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Organspendeausweis

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09.05.2019 22:07
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 20:49:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 20:42:

Wow, ich bin nun doch beeindruckt, wie viele sich für ein Nein entschlossen haben. Derzeit tendiere ich ebenfalls dazu. Soweit ich weiß, ist die Narkose in der Schweiz verpflichtend, in Deutschland ist sie das nicht. Hier gäbe es also noch einiges zu tun.
Tatsächlich würde ich eine meiner Nieren nötigenfalls eher spenden, solange ich am Leben bin. Dann geht die Entnahme sicherlich achtsamer ab.


Das möchtest Du nicht. Dafür müssen nach deutschem Transplantationsgesetz wirklich sehr nahe stehende Menschen oder Familie ein Transplantat benötigen.


Ich habe mich unklar ausgedrückt. Tatsächlich meinte ich das mit nötigenfalls. Also wenn bei meiner Liebsten oder jemand anderem mir sehr nahestehenden, die Niere passte und ich ihr oder ihm damit das Leben rettete, würde ich sie wahrscheinlich geben.

09.05.2019 22:12
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Nun halte ich mal was dagegen.
Mein Onkel hätte ohne die gespendete Niere nicht so lange gelebt.
Das hätte ich durchaus tief bedauert.

09.05.2019 22:34
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Ich habe mich damit beschäftigt und bleibe dabei!



09.05.2019 23:15
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Auch wenn das vielleicht halbseitig Off-Topic ist:
Fast niemand stirbt heutzutage noch seinen eigenen Tod. Und fast niemand wird heute mehr auf seine eigene Weise geboren. Eine Weile gab es nur Kaiserschnitte, weil alle Assistenzärzte das lernen mussten. Genauso wenig gibt es heute kaum jemanden, der in Ruhe in seinem Bett sterben darf. Überhaupt ist sterben verboten, außer es gibt Geld dafür. Leider beschäftigt einen das nie, weil das Themen sind, die auch nur am Rande stattfinden.

09.05.2019 23:53
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Ich habe mich für das "Ja" entschieden. Mir ist die Kritik bekannt, aber was soll ich mit meinen Organen, wenn ich den Rest meines "Lebens" wie eine Pflanze vor mich hinvegetiere?

10.05.2019 05:01
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 23:53:

Ich habe mich für das "Ja" entschieden. Mir ist die Kritik bekannt, aber was soll ich mit meinen Organen, wenn ich den Rest meines "Lebens" wie eine Pflanze vor mich hinvegetiere?


Seit wann "vegetieren" Pflanzen so vor sich hin?

10.05.2019 05:10
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 21:27:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 21:17:

Natürlich möchte jeder Mensch leben. Dennoch ist es doch so, dass wir alle sterben müssen, ob wir das wollen oder nicht.

Ich habe einen Ausweis auf dem steht, dass ich nicht spenden möchte. U.a. hat Eskofra schon einige der Gründe, die auch für mich dagegen sprechen aufgeführt.

Das Leben ist endlich. Vielleicht hat jeder Mensch auch seine ganz eigene Stunde dieses Leben zu verlassen. Vielleicht sollten wir, statt an diesem Leben zu sehr festzuhalten, uns mit dem Gedanken aussöhnen, dass es endlich ist.

Das ist vielleicht die größte Angst, der wir uns gegenübersehen...die Angst vor dem Tod. Aber rechtfertigt das diesen kommerziellen Schlachthof und die ganzen Verbrechen (Kindestötung und andere Morde, um an Organe zu kommen in Brasilien und anderen Ländern), die damit einhergehen? Für mich ein ganz klares NEIN.


Versteh ich nicht. Was hat mein deutscher Organspendeausweis denn mit illegalem Organhandel in Brasilien zu tun? Oder meine Spendenbereitschaft mit der Angst vor dem Tod?


Da steht weder, dass DEIN Organspendeausweis etwas mit Organhandel, noch dass DEINE Spendenbereitschaft mit der Angst vor dem Tod zu tun hat.
Da stehen lediglich meine persönlichen Gedanken zur Organspende an sich.

10.05.2019 05:24
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Was ich bisher gelesen habe, unterstreicht meine Meinung dagegen zu sein. Wir sind ja kein Ersatzteillager.

Ein Aspekt ist auch der schon genannte: die Personen, denen die Organe entnommen werden, liegen im Sterben. Das Sterben ist ein Prozess, der letzte, den ein Mensch durchläuft. Meines Erachtens ist er ein ebenso heiliger Prozess wie eine Geburt. Wir wissen nicht was da genau passiert. Mein Eindruck ist, dass es ein Abschied nehmen ist und gleichzeitig auch schon ein Blick in die andere Welt.

Als meine Liebste im Sterben lag, sagte sie plötzlich "ich bin gekommen, um zu verkünden worum es geht" und ich fragte sie, wer das gesagt hat und sie sagte "Alexander" und als ich fragte, wer das ist, sagte sie "na der, der da gerade herläuft". Ich muss nicht dazu sagen, dass da niemand war, den ich sehen konnte.

Mag jeder seine eigene Antwort darauf finden. Mir kam es so vor, als hätte sie Kontakt in die andere Welt, während sie diese hier mehr und mehr verließ.

Das Leben muss nicht um jeden Preis fortgesetzt werden. Ich finde dieses Ausschlachten (ich finde kein passenderes Wort dafür) gruslig.

Noch ein Aspekt. Angenommen es gäbe eine Seele und diese könnte erst gehen, wenn der Körper gestorben ist. Was würde mit der Seele geschehen, wenn der Körper in Einzelteilen bei verschiedenen Menschen landet? Kann eine solche Seele sich auf die Reise machen? Diese Fragen kann niemand beantworten. Ein weiterer Grund für mich Nein zu Organspenden zu sagen.

10.05.2019 06:42
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 05:10:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 21:27:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 21:17:

Natürlich möchte jeder Mensch leben. Dennoch ist es doch so, dass wir alle sterben müssen, ob wir das wollen oder nicht.

Ich habe einen Ausweis auf dem steht, dass ich nicht spenden möchte. U.a. hat Eskofra schon einige der Gründe, die auch für mich dagegen sprechen aufgeführt.

Das Leben ist endlich. Vielleicht hat jeder Mensch auch seine ganz eigene Stunde dieses Leben zu verlassen. Vielleicht sollten wir, statt an diesem Leben zu sehr festzuhalten, uns mit dem Gedanken aussöhnen, dass es endlich ist.

Das ist vielleicht die größte Angst, der wir uns gegenübersehen...die Angst vor dem Tod. Aber rechtfertigt das diesen kommerziellen Schlachthof und die ganzen Verbrechen (Kindestötung und andere Morde, um an Organe zu kommen in Brasilien und anderen Ländern), die damit einhergehen? Für mich ein ganz klares NEIN.


Versteh ich nicht. Was hat mein deutscher Organspendeausweis denn mit illegalem Organhandel in Brasilien zu tun? Oder meine Spendenbereitschaft mit der Angst vor dem Tod?


Da steht weder, dass DEIN Organspendeausweis etwas mit Organhandel, noch dass DEINE Spendenbereitschaft mit der Angst vor dem Tod zu tun hat.
Da stehen lediglich meine persönlichen Gedanken zur Organspende an sich.


Okay, das war für mich nicht klar ersichtlich.

Die Fragestellung bezieht sich ja auf den deutschen Ausweis und nicht auf die Organspende an sich.

Danke für die Klarstellung.

10.05.2019 07:01
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 05:24:

Kann eine solche Seele sich auf die Reise machen? .


Tut die. Keine Sorge.
Sie wohnt nicht im Organ allein, möglicherweise muss man nachhelfen, die ganz Feinstofflichen wissen wie, die mit den Baum Devas arbeiten.
Aus feinstofflicher Sicht handelt es sich b Hirntod um eine Lebendentnahme ... Erfahrungen v Wiederbelebung.

Auf der anderen Seite habe ich viele Transplantierte mit-erlebt ... oft qualvoll, ein Fremdhrz, das hält seine knappen 10 Jahre, vielleicht, Abstossungsreaktionen, dann neue Suche, qualvoll-schwieriges Thema.
Das Leben ist ein schwieriges Thema.

Wird Zeit, dass der Druck Schwierigkeiten beseitigt.
Aber wie so ist, es kommen neue Schwierigkeiten.
Weil ein Leben so gedacht ist.

10.05.2019 08:33
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 05:01:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 23:53:

Ich habe mich für das "Ja" entschieden. Mir ist die Kritik bekannt, aber was soll ich mit meinen Organen, wenn ich den Rest meines "Lebens" wie eine Pflanze vor mich hinvegetiere?


Seit wann "vegetieren" Pflanzen so vor sich hin?


Seit es sie gibt

10.05.2019 08:51
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Ich habe seit vielen Jahren einen Organspendeausweis mit dem Hinweis, dass ich kein Gewebe spenden möchte; meine Angehörigen wissen auch Bescheid. Nun komme ich durch die Beiträge der "Nein"-Sager*innen neu ins Nachdenken.

Ich weiß noch nicht, wie ich mich entscheiden werde, aber ich habe gemerkt, dass ich mich in jedem Fall nochmal weitergehend informieren möchte. Danke für die Denkanstöße von beiden Seiten.


10.05.2019 10:48
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Vielen Dank für die vielen Beiträge, besonders die gut recherchierten und argumentierten Texte gegen eine Organspende haben mich zum Denken gebracht.
Nichtsdestotrotz besitze ich seit meinem 18. Lebensjahr einen Organspendeausweis mit "JA". Und dabei bleibe ich auch. Mein Beweggrund ist ein ganz einfacher: Sollte ich in einem Alter versterben, in dem meine Organe noch in einem so guten Zustand sind, dass sie transplantationsfähig sind, möchte ich diese nicht - im wahrsten Sinne des Wortes - mit ins Grab nehmen. Wenn meine Organe noch so gut sind, dass sie Leben spenden oder aufrechterhalten können - warum sollte ich sie nicht weitergeben an Menschen, die sie dringender brauchen als ich, wenn ich im Sarg vermoder? Ich würde mir wünschen, dass, wenn ich auf lebensrettende Maßnahmen angewiesen bin, sei es ein Organ oder Knochenmark, es Menschen gibt, die mir helfen, und genau deshalb trage ich den Ausweis bei mir.
Natürlich habe ich Angst vor dem Tod und dem Sterben und manchmal auch davor, dass mein noch lauwarmer Körper als Ersatzteillager geräubert wird. Dies ändert jedoch nichts daran, dass ich der festen Überzeugung bin, dass Organspenden Leben retten können und ich mich dem nicht verwehren möchte. Vllt spielt da aber auch mit rein, dass ich hoffe, dass mein Leben - gerade wenn ich so jung sterben sollte, dass meine Organ genutzt werden können - nicht umsonst war, sondern wenigstens die biologische Masse noch einen weiteren Nutzen hat.

10.05.2019 11:16
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 10:48:

Vielen Dank für die vielen Beiträge, besonders die gut recherchierten und argumentierten Texte gegen eine Organspende haben mich zum Denken gebracht.
Nichtsdestotrotz besitze ich seit meinem 18. Lebensjahr einen Organspendeausweis mit "JA". Und dabei bleibe ich auch. Mein Beweggrund ist ein ganz einfacher: Sollte ich in einem Alter versterben, in dem meine Organe noch in einem so guten Zustand sind, dass sie transplantationsfähig sind, möchte ich diese nicht - im wahrsten Sinne des Wortes - mit ins Grab nehmen. Wenn meine Organe noch so gut sind, dass sie Leben spenden oder aufrechterhalten können - warum sollte ich sie nicht weitergeben an Menschen, die sie dringender brauchen als ich, wenn ich im Sarg vermoder? Ich würde mir wünschen, dass, wenn ich auf lebensrettende Maßnahmen angewiesen bin, sei es ein Organ oder Knochenmark, es Menschen gibt, die mir helfen, und genau deshalb trage ich den Ausweis bei mir.
Natürlich habe ich Angst vor dem Tod und dem Sterben und manchmal auch davor, dass mein noch lauwarmer Körper als Ersatzteillager geräubert wird. Dies ändert jedoch nichts daran, dass ich der festen Überzeugung bin, dass Organspenden Leben retten können und ich mich dem nicht verwehren möchte. Vllt spielt da aber auch mit rein, dass ich hoffe, dass mein Leben - gerade wenn ich so jung sterben sollte, dass meine Organ genutzt werden können - nicht umsonst war, sondern wenigstens die biologische Masse noch einen weiteren Nutzen hat.


Weil - auch wenn wir das aus unserer Sicht scheiße finden - Krankheit ihren Sinn hat und weil - nur, weil wir Sterben nicht akzeptieren und uns davor fürchten - sterben und tot sein nicht das Allerschlimmste ist, was uns passieren kann. Aber Du bist 18 Das ist völlig in Ordnung, dass Du das anders siehst.

Der Gedanke des Helfens ist ein guter und sozialer und für die meisten der ausschlaggebende Grund, sich für ein "Ja" zu entscheiden. Das ist durchaus zu honorieren. Und auch, wenn das jetzt vielleicht ein wenig zu metaphysisch klingt: Man entscheidet mit dem Verstand eines Materialisten, der von gar nichts eine Ahnung hat (wie wir das eben alle so gelernt haben) über Universen, denn nichts anderes ist ein Leben, egal ob ein Mensch davon Ahnung hat oder nicht. Die Juden haben dafür einen Spruch: "Rette ein Leben und du rettest die ganze Welt." Und das tut man auch, aber man gibt seines dafür her. Und die Entscheidung darüber, ob so ein hirntotes Leben lebenswert ist, finde ich genauso so gruselig und fehl am Platz, wie die, ob ein geistig oder körperlich eingeschränktes Leben lebenswert ist.

Mir liegt fern, irgend jemanden von seiner Entscheidung weg zu überzeugen. Das muss jeder wirklich ganz für sich allein entscheiden. Ich weiß für mich, wie ich sterben möchte und wie ich leben möchte und wie nicht. Was ich jedoch unakzeptabel finde ist, wie es in einigen Ländern schon läuft, dass man selbstverständlich ein Ersatzteillager ist, bis man eine Widerspruchserklärung besitzt. Da darf man sich mal Gedanken darüber machen, von wem wohin welche Gelder geflossen sind oder fließen für diese Gesetzeslage, denn da gibt es nur einen (finanziellen) Nutznießer: Gesundheitsbranche & Pharma. Zumindest als erstes Jeder geschmierte - pardon: mit Sonderposten im Aufsichtsrat ausgestattete - Entscheidungsträger erst in zweiter Hinsicht, aber sicher auch nicht zu knapp. Die Offshore-Konten in Übersee werden sich freuen. Wer glaubt, es interessiert irgend jemanden, der darüber entscheidet, der humane Aspekt, der hat den Knall noch nicht gehört, auch wenn es genau der ist, an den appelliert wird beim Aufruf zum Spenden.

10.05.2019 11:31
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@eskofra
Ich stimme dir zu, dass das jeweilige Alter, der Erfahrungshorizont und auch vllt Erfahrungen mit Jung-Gestorbenen, transplantationsbedürftigen Menschen o.ä. die Entscheidung beeinflusst. Ich denke, solange wir regelmäßig darüber nachdenken, ob unser "Nein" oder "Ja" noch unserer Haltung entspricht, haben wir unsere Pflicht dahingehend getan.

Ich erlebe die Situation mit der Widerspruchserklärung ganz anders: Als Zwang, sich damit auseinanderzusetzen; nicht als Zwang, ein Ersatzteillager zu werden. Ich kenne leider viele Menschen, sowohl in meinem jungen Alter als auch "reflektierte" Erwachsene, die sich (noch) nie mit dem Organspendeausweis beschäftigt haben. Ich fordere nicht, dass alle "Ja" ankreuzen, das ist eine ganz persönliche Entscheidung, an der ich nichts zu rütteln habe, aber ich finde es wichtig, sich wenigstens darüber Gedanken zu machen und dann bewusst ein "Ja" oder "Nein" zu setzen. Und wenn wir dann in der breiten gesellschaftlichen Debatte über Zustimmung oder Ablehnung sind, können wir auch über Konditionen und Praxis besser diskutieren.

10.05.2019 11:37
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Vllt noch als kurze, weitergehende Erklärung:

Hätten wir eine Widerspruchspflicht für den Organspendeausweis und die Mehrheit der Menschen würde sich dagegen entscheiden, so wäre meines Erachtens die Konsequenz, noch mehr zu hinterfragen, warum Menschen dazu nicht bereit und vllt zu dem Schluss zu kommen, dass die Praxis, die Realität dringend überholt werden muss oder Gesetze angepasst werden müssen, wie auch immer. Aber jetzt habe ich das Gefühl, da Organspendeausweise so ein Nischenthema sind, dass die willigen Spender*innen wenig Druck und Möglichkeiten haben, tatsächlich etwas zu verändern oder so anzustoßen, dass wir einen gesamtpolitischen DIskurs darüber führen können.
Und wenn ich jetzt sehe, wie Menschen darüber streiten, ob die Widerspruchspflicht richtig ist oder nicht und so das Thema öffentlich debattiert wird - ist das nicht der erste Schritt? Größere Sichtbarkeit und das Bewusstsein, darüber nachzudenken?

10.05.2019 11:45
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In der westlichen Welt ist der Trend über formaljuristische Themen existenzielle zu debattieren.


10.05.2019 11:52
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 11:31:

@eskofra
Ich stimme dir zu, dass das jeweilige Alter, der Erfahrungshorizont und auch vllt Erfahrungen mit Jung-Gestorbenen, transplantationsbedürftigen Menschen o.ä. die Entscheidung beeinflusst. Ich denke, solange wir regelmäßig darüber nachdenken, ob unser "Nein" oder "Ja" noch unserer Haltung entspricht, haben wir unsere Pflicht dahingehend getan.

Ich erlebe die Situation mit der Widerspruchserklärung ganz anders: Als Zwang, sich damit auseinanderzusetzen; nicht als Zwang, ein Ersatzteillager zu werden. Ich kenne leider viele Menschen, sowohl in meinem jungen Alter als auch "reflektierte" Erwachsene, die sich (noch) nie mit dem Organspendeausweis beschäftigt haben. Ich fordere nicht, dass alle "Ja" ankreuzen, das ist eine ganz persönliche Entscheidung, an der ich nichts zu rütteln habe, aber ich finde es wichtig, sich wenigstens darüber Gedanken zu machen und dann bewusst ein "Ja" oder "Nein" zu setzen. Und wenn wir dann in der breiten gesellschaftlichen Debatte über Zustimmung oder Ablehnung sind, können wir auch über Konditionen und Praxis besser diskutieren.


Ich bin wirklich froh, gibt es so kluge junge Leute wie Dich, die nach mir kommen.
Und ich verstehe Deine Sicht auf die Dinge. Für mich ist auch auch die Frage, ob man sich damit beschäftigen mag oder nicht, eine freie Wahl, wie es alles im Leben sein muss, um es als "frei" zu bezeichnen. Und man kann ja sich nur sehr eingeschränkt damit beschäftigen, weil man kaum etwas weiß über das Sterben und den Tod. Man weiß ja noch nicht einmal genug über das Leben Man kann sich damit beschäftigen, was wie genau getan wird, doch alles andere kann nur Spekulation sein.

Ich sehe nirgendwo einen Bedarf, weshalb man sich zwingend damit beschäftigen muss. Abgesehen davon, dass es so viel dringendere Themen gäbe, die haufenweise Schaden anrichten, worüber sich Mensch für mein Verständnis viel eher Gedanken machen dürfte, als darüber, ob er gern Ersatzteillager sein möchte oder nicht. Und natürlich kann man sich darüber gleichzeitig Gedanken machen, wie über andere Dinge, aber da geht es ja um Bewusstheit über das Leben und die Art und Weise des Lebens und darüber, was ich mittrage durch Nichtwissen und Nichtinformieren... eben Unbewusstheit. Und in dieser Hinsicht leben wir in einer finsteren Zeit, in der es vielleicht schon dämmert, aber laaaangsam

Ist man die neueste Generation Erwachsener, sind ganz andere Dinge bereits schon gegeben, als zuvor - das ist bei meiner Generation so und wird bei Deiner auch so sein. Dinge, die schon immer so waren, seitdem man selbst da ist, hinterfragt man oft gar nicht bzw. erst, wenn man selbst so weit für sich ist, ohnehin ALLES zu hinterfragen und das dann sozusagen als einen Abwasch erledigt Aber da ist man oft schon im fortgeschrittenen Alter. Und ich denke, es benötigt beides. Die neue Art zu denken und das Hinterfragen der älteren Generation. Das eine zeigt und lebt eine neue Sicht und das andere hinterfragt, was bis hierher dagewesen ist mit der Erfahrung aus einer anderen Zeitqualität, die eine Grundlage ist.


editiert am 10.05.2019 12:03 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 11:54
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 11:45:

In der westlichen Welt ist der Trend über formaljuristische Themen existenzielle zu debattieren.


Was ist denn existenzieller als das eigene Ableben?
Für den Juristen ist das eine juristische Abhandlung bis zu dem Zeitpunkt, an dem er persönlich das Zeitliche segnet.

10.05.2019 11:57
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 11:37:

Vllt noch als kurze, weitergehende Erklärung:

Hätten wir eine Widerspruchspflicht für den Organspendeausweis und die Mehrheit der Menschen würde sich dagegen entscheiden, so wäre meines Erachtens die Konsequenz, noch mehr zu hinterfragen, warum Menschen dazu nicht bereit und vllt zu dem Schluss zu kommen, dass die Praxis, die Realität dringend überholt werden muss oder Gesetze angepasst werden müssen, wie auch immer. Aber jetzt habe ich das Gefühl, da Organspendeausweise so ein Nischenthema sind, dass die willigen Spender*innen wenig Druck und Möglichkeiten haben, tatsächlich etwas zu verändern oder so anzustoßen, dass wir einen gesamtpolitischen DIskurs darüber führen können.
Und wenn ich jetzt sehe, wie Menschen darüber streiten, ob die Widerspruchspflicht richtig ist oder nicht und so das Thema öffentlich debattiert wird - ist das nicht der erste Schritt? Größere Sichtbarkeit und das Bewusstsein, darüber nachzudenken?


Das sind gute Gedanken!
Auch das Hinterfragen in zweiter Instanz.
Aber gibt es dann irgendwann einen Punkt, an dem man einfach akzeptieren muss, dass diese Art zu sterben für eine bestimmte Anzahl Menschen nicht in Frage kommt oder ist alles lediglich unter dem Aspekt der Nützlichkeit und des Bedarfs zu entscheiden und zu betrachten?




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