich und Mitautor der Studie haben die Zahlen verblüfft:
Wir alle wussten, dass die Wiederherstellung von Wäldern eine Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen kann, aber wir wussten nicht wirklich, wie groß die Auswirkungen sind. Unsere Studie zeigt deutlich, dass die Wiederherstellung von Wäldern die derzeit beste Lösung für den Klimawandel ist.“
Prof. Thomas Crowther, ETH Zürich
Und jetzt kommt der Haken: Das Ganze muss schnell gehen, denn bis Bäume tatsächlich in vollem Umfang CO2 speichern, müssen sie wachsen - und das dauert. Und der Zeitfaktor birgt verschiedene Gefahren: Die Flächen, die sich zur Aufforstung eignen, schrumpfen durch zwei große Feinde: Menschen, die ihren Lebensraum ausweiten und die Natur, die immer weiter Flächen verwüstet im wahrsten Sinne des Wortes. Die grauen Flächen auf der Grafik zeigen das deutlich, wie viel Wald-untaugliche Fläche es bereits rund um den Globus gibt.

Forscher Crowther mahnt deshalb:„
Wir müssen schnell handeln, da es Jahrzehnte dauert, bis neue Wälder ihr volles Potenzial als Quelle für die Speicherung von natürlichem Kohlenstoff entfalten.“
Prof. Thomas Crowther,

Besonders großes Potential zur Aufforstung bieten den Studienautoren zufolge Russland, USA, Kanada, Australien, Brasilien und China.

Und was sagen die Kollegen? Das Echo der Wissenschaft...

(MDR Wissen Züricher Forscher)




editiert am 12.10.2019 10:42 Beitrag melden Zitatantwort
12.10.2019 11:13
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Blütenreife

Die Blüten schlafen am Baume
In schwüler, flüsternder Nacht,
Sie trinken in duftigem Traume
Die flimmernde, feuchte Pracht.
Sie trinken den lauen Regen,
Den glitzernden Mondenschein,
Sie zittern dem Licht entgegen,
Sie saugen es taumelnd ein:
Sie sprengen die schweigende Hülle
Und gleiten berauscht durch die Luft
Und sterben an der Fülle
Von Glut und Glanz und Duft.

Das war die Nacht der Träume,
Der Liebe schwül gärende Nacht,
Da sind mit den Knospen der Bäume
Auch meine Lieder erwacht.
Sie sprengten die schweigende Hülle
Und glitten berauscht durch die Luft
Und starben an der Fülle
Von Glut und Glanz und Duft.

2

Und es fragen mich die Leute:
"Sag, wie kommts, daß deine Lieder
So das Gestern wie das Heute
Spiegeln tausendtönig wieder?

Wenn nur einer Stunde Beben
Sie beseelet und entzündet,
Sag, wie kommts, daß all dein Leben
Bunt und seltsam in sie mündet,

All dein Grübeln und dein Träumen
In die Töneflut sich schlinget,
Der Gedanken wechselnd Schäumen
Dumpf durch deine Lieder klinget?"

Und ich sage: "Seht, es gleichen
Meine Lieder jenen Blüten,
Die ja auch in einer weichen,
Heißen, einzgen Nacht erblühten,

Und im Kelche dennoch tragen
Eines ganzen Lebens Währen:
Sonne von versunknen Tagen,
Ferner Frühlingsnächte Gären."

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

12.10.2019 23:43
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Warum erfüllen uns Gräser, eine Wiese, ein Baum mit so reiner Lust ?
Weil wir da Lebendiges vor uns sehen, das nur von außen her zerstört werden kann, nicht durch sich selbst.
Der Baum wird nie an gebrochenem Herzen sterben und das Gras nie seinen Verstand verlieren.
Von außen droht ihnen jede mögliche Gefahr, von innen her aber sind sie gefeit.
Sie fallen sich nicht selbst in den Rücken wie der Mensch mit seinem Geist und ersparen uns damit
das wiederholte Schauspiel unseres eigenen zweideutigen Lebens.

- Christian Morgenstern -


13.10.2019 09:44
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Die Natur oder Mutter Erde, auf der Leben existiert und reproduziert wird, hat das Recht auf Existenz, Dauer, Erhaltung und die Regeneration ihrer Lebenszyklen, Strukturen, Funktionen und Entwicklungsprozesse. ... Jede Person, Gemeinschaft und Nation ist berechtigt, die Anerkennung der Rechte der Natur gegenüber öffentlichen Institutionen zu vertreten und zu verfechten.
Verfassung Ecuador, September 2008

13.10.2019 09:45
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Es ist billiger den Planeten jetzt zu schützen, als ihn später zu reparieren.
Kommissionspräsident Barroso, Dezember 2009

14.10.2019 15:59
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Mit den Bäumen durch das Jahr:

Der keltische Baumkreis
In der Begegnung mit Bäumen geht es vielen wie beim Zusammentreffen mit anderen Menschen: sie wirken anziehend oder eher distanzierend, gesund und kraftvoll oder von Krankheit und Verfall gezeichnet, vermitteln aufgrund ihres Alters und der Größe Respekt oder bleiben als unauffällige Individuen eher unbeachtet. Gleichgültig lassen sie den, der sie bewusst wahrnimmt, in keinem Fall. Bäume sind nicht nur die größten unter den Pflanzen, sie stehen häufig sinnbildlich für die vegetative Natur als Ganze - gewissermaßen als die respektabelsten pflanzlichen Pendants zum Menschen. Der Baum bietet sich deshalb zur Projektion menschlicher (Charakter) Eigenschafen geradezu an. Der Schritt zur Formulierung eines Baumhoroskops, wie es in Gestalt des so genannten "Keltischen Baumhoroskops" in zahlreichen Veröffentlichungen dargestellt ist, ist da nicht weit. Was auch immer der einzelne von der Modellierung bestimmter Charakterbilder und Lebensperspektiven im Rahmen von Horoskopen halten mag, der Wunsch vieler Menschen, die eigene Natur durch die Suche nach Parallelen oder Ähnlichkeiten in der umgebenden Natur besser zu verstehen, ist nur allzu verständlich. Sinnvoll kann dabei auch der Rückgriff auf z. T. weit zurückliegende kulturelle Traditionen sein.

Das Volk der Kelten war nicht nur, wie wir heute sagen würden, naturverbunden, es lebte mit großem Respekt vor allem Natürlichen, brachte Bäume und andere Pflanzen oder Quellen mit geistigen Prozessen in Zusammenhang und sah sich selbst als Teil dieser Prozesse. Das ist mit Bezug zu umfangreichen, z. B. archäologischen Forschungen, aber auch aus schriftlichen Darstellungen etwa römischer Autoren erkennbar und unstrittig. Da die Kelten selbst in Ihrer Hochzeit keine schriftlichen Dokumente hinterlassen haben, bleibt aber die Ausdeutung vieler geistiger Relikte dieser Kultur von unseren eigenen Denkmustern abhängig. Wenn deshalb von einem "Keltischen Baumkalender" oder gar einem "Keltischen Baumhoroskop" die Rede ist, bleibt ein Rest von Unbehagen, kann doch keine der einschlägigen Veröffentlichungen konkrete Quellen nennen, in Bezug auf die die Zuordnung bestimmter Zeitphasen im Kalenderjahr zu einzelnen Bäumen als tatsächliches Element keltischer Lebenswelt nachweisbar wäre.

Bestimmte Bäume und Pflanzen spielten bei den religiösen Riten und im Zusammenhang etwa von Jahreszeitenfesten der Kelten eine herausragende Rolle. Prominentestes Beispiel ist die Eiche, deren keltische Bezeichnung auf den gleichen Wortstamm wie das Wort für Druide, dem Angehörigen der Priester- und Intellektuellenschicht der Kelten, zurückgeführt wird. Herausragende Bedeutung hatten auch imposante Eiben, die sich teilweise heute noch in der Nähe englischer und schottischer Friedhöfe und Kirchen finden und damit auf ihren damaligen Stellenwert für die keltische religiöse Praxis verweisen. Die umfangreiche Literatur zu religiösen und mystischen Implikationen von Bäumen zeigt viele solcher Beispiele auf, die die hervorragende Bedeutung bestimmter Bäume und nicht nur der Natur als Ganzer für die Kelten deutlich machen.

Der überzeugendste Nachweis zur Existenz eines geschlossenen Systems verschiedener Bäume und Pflanzen in keltischer Tradition ist das sogenannte Ogham-Alphabet, welches in Gestalt des Baum-Ogham bestimmte Buchstaben mit konkreten Bäumen und Pflanzen parallel setzt. Mit Ogham-Zeichen markierte Steine finden sich in Irland und Schottland und werden auf die Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert sowie auf das 9. Jahrhundert datiert, d. h. in eine Zeit, zu der die kulturelle Hochzeit der Kelten längst zu Ende war, sich bestimmte Traditionslinien im äußersten Nordwesten des ehemaligen keltischen Verbreitungsgebietes aber noch lebendig halten konnten. Hierzu gibt es auch schriftliche Überlieferungen. Einige der Bäume, welche das Baum-Ogham nennt, sind auch Bestandteil des "Keltischen Baumkreises". Während das Ogham 20 Buchstaben bzw. Bäume umfasst, teilt der "Keltische Baumkreis", in der Form, wie er etwa von Michael Vescoli dargestellt ist, das Jahr in 40 Zeitphasen ein, innerhalb derer einundzwanzig (+1, nämlich die "geheime" Eibe) Bäume unterschieden werden. In der Regel ist jedem der Bäume eine Dekade in der ersten Jahreshälfte und eine weitere in der zweiten Jahreshälfte zugeteilt. Von dieser Regel gibt es einige Ausnahmen (vgl. dazu die Literaturhinweise auf dieser Website). Jedem Mensch kann in diesem System ausgehend von seinem Geburtstag ein "Lebensbaum" zugeordnet werden.

Ob die Idee des "Lebensbaums" nun tatsächlich keltischer Tradition entspricht oder, wie von dem Autor Betram Wallrath schlüssig recherchiert, ein zeitgenössisches Konstrukt darstellt, bleibt der Einschätzung des Einzelnen überlassen. Vielleicht ist dies aber auch nicht entscheidend. Interessant, nachvollziehbar und spannend ist das System in jedem Fall. Versuchen Sie es selbst. Ermitteln Sie Ihren Lebensbaum und stellen Sie fest, ob dieser Baum in Ihrem Leben eine Rolle spielt. Vielleicht stand er immer schon in Ihrem Garten, vielleicht spazieren Sie täglich an ihm vorbei. Sehen Sie nach, welcher Baum Ihren Freunden und Angehörigen zugeordnet ist. Wenn Sie Geschmack am Beobachten und Vergleichen in Baumkategorien gefunden haben, werden die Bäume, sicher auch die außerhalb des Keltischen Baumkreises, Sie noch öfter begleiten.

© Bernhard Lux




15.10.2019 16:20
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Bäume sind für mich immer die eindringlichsten Prediger gewesen. Ich verehre sie, wenn sie in Völkern und Familien leben, in Wäldern und Hainen. Und noch mehr verehre ich sie, wenn sie einzeln stehen. Sie sind wie Einsame. Nicht wie Einsiedler, welche aus irgendeiner Schwäche sich davongestohlen haben, sondern wie große, vereinsamte Menschen, wie Beethoven und Nietzsche. In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum. Wenn ein Baum umgesägt worden ist und seine nackte Todeswunde der Sonne zeigt, dann kann man auf der lichten Scheibe seines Stumpfes und Grabmals seine ganze Geschichte lesen: in den Jahresringen und Verwachsungen steht aller Kampf, alles Leid, alle Krankheit, alles Glück und Gedeihen treu geschrieben, schmale Jahre und üppige Jahre, überstandene Angriffe, überdauerte Stürme. Und jeder Bauernjunge weiß, daß das härteste und edelste Holz die engsten Ringe hat, daß hoch auf Bergen und in immerwährender Gefahr die unzerstörbarsten,kraftvollsten, vorbildlichsten Stämme wachsen.

Bäume sind Heiligtümer. Wer mit ihnen zu sprechen, wer ihnen zuzuhören weiß, der erfährt die Wahrheit. Sie predigen nicht Lehren und Rezepte, sie predigen, um das Einzelne unbekümmert, das Urgesetz des Lebens.

Ein Baum spricht: In mir ist ein Kern, ein Funke, ein Gedanke verborgen, ich bin Leben vom ewigen Leben. Einmalig ist der Versuch und Wurf, den die ewige Mutter mit mir gewagt hat, einmalig ist meine Gestalt und das Geäder meiner Haut, einmalig das kleinste Blätterspiel meines Wipfels und die kleinste Narbe meiner Rinde. Mein Amt ist, im ausgeprägten Einmaligen das Ewige zu gestalten und zu zeigen.

Ein Baum spricht: Meine Kraft ist das Vertrauen. Ich weiß nichts von meinen Vätern, ich weiß nichts von den tausend Kindern, die in jedem Jahr aus mir entstehen. Ich lebe das Geheimnis meines Samens zu Ende, nichts andres ist meine Sorge. Ich vertraue, daß Gott in mir ist. Ich vertraue, daß meine Aufgabe heilig ist. Aus diesem Vertrauen lebe ich.

Wenn wir traurig sind und das Leben nicht mehr gut ertragen können, dann kann ein Baum zu uns sprechen: Sei still! Sei still! Sieh mich an! Leben ist nicht leicht, Leben ist nicht schwer. Das sind Kindergedanken. Laß Gott in dir reden, so schweigen sie. Du bangst, weil dich dein Weg von der Mutter und Heimat wegführt. Aber jeder Schritt und Tag führt dich neu der Mutter entgegen. Heimat ist nicht da oder dort. Heimat ist in dir innen, oder nirgends.

Wandersehnsucht reißt mir am Herzen, wenn ich Bäume höre, die abends im Wind rauschen. Hört man still und lange zu, so zeigt auch die Wandersehnsucht ihren Kern und Sinn. Sie ist nicht Fortlaufenwollen vor dem Leide, wie es schien. Sie ist Sehnsucht nach Heimat, nach Gedächtnis der Mutter, nach neuen Gleichnissen des Lebens. Sie führt nach Hause. Jeder Weg führt nach Hause, jeder Schritt ist Geburt, jeder Schritt ist Tod, jedes Grab ist Mutter.

So rauscht der Baum im Abend, wenn wir Angst vor unsern eigenen Kindergedanken haben. Bäume habe lange Gedanken, langatmige und ruhige, wie sie ein längeres Leben haben als wir. Sie sind weiser als wir, solange wir nicht auf sie hören. Aber wenn wir gelernt haben, die Bäume anzuhören, dann gewinnt gerade die Kürze und Schnelligkeit und Kinderhast unserer Gedanken eine Freudigkeit ohnegleichen. Wer gelernt hat, Bäumen zuzuhören, begehrt nicht mehr, ein Baum zu sein. Er begehrt nichts zu sein, als was er ist. Das ist Heimat. Das ist Glück.

-Hermann Hesse

16.10.2019 15:45
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Bäume sind offensichtlich
vernünftiger als wir,
sie streben immer nach dem Licht

© Anke Maggauer-Kirsche (*1948), deutsche Lyrikerin, Aphoristikerin und ehemalige Betagtenbetreuerin in der Schweiz



17.10.2019 16:51
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Der Schauende

Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
die aus laugewordenen Tagen
an meine ängstlichen Fenster schlagen,
und höre die Fernen Dinge sagen,
die ich nicht ohne Freund ertragen,
nicht ohne Schwester lieben kann.

Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
geht durch den Wald und durch die Zeit,
und alles ist wie ohne Alter:
die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.

Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, -
wir würden weit und namenlos.

Was wir besiegen, ist das Kleine,
und der Erfolg selbst macht uns klein.
Das Ewige und Ungemeine
will nicht von uns gebogen sein.

Das ist der Engel, der den Ringern
des Alten Testaments erschien:
wenn seiner Widersacher Sehnen
im Kampfe sich metallen dehnen,
fühlt er sie unter seinen Fingern
wie Saiten tiefer Melodien.

Wen dieser Engel überwand,
welcher so oft auf Kampf verzichtet,
der geht gerecht und aufgerichtet
und groß aus jener harten Hand,
die sich, wie formend, an ihn schmiegte.

Die Siege laden ihn nicht ein.
Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
von immer Größerem zu sein.

Rainer Maria Rilke (1875 -1926)


17.10.2019 20:14
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Pflanze Bäume!

Wenn Du für ein Jahr planst,
dann säe Korn.
Wenn du für ein Jahrhundert planst,
dann pflanze Bäume!

chinesisches Sprichwort



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