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Gefühlte Gedanken 3

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05.05.2019 09:07
HiddenNickname

Für Tuá,

Gleichgültig
sehe ich dich da
ich hier

Du sagst: bleib locker mein Mädchen
wie ne Nuss

so auf den Kopf, klack, klack, klack!

Entzweit! Zerbröselt irgendwie so...

Warte dort!,
Du hier?

Nichts kapier

Katze Katze, die von Alice

Klingt dein Code chiffriert,
Eintuasenkreifunder@%&§6achuwiesoadas?
Enkryptionen

Versteh dich nicht,
aber Du hast mich in Dir.

Verstehst Du
Mich?

Du dort?
ich.... hier?

Dort ich!
Du dort!

Du mit mua
Ich mit tuá.

Que será, será



08.05.2019 10:49
HiddenNickname

Muttertag

Von O bis O

Bei Tisch sagt sie uns, was wir essen sollen und wie wir es essen sollen. So, wie sie es schon immer tat.

Der Schinken war in großen Scheiben, sagt sie, ich habe sie auseinandergeschnitten, nimm doch zwei. Der Käse ist gut, probier ihn mal. Soll ich Dir das Ei köpfen? Nimm doch noch etwas. Warte, ich nehme das weg, dann kommst Du besser dran. Nimm die untere Hälfte, die ist knuspriger. Nimm doch noch ein Brötchen.

Ihre Augen sind überall, verfolgen jede Regung, planen alles im Voraus. Lassen keinen Freiraum und kein Versteck. Ein Gespräch ist kaum möglich, sie folgt nur halb, sie muss beobachten, was am Tisch passiert. Es funktionieren nur die eingeübten Sprechblasen.

Er wird ungeduldig, fährt sie hart und unfair an. Warum das jetzt, nach 50 Jahren? Ich weiß es nicht. Sie zuckt zusammen. Nimmt ihn in Schutz.

Ich sitze in einer Zeitblase. Das Gestern ist Gegenwart, es gibt kein Morgen. So war es immer. Kein Mut für die Zukunft. Das Leid und die Sorge im Jetzt schaffen ihnen Sicherheit und Kontrolle. Sie sieht das Leid, er die Bedrohung. Das ist ihr Korsett. Nichts ist so bedrohlich wie die Freiheit.

Heute ist ein guter Tag für mich, ich kann einfach zuschauen.

Der Vater hat dieses Jahr schon Muscheln gegessen, sagt sie.

Muscheln?, sage ich. Ach ja, von O bis O.

Er wacht kurz auf, der Eingeschlafene. Richtet sich etwas auf in seinem Rollstuhlgefängnis.

Wie Winterreifen, sagt er versonnen. Von O bis O.

Er beteiligt sich danach kaum noch. Sitzt da, ist wütend, ist sprachlos, ist hilflos. Lässt uns machen. Selbst die Politik spricht er heute nicht an. Versunken schiebt er sein Gebiss mit der Zunge im Mund herum.

Jetzt gerade kommt es mir so vor. Dass alles nur eine Aneinanderreihung von Ereignissen ist. Das Leben eine Perlenschnur von Dingen, ohne Frucht, ohne Ziel. Es gibt keine Zeit. Es gibt die Blase des Stillstands. Der Rückschau durch eine gesplitterte und gefärbte Brille.

Muscheln und Winterreifen.

Später bringt sie mich zum Auto, tragen helfen. Es ist nicht nötig, da ist nichts zu tragen, aber sie kommt mit. Ich glaube, sie muss mal raus. Am Auto macht sie eine Regung und erstarrt.

Jetzt wollte ich gerade einsteigen, sagt sie, und lacht verlegen.

Liebling, ich bin mal eben Zigaretten holen, sage ich.

Wir schauen uns an und brechen in schweres, explosives Gelächter aus. Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Nichts, was zwei Rheinländerinnen nicht weglachen könnten.

Fast nichts.

Von O bis O.

08.05.2019 15:01
HiddenNickname

Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob die alleinige Vogelbasis auf dem Balkon die richtige Wahl war.
Natürlich habe ich auch auf dem Hof gefüttert, den ganzen Winter über und beim gelegentlichen Rauchen auf dem Balkon das illustre Treiben beobachtet.
Nun, aus unterschiedlichen Gründen, füttere ich nur noch auf dem Balkon. Bevor ich das Zimmer, welches zum Balkon führt, betrete, sehe ich natürlich vorsichtig durch den Türspalt, ob die Luft rein ist. Ist sie rein, gehe ich zur gelegentlichen Zigarette auf den Balkon, stehe dort keine Minute und es werden Anflüge oder Sturzflüge geübt.
Die kleineren Vögel wie Meisen und Spatzen, fliegen lautstark an, zwitschen ganz nah an mir vorbei, beziehen Stellung auf dem Baum direkt vor dem Balkon und krakeelen, was das Zeug so hält.
Ok, habe ich verstanden.
Die größeren, wie die Nebelkrähen oder Elstern, fliegen die Brüstung an, landen und lassen sich nach hinten kippend wieder fallen. In Sekundenschnelle. Alles eine geschlossene Handlung. Sieht waghalsig aus, lindert meinen Schrecken aber nicht einmal im Ansatz.
Die Eichelhäher sind besonders frech. Die landen auf einem meiner Bäumchen, brechen einen Zweig und verschwinden dann Flügel schlagend, empört und in ihrer Ehre völlig getroffen.

Ich überlege nun, ob ich das Rauchen einstellen oder artig bis runter auf den Hof sollte. Mein Balkon unterlag einer feindlichen Übernahme.

Ich überlege und betrachte das Treiben.

Von ganz weit weg...


11.05.2019 15:52
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Der Wind treibt die Wolken übers Land
und gibt zwischendurch den Blick auf die Sonne frei.
Das hohe Gras wiegt sich im Wind
und Bienen sammeln fleißig den Nektar der Wildblumen.
Zwei Weinbergschnecken paaren sich im hohen Gras
und auch die zwei Feuerwanzen werden den Tag zusammen verbringen.
Das junge Grün ist satt vom Regen
und die Pfingstrose kurz vor ihrer Blüte.


11.05.2019 16:13
HiddenNickname

Zeitblasen.

Darin sind wir fragend, berauscht, getröstet, verflucht, anklopfend, mal eingeschlossen, geniessend, verkantet, in Hoffnung, im verstehen, losgelöst, staunend, suchend, findend, wartend, flüsternd...
Mal alles in Bewegung und dann so eingehüllt in eigener Stille, dass ihr bersten nur noch eines preisgibt und verbarg, was der Tor in uns nicht sehen kann.

Die Liebe.

💠

editiert am 11.05.2019 16:21 Beitrag melden Zitatantwort
15.05.2019 08:35
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Regen, Sonne, Graupel, Regen, Sonne
April im Mai

15.05.2019 08:39
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Die Feige trägt noch die unreifen Früchte vom letzten Jahr,
der Weihnachtsstern blüht seit Dezember auf der Fensterbank
und der Efeu verliert sein Laub im Frühjahr.

16.05.2019 00:03
HiddenNickname

und dann schließe ich meine augen, atme die nacht, unter mir daz hörbare ziehen eines rollkoffers und mein gefühl lächelt, stellt sich vor du bist es - mein herz spürt du bist schon längst da
~du hast mir so gefehlt die letzten jahre~ die worte in mir abgespeichert, in wärme gehüllt, mit liebe nicht fern, sondern herznah angekommen.

16.05.2019 07:35
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Manchmal entdecke ich plötzlich Tränen in meinen Augen und ich horche in mich hinein, um zu spüren, wie es mir geht... und ich merke, dass es Tränen des Glücks sind... glücklich darüber, dass ich in der Lage war, dich zu erkennen und Glück darüber, dass du das auch vermagst... Ich wollte von Herzen glücklich sein... und nun bin ich es... mit DIR... egal, an welchem Ort wir uns befinden... mit dir wäre ich selbst in der Kanalisation glücklich... Danke für dich und deinen Mut, mich kennenlernen zu wollen...

18.05.2019 13:52
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Nackt.

Ich möchte nackt sein mit dir.
Unter einer Decke.
Mich um dich wickeln wie ein loses Band.
Atmen im gleichen Rhythmus.
Der Bass deines Herzens 
...vielleicht einschlafen.
Vielleicht aber auch nach dir fassen.
Vorsichtig, als seien wir empfindlich, verletzlich,
wie Membranen oder Blütenblätter.
Lass uns feiner Regen werden,
der das Gesicht weich werden lässt.
Unsere Hände, schmale Bachläufe,
ineinanderfließen.
Ruhige Wasser ohne ein Wort.

©️KarlOtto

19.05.2019 16:52
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Es riecht nach frisch gemähten Gras.
Vor mir ein Meer aus grün, blau, gelb, weiß
und mittendrin ein einsames rot.
Eigentlich müsste es überall summen und krabbeln,
doch das Paradies scheint wie ausgestorben.
Kaum eine Schnecke auf dem Weg nach dem Regen.
Die wenigen Salamander im Tal platt gefahren.
Euer Abschied ist leise und fast unbemerkt.



21.05.2019 23:15
HiddenNickname

Dieser Ort, mit seiner ganz eigenen Farbpalette, ist wieder meiner.

Es in Worte zu fassen ist schwerer als gedacht.

Er ist mein Domizil, mein Leben und mein Elixier. Relativ unberührt, unverfälscht durch Menschen, lebt, atmet und pulsiert er. Ich nehme es auf. Alles. Es durchrinnt mich in einem unbeschreiblichen Maße, gibt Kraft und Geborgenheit.

Ob Flora oder Fauna, es durchzieht mich, lässt mich teilnehmen und lächeln.

So stelle ich mir LEBEN vor.

Genau so.


21.05.2019 23:39
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Die kleine dicke Miez genießt es, das Revier abzulaufen. Ungeachtet der Tatsache, dass andere aristokratisch ebenso das gleiche Revier abschreiten.

Nun liegt sie neben mir, flach und kaum hörbar atmend. Nanu, hat der Streit um das Futternapf sie ins schwächelnde geschubst?

Sie atmet leise, seufzt zwischen durch. Dann bettet sie sich behutsam um, ändert ihre Lage. Leise. Bedächtig. Kaum merklich.

Während der einarmige Bandit leise flüstert und bemerkt werden möchte.

Ich betrachte die flackernden Kerzen und möchte diesen einen Augenblick festhalten.

Für die Ewigkeit.

Nur diesen einen Augenblick…


24.05.2019 21:10
HiddenNickname

Ich bin angefasst.
Ob der angeblichen Leichtigkeit, die durch das Weitergeben der Sprüchewerkstatt des FB eins zu eins übertragen wird. Erstens sind sie alte Zöpfe. Zweitens mit dieser winzigen Note der Diskriminierung, Ausgrenzung und Häme bedacht und drittens flach. Sowas von flach.
Aber wem das reicht, na denn.

Dann beobachte ich die dicke Tempelkatze und kann nicht ohne lächeln. Lauert, in absoluter Deckung, in der Dämmerung dem Revierkater auf.
Vermeintlich.
Denn, trabt er durchs Unterholz, ist die Tempelkatze im Wohnwagen verschwunden.
Hinter den Fenstern.
Die Backen plusternd.

Und verbleibt hinter diesen Fenstern. Die ganze Nacht. Zur Sicherheit.

Morgens, ganz klamm heimlich, wird sich hinaus geschlichen. Ihm hinterher gesehen, während er das Revier verlässt und wieder die dicken Backen.
Wenn er denn sein Zuhause erreicht und kein Interesse mehr zeigt.
Dann sind die Backen ganz leicht. Und furchtbar dick.

Diese Katze.
Der Schein muss gewahrt sein.
Ganz die Diva..


25.05.2019 12:11
HiddenNickname

wer augen hat zu sehen, der schaue hin - wer ohren hat zu hören der lausche - wer seinen mund vorwiegend zum reden nutzt, der halte am besten zwischendrin auch mal die klappe

editiert am 25.05.2019 14:53 Beitrag melden Zitatantwort
26.05.2019 20:45
HiddenNickname

Der Sturm, der den Platz peitschte, ist vorbei.
Wagen und Zelt rüttelten, als ginge es ums Abheben in die Umlaufbahn. Ich mag das ja, das Wetter in seinem ganzen. Aber selbst ich saß mit Argwohn im Wagen.
Nirgends eine der Krähen, die mich doch immer aufheitern.
Warum die für depressive Stimmungen stehen, weiß ich nicht so recht. Mich belustigen sie eher. Ihr Gebaren, Tollen und ihr aristokratisches Schreiten zaubern mir immer ein Lächeln ins Gesicht. Heute sah ich das Pärchen, welches an meinem alten Platz nistet. Und doch fanden sie den Weg zu meinem neuen Platz. Umschritten die Hazienda, schritten und kiekten.
Nach dem Sturm.
Zum Schluss schlurften sie über das Dach. Aha. Wir haben uns also alle erkannt. Das über-das-Dach-schlurfen war unser Zeichen und auch, irgendwie, ein Zeichen der Nähe.
Dass der einarmige Bandit dieses nun weniger schön findet, ist wohl klar. Aber selbst er lauschte, mit dem Kopf geneigt, andächtig dem Treiben auf dem Dach. Ohne zu krakeelen.
Das ist ja schon was.

Ich stapel morgen Holz. Für das nächste Feuer.
Und bevor das Feuer beginnt, werden die beiden Krähen den Stapel umsortiert , mit Scheiten geschmissen und Spaß gehabt haben.

Vielleicht mag ich sie, weil sie klug sind.


27.05.2019 23:43
HiddenNickname

Manchmal erzähle ich Dir etwas in Gedanken. Vielleicht weil es sich dort so viel zarter anfühlt, als hier im Selbstgespräch.

Ich erzähle dir, dass es am Ende nicht darauf ankommt, wie gut wir irgendwo gepasst haben, ob wir vorzeigbar oder brav waren und dass uns niemand auf den Grabstein meißeln wird, wie gut wir den Vorstellungen anderer entsprochen haben. Am Ende kommt es darauf an, mit wieviel Hingabe wir wir selbst waren, ob wir uns genügend erfahren haben und ob wir weit und tief genug gegangen sind.

Ich erzähle dir, dass es genügt, eine Sache in völliger Hingabe bis zu Ende zu machen..... bis zu Ende zu lieben... bis zu Ende zu trauern... dem Schmerz bis zu Ende zu folgen, um zu sehen, wo er einen absetzt, wenn man darauf reitet und worin sein Sinn verborgen liegt, denn es gibt immer einen verborgenen Sinn... er ist in Wahrheit eine Tür. Aber das weiß man erst, wenn man dort war.

Ich erzähle dir von nostalgischen Genüssen aus Kindertagen, die ich seit 40 Jahren nicht gegessen habe und dass ich sie mit geschlossenen Augen gekostet habe — die verblutende Abendsonne im Gesicht.... und von stehen gebliebener Zeit in den Elbauen mit uralten Bäumen, dem Kuckuck und den schimpfenden Spatzen.

Und ich erzähle dir, dass es Sinn macht, dass ich die letzte in einer Linie von Töchtern bin, weil ich den Kreis schließe.

31.05.2019 17:15
HiddenNickname

Eben ging dieser Regen danieder.
So heftig, dass sich in den schnell bildenden Pfützen die Bläschen hektisch wie beim Samstagstee bewegten.

Mit großen Augen, triefend nass, die dicke Katze den Wagen betritt. Ungläubig, was ihr passiert. So nass. So ungemütlich. Augen groß wie Wagenräder. Steht bibbernd, einem Häufchen Elend gleich am Körbchen, wagt sich nicht hinein. Flugs das Handtuch geschwungen, gerubbelt und bedächtig beflüstert.
So.
Zwei Hapse. Zur Beruhigung. Und aufs Fensterbrett geschlüpft, noch immer ungläubig das prasselnde Nass betrachtend.
Bestimmt stakst sie heute nicht mehr ins Freie.

Ein See umwabert uns, fließt die Hänge hinunter und erbricht sich unten am Weg, im Tal.
Kein Vogel, kein Wild. Schutz suchend sitzen sie wer weiß wo. Morgen sehe ich sie bestimmt wieder.

Als wäre nichts gewesen.


08.06.2019 16:45
HiddenNickname

Im toten Winkel eine Bewegung.
Es die Katze ist.
Gerannt sie kommt.
Kurz geküsst.
Und weg sie ist.

Stromern kann sie.
Tag und Nacht.
Und doch wichtig ihr ist,
Kontakt.

Nur zwischendurch.
Doch in der Regel..

Kurz und bündig.

10.06.2019 12:35
HiddenNickname

ich gönne jedem von herzen das doppelte von dem, was er mir wünscht.

für manche ist es ein segen, für die anderen ein fluch.


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