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Organspendeausweis

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10.05.2019 14:25
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Ok...konsequent gedacht..
Würden die zahlreichen Kritikerinnen hier auch kein Organ annehmen?
Sehe ich das richtig..also lieber Dialyse bis es nicht mehr geht..sterben auf Raten in kauf nehmen..?
Den Leuten, die dringend ein Organ benötigen, um überleben zu können, ihre Meinung geradeaus ins Gesicht sagen und sie ggf. ihrem Schicksal, sprich Tod überlassen?
Darum und nur (!) darum geht es..und im Kern um nichts anderes...
Wir sind alle potientielle Patienten..ich habe selbst 12 Jahre in der Pflege gearbeitet und lag im letzten Jahr in einer Klinik, Schläuche fühlen sich mega an (Vorsicht Ironie!!)...da hilft kein theoretisieren usw. da geht es um nackte Tatsachen..



10.05.2019 14:33
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Konsequent gedacht, müsste diejenige mit "nein" im Ausweis auch keines annehmen wollen/sollen/dürfen.

Nur, wer ist letzten endes konsequent in der Situation - politisch wird es so nicht umgesetzt.

Wer zB raucht und daraus resultierend gesundheitliche Probleme erschafft (bei sich und evtl. auch anderen), wird im Solidarsystem auch unterstützt.

editiert am 10.05.2019 14:38 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 14:36
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Ich glaube, es gibt Fragen im Leben, die man wohlmöglich erst dann wirklich eindeutig beantworten kann, wenn man sich in der entsprechenden Situation befindet. Zum Beispiel Krebspatient*innen: Sie müssen sich immer (wieder neu) entscheiden - will ich eine, diese etc. Behandlung oder nicht? Wenn man selbst nicht erkrankt ist, kann man sich das natürlich auch überlegen, aber es gibt keine Garantie, dass man es sich anders überlegt, wenn man erkrankt ist. Und so wird es bzgl. einer Organspende wahrscheinlich auch nicht anders sein.

10.05.2019 14:40
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Und dann hast du da ein "nein" stehen ... tja.
Schnell ausradieren?

10.05.2019 14:51
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 14:40:

Und dann hast du da ein "nein" stehen ... tja.
Schnell ausradieren?


Ich bin nicht sicher, ob Zynismus das ist, was es beim Nachdenken über dieses Thema braucht.

10.05.2019 14:54
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 14:25:

Ok...konsequent gedacht..
Würden die zahlreichen Kritikerinnen hier auch kein Organ annehmen?
Sehe ich das richtig..also lieber Dialyse bis es nicht mehr geht..sterben auf Raten in kauf nehmen..?
Den Leuten, die dringend ein Organ benötigen, um überleben zu können, ihre Meinung geradeaus ins Gesicht sagen und sie ggf. ihrem Schicksal, sprich Tod überlassen?
Darum und nur (!) darum geht es..und im Kern um nichts anderes...
Wir sind alle potientielle Patienten..ich habe selbst 12 Jahre in der Pflege gearbeitet und lag im letzten Jahr in einer Klinik, Schläuche fühlen sich mega an (Vorsicht Ironie!!)...da hilft kein theoretisieren usw. da geht es um nackte Tatsachen..



Wenn sich jemand für das Spenden entscheidet, so muss er sich nicht konsequenter Weise für den Empfang entscheiden. Genausowenig muss sich jemand gegen den Empfang entscheiden, wenn er nicht spenden will.
Das hat wenig mit Konsequenz zu tun, sondern einzig mit den individuellen Gründen eines jeden.

Die meisten, die ich kenne, mich eingeschlossen, Spenden nicht und wollen auch keine Organe bekommen.

Und natürlich sind das alles theoretische Überlegungen - und werden es hoffentlich auch immer bleiben.
In dem Moment, in dem ich dem Tod ins Auge blicke oder einer meiner Liebsten, werde ich sicherlich hoffen und bangen, dass es gut ausgeht.
Aber den Ausgang werde ich nicht dadurch beeinflussen können, indem ich mich für oder gegen Organspende entschieden habe, sondern einzig durch das hoffentlich "im Frieden mit sich selbst sein" können.

Bei allem Mitgefühl für Schicksalsschläge. Das würde ich auch jedem von Angesicht zu Angesicht sagen, ja.


10.05.2019 14:55
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Ich weiß nur, dass ich sehr dankbar bin für Menschen, die sich bereit erklären, bei neuen mediz. Methoden (ob Pharmazie oder mediz. Techniken) unkalkulierbare Risiken einzugehen. Würde ich das selbst machen? Ich weiß es nicht.
Soviel ich weiß, gibt es für Medizinstudent*innen viel zu wenige Leichenspenden. Dabei profitieren alle davon, die mal mediz. Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Möchte ich aber dafür meinen Leichnam spenden? Momentan - nein. Das sind für mich alles moralische Konflikte und ich bin auch dankbar dafür, dass mein Unterbewußtsein mir hilft, mein Bewußtsein, somit meine Cheffin, nicht immer darüber nachdenken zu lassen.

Was ich mir auf alle Fälle wünsche: Transparenz, Information und vertrauensbildende Maßnahmen. Und schon die Garantie auf Narkose wäre mir zumindest eine Hilfe. Das Gehirn ist noch seeeeeeeeeeeehr lange nicht erforscht und weiß der Himmel, was man theoretisch noch fühlen könnte, selbst wenn man als hirntod erklärt wird. Sollte Narkose nur eine Frage der Kosten sein, dann hätte ich dafür null Verständnis. Der Organhandel ist nur deshalb krimininell und lukrativ, da die Nachfrage immens größer als das Angebot ist. Um das zu ändern, sollte Geld wohl nicht die Rolle hierbei spielen.

10.05.2019 15:04
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 14:54:

Wenn sich jemand für das Spenden entscheidet, so muss er sich nicht konsequenter Weise für den Empfang entscheiden. Genausowenig muss sich jemand gegen den Empfang entscheiden, wenn er nicht spenden will.
Das hat wenig mit Konsequenz zu tun, sondern einzig mit den individuellen Gründen eines jeden.

Die meisten, die ich kenne, mich eingeschlossen, Spenden nicht und wollen auch keine Organe bekommen.

In dem Moment, in dem ich dem Tod ins Auge blicke oder einer meiner Liebsten, werde ich sicherlich hoffen und bangen, dass es gut ausgeht.
Aber den Ausgang werde ich nicht dadurch beeinflussen können, indem ich mich für oder gegen Organspende entschieden habe, sondern einzig durch das hoffentlich "im Frieden mit sich selbst sein" können.

Bei allem Mitgefühl für Schicksalsschläge. Das würde ich auch jedem von Angesicht zu Angesicht sagen, ja.


Naja, die Argumentation hakt, denn solange sich kein grösseres Kollektiv dafür entscheidet, geht die Wahrscheinlichkeit eines Überlebens gegen null.

Individuen sind auf der Grundlage ihrer Entscheidungen Teile des Kollektivs.
Letztlich forciert die Gesetzeslage genau diese Überlegungen.

editiert am 10.05.2019 15:08 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 15:05
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 14:25:

...sterben auf Raten in kauf nehmen..?...



Wir sterben alle auf Raten, von Geburt an.

Wir können nur versuchen, die Ratenhöhe und damit die Belastung an unsere individuellen Bedürfnisse anzupassen.
Es ist für viele schon ein großer Unterschied, was wir als lebenswert ansehen. Ich gönne jedem ein Leben, wie er es für wertvoll hält.

Mir gönne ich das auch. Und ich gönne mir ebenso das Ende meines Lebens, bzw. den Übergang in die Anderswelt ohne, dass sich jemand vorher an meinem Körper vergriffen hat, auf dessen Art und Weise ich zu diesem Zeitpunkt keinen Einfluss mehr habe.

10.05.2019 15:06
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Die Mutter meiner Ex-Partnerin bekam Hornhäute transplantiert. Ich erlebte mit wie sie aus dem Krankenhaus kam und die Welt mit "neuen" Augen sah. Das war sooo berührend.
Auch ich bin Organspender seit langer Zeit.

editiert am 10.05.2019 15:09 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 15:13
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 15:04:

Naja, die Argumentation hakt, denn solange sich kein grösseres Kollektiv dafür entscheidet, geht die Wahrscheinlichkeit eines Überlebens gegen null.

Individuen sind auf der Grundlage ihrer Entscheidungen Teile des Kollektivs.


Ich argumentiere nicht, ich lege meine Gedanken zum Thema dar und verbitte mir, dass eine individuelle Entscheidung als "nicht helfen wollen" gleichgesetzt wird. Das ist nämlich der Beginn einer unfairen und respektlosen Debatte.

Glücklicher Weise sind wir nicht immer an das Kollektiv gebunden und können (noch) eigene Entscheidungen treffen.

10.05.2019 15:25
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 14:25:

Ok...konsequent gedacht..
Würden die zahlreichen Kritikerinnen hier auch kein Organ annehmen?
Sehe ich das richtig..also lieber Dialyse bis es nicht mehr geht..sterben auf Raten in kauf nehmen..?
Den Leuten, die dringend ein Organ benötigen, um überleben zu können, ihre Meinung geradeaus ins Gesicht sagen und sie ggf. ihrem Schicksal, sprich Tod überlassen?
Darum und nur (!) darum geht es..und im Kern um nichts anderes...
Wir sind alle potientielle Patienten..ich habe selbst 12 Jahre in der Pflege gearbeitet und lag im letzten Jahr in einer Klinik, Schläuche fühlen sich mega an (Vorsicht Ironie!!)...da hilft kein theoretisieren usw. da geht es um nackte Tatsachen..



Ich denke, dass jeder aus seiner individuellen Sicht darauf schaut - es kann ja niemals anders sein. Natürlich kann ich mich in die Lage eines Menschen versetzen, der ein Organ braucht - aber eben nur empathisch und in der Vorstellung - ich werde niemals Ahnung davon haben, wie es sich anfühlt, bis es so weit ist. Allerdings trifft das auch auf den eigenen Tod zu - wie auch immer der aussehen wird. Verunfallt man derzeit z. B. im Ausland, in dem man der Organspende widersprechen muss, um nicht als Ersatzteillager zu dienen (Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Türkei), und besitzt diesen Widerspruch nicht oder führt ihn nicht bei sich, wird da so verfahren wie bei allen anderen auch, die keinen haben: Die Organe werden entnommen.

Und ich habe Schwierigkeiten mit ALLEM, was an mein Gewissen appelliert, um mich dahin zu bewegen, wie es für jemand anderen nützlich ist und meine eigenen Überlegungen für mich persönlich untergräbt und manipulieren will. Ich möchte meine eigenen Entscheidungen für mein Leben und meinen Tod unabhängig von den Nöten und Bedürfnissen anderer treffen dürfen. Das bedeutet nicht, dass mich ihr Leiden nicht bewegt oder dass es mir gleichgültig ist. Aber wenn ich nicht mal die Verantwortung für mich und meine Entscheidungen tragen kann... für wen denn dann?

Andere Maßnahmen, z. B. die Forschung, wieso es so extrem viele kranke Menschen gibt (hatte hier schon jemand erwähnt) sowie die Eliminierung dieser Umstände würde ich da viel eher unterstützen, weil es für alle gewinnbringend ist und nicht einer auf Kosten des anderen lebt, auch wenn wir das heute weitgehend für normal halten... unsere ganze Lebensweise spricht dieselbe Sprache.

Ich versuche, mein Leben so eigenverantwortlich zu leben, wie es geht und medizinisch so unabhängig wie es geht. Und bin dennoch selbst seit 10 Jahren nicht gesund. Viele haben eine grundsätzlich andere Haltung dazu und haben jegliche Verantwortung schon bevor sie in Umstände geraten, in denen sie von anderen abhängig sind und nichts mehr daran ändern können, abgegeben.

Auch wenn das heute total unpopulär ist und unbequem:
Alle Dinge haben ihren Sinn. Auch jede Krankheit. Ich finde einen vielfachen Sinn in meiner, wenn ich schonungslos ehrlich mir selbst gegenüber sein kann. Und wir beschäftigen uns normalerweise nicht mit dem Sinn - weder auf persönlicher Ebene, noch auf kollektiver... weder warum WIR persönlich krank sind, noch warum Krankheiten so exponentiell steigen. (Und damit möchte ich Dir nicht zu nahe treten, denn ich habe keine Ahnung davon, womit Du Dich beschäftigst und womit nicht - sollte nur eine allgemeine Feststellung sein). Wir begnügen uns da i. d. R. mit der medizinischen Erklärung, als wäre das die einzige, die es gibt.

Wir werden uns auch so lange nicht mit dem Sinn beschäftigen, so lange wir so tun, als hätten wir Lösungen, die Symptome behandeln, anstatt heilen. Diese Symptombehandlungen können Leben retten, genau wie Spenden an die Hungerhilfe und andere lebenserhaltende Maßnahmen und ich möchte ihnen den Sinn auch nicht absprechen. Sie alle sind auch nötig. Aber sie dürfen in gar keiner Hinsicht die einzige Handlungsrichtung sein, die wir einschlagen, egal ob wir uns um das Klima und die Umwelt kümmern, um die Kranken, die Sterbenden, die Flüchtlinge, die Hungernden und die aussterbenden Tiere... weil es einseitig ist. Und ich hoffe, es konnte deutlich werden, was ich meine, weil das hier keine Grundsatzdiskussion werden soll, aber aufzeigen soll, was ich meine.

Und nein, ich würde kein Organ annehmen. Ich lasse mich derzeit nicht mal operieren und mir das eine oder andere entfernen, was von ärztlicher Sicht angeraten ist, weil das standardmäßig so gemacht wird, weil ich das für den falschen Ansatz halte. Aber das ist genauso meine Entscheidung wie die, ob ich ein Organ spenden mag. Verantwortung für mich tragen bedeutet: Alle Entscheidungen des Lebens bis zum Ende zu verantworten. Alle. Nichts und niemand ist sonst dafür schuld oder verantwortlich, das wieder in Ordnung zu bringen. Alles, was zur Krankheit führte, alles was mich vom Heilen abhält (sofern das möglich ist) - innerlich und äußerlich, alle Schmerzen und alles Leiden, was ich durch meine Entscheidung trage und mein weiteres Leben sowie die Art meines Todes.

Schmerzen haben ihren Sinn für mich da, dass sie mich erkennen lassen, was ich ohne sie nie erkannt hätte. Das ist der Sinn von Schmerzen - egal ob körperlich oder seelisch. Man verhindert den Sinn oder macht der Schmerz nur aus Unwissen überflüssig und aus Angst vor Kontrollverlust. Auch wenn das für die meisten hier zu weit führt, weil es Bereiche sind, die unbekannt sind: Folge ich dem Schmerz und lasse es zu, dass er mich dahin trägt, wohin er mich trägt, ohne zu flüchten und ohne auszuweichen und ihn zu verhindern, komme ich bei mir an... auf eine Art, wie das nichts anders im Leben vermag. Darum weiß ich ihn zu schätzen, wenn er da ist, ohne ihn deshalb extra haben zu wollen.

Aus diesem Grund würde ich jedem ins Gesicht sagen, wenn es das braucht, dass er meine Organe leider nicht haben darf.



editiert am 10.05.2019 15:44 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 15:28
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 15:05:

(...)

Mir gönne ich das auch. Und ich gönne mir ebenso das Ende meines Lebens, bzw. den Übergang in die Anderswelt ohne, dass sich jemand vorher an meinem Körper vergriffen hat, auf dessen Art und Weise ich zu diesem Zeitpunkt keinen Einfluss mehr habe.


Bitte verstehe es nicht als Provokation oder Kritik, sondern diese oberen Gedanken hatte ich auch - bevor ich das Sterben eines Menschen begleitete. Und mir wurde (und wird) immer klarer, dass man nicht alles vorhersehen, bestimmen oder kontrollieren kann. Man kann es sich wünschen, man kann es irgendwo schriftlich vereinbaren, aber es gibt keine Garantie. Mir gefällt schon alleine der Gedanke nicht, dass sich Lebewesen an meinem Leichnam unter der Erde laben. Verfeuert zu werden ist auch nicht gerade meine Lieblingsfantasie.

Mir gefällt aber die Vorstellung, dass ein Organ von mir einem Menschen verhelfen könnte, weiter lieben, lachen, weinen, denken etc. zu können. Ja, der Gedanke daran ist gerade in diesem Moment schön.

editiert am 10.05.2019 15:34 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 15:32
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Bitte jetzt nicht mit "das Sterben beginnt mit der Geburt"...sorry..dann geht es aber den meisten Leuten verdammt gut in "ihrem Sterbeprozess" und auf Raten..
Nein, es geht um die Menschen, die Leben wollen!!
Und um nichts anderes..die froh sind über jeden Tag, den sie bekommen - ich rede hier nicht vom freiwillig aus dem Leben scheiden wollen, sogenannte "Sterbehilfe" etc.
Leben ist ein einmaliges Geschenk, leider sind wir uns dessen oft erst dann bewusst, wenn es uns schlecht geht oder, wie ich es in vielen Gesprächen mit Sterbenden erlebt habe, wenn sich dieses Leben dem Ende entgegen neigt..
Vielleicht ist es ja auch die letzte und intensivste Form der Solidarität und Menschlichkeit, die wir anderen Menschen erweisen können...



10.05.2019 15:36
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Und ich würde diese Solidarität begrüßen, wäre sie nicht die einzige Maßnahme, die Dinge nachhaltig zu verändern und würde diese Einseitigkeit nicht dazu führen, dass wir die Nachhaltigkeit vernachlässigen.

10.05.2019 15:43
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 15:28:

....

Bitte verstehe es nicht als Provokation oder Kritik, sondern diese oberen Gedanken hatte ich auch - bevor ich das Sterben eines Menschen begleitete. Und mir wurde (und wird) immer klarer, dass man nicht alles vorhersehen, bestimmen oder kontrollieren kann. Man kann es sich wünschen, man kann es irgendwo schriftlich vereinbaren, aber es gibt keine Garantie. Mir gefällt schon alleine der Gedanke nicht, dass sich Lebewesen an meinem Leichnam unter der Erde laben. Verfeuert zu werden ist auch nicht gerade meine Lieblingsfantasie.

Mir gefällt aber die Vorstellung, dass ein Organ von mir einem Menschen verhelfen könnte, weiter lieben, lachen, weinen, denken etc. zu können. Ja, der Gedanke daran ist gerade in diesem Moment schön.


Ich sehe das gar nicht als Provokation, nicht mal als Kritik. Denn hier geht es um Selbstbestimmung und da ist jeder selbst gefragt.

Mich stört vor allem an der ganzen Sache, dass ich

1. mich damit beschäftigen muss (weil das System irgendwann eine Entscheidung verlangen wird)
2. es verschriftlichen muss (weil das System dem Wort meiner Herzmenschen nicht glauben wird)

Insofern sind wir alle sowieso nur bedingt frei. Ich kann in diesem Fall nur meine Herzmenschen schützen, indem sie nicht mehr entscheiden müssen und mich schützen, indem ich nicht ständig über mögliche Abgründe des Systems nachdenken muss.

Am Ende zählt das gute Gefühl, egal wie die Entscheidung lautet. Das ist auch eine Form des Egoismus. Gesund, wie ich finde.


10.05.2019 15:54
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 15:32:

Bitte jetzt nicht mit "das Sterben beginnt mit der Geburt"...sorry..dann geht es aber den meisten Leuten verdammt gut in "ihrem Sterbeprozess" und auf Raten..
Nein, es geht um die Menschen, die Leben wollen!!
Und um nichts anderes..die froh sind über jeden Tag, den sie bekommen - ich rede hier nicht vom freiwillig aus dem Leben scheiden wollen, sogenannte "Sterbehilfe" etc.
Leben ist ein einmaliges Geschenk, leider sind wir uns dessen oft erst dann bewusst, wenn es uns schlecht geht oder, wie ich es in vielen Gesprächen mit Sterbenden erlebt habe, wenn sich dieses Leben dem Ende entgegen neigt..
Vielleicht ist es ja auch die letzte und intensivste Form der Solidarität und Menschlichkeit, die wir anderen Menschen erweisen können...



Warum so aggressiv, alles gut. Ich schrieb nicht, dass das Sterben mit der Geburt beginnt. Ich kann deine Sicht auf das Thema aber verstehen.

Im Grunde will jeder Mensch leben. Und im besten Fall weiß man das Leben als Geschenk schon früh zu schätzen und benötigt keinen "Ausnahmezustand", um dies zu erkennen. Schade für die, die das erst im Sterben erkennen (können).

Ich bevorzuge das Zeigen von Solidarität und Menschlichkeit zu Lebzeiten.

10.05.2019 15:58
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Es tut mir wirklich leid, wenn ich das jetzt mal so anbringen muss, aber dieses Gerede vom "System", welches dem Individuum irgendetwas abverlangt, von dem "System", das von Transplantationen profitiert und dem "System", was in der Vergangenheit "ausgenutzt" wurde, hat für mich einen wirklich sehr bitteren Beigeschmack.

Dieses sogenannte "System" hält Menschen am Leben. Ob die Krankenkasse dafür bezahlt, wieviel sie bezahlt, ob jemand bestochen wurde, oder eben nicht.

Wie wichtig kann diese Fragestellung am Ende sein, wenn es darum geht, dass ein Mensch stirbt und ein anderer durch eine simple Entscheidung, die der versterbende zuvor bewusst getroffen hat, eine Chance auf mehrere Jahre weiteres Leben bekommt?

Das ist an Zynismus kaum zu übertreffen.

10.05.2019 16:00
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 15:25:

...

Und ich habe Schwierigkeiten mit ALLEM, was an mein Gewissen appelliert, um mich dahin zu bewegen, wie es für jemand anderen nützlich ist und meine eigenen Überlegungen für mich persönlich untergräbt und manipulieren will. Ich möchte meine eigenen Entscheidungen für mein Leben und meinen Tod unabhängig von den Nöten und Bedürfnissen anderer treffen dürfen. Das bedeutet nicht, dass mich ihr Leiden nicht bewegt oder dass es mir gleichgültig ist. Aber wenn ich nicht mal die Verantwortung für mich und meine Entscheidungen tragen kann... für wen denn dann?
....





10.05.2019 16:15
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 15:54:

(...)

Ich bevorzuge das Zeigen von Solidarität und Menschlichkeit zu Lebzeiten.


öhmmm...kann man auch als Verstorbene*r widersprechen oder auch nicht?

Und ist es nicht eine krasse Vorstellung - man kann sogar lebendig und tot Solidarität und Menschlichkeit zeigen.



editiert am 10.05.2019 16:20 Beitrag melden Zitatantwort

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