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Organspendeausweis

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10.05.2019 11:58
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@ Steppenkind - Hut ab . . .



10.05.2019 11:58
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Ich habe zu meinen Leuten gesagt, wenn ich tot bin, können sie meine Organe spenden, wenn sie wollen....! Aber ich werde nie so einen Organspende-Ausweis bei mir tragen, weil die Welt inzwischen so schlecht und abgebrüht ist, jeder mit jedem unter einer Decke steckt, wenn es um's Geld geht...! Ich denke inzwischen, daß es auch geldgierige Ärzte gibt, denen es egal ist, ob dem Menschen noch zu helfen ist oder nicht...., wenn das Geld stimmt, dann wird man einfach ausgeschlachtet....

10.05.2019 12:00
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@ eskofra - Akzeptanz und Empathie spielen gerade bei diesem Thema eine sehr wichige Rolle.

w.

10.05.2019 12:05
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Auch bei meiner Entscheidung, Organspende ja oder nein, steht und stand für mich immer mein können, wollen, oder nicht wollen im Vordergrund und nicht die Menschen oder Organisationen, für die Organe etwas mit Macht und Geld zu tun haben.

w.

10.05.2019 12:09
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 11:52:

Ich bin wirklich froh, gibt es so kluge junge Leute wie Dich, die nach mir kommen.
Und ich verstehe Deine Sicht auf die Dinge. Für mich ist auch auch die Frage, ob man sich damit beschäftigen mag oder nicht eine freie Wahl, wie es alles im Leben sein muss, um es als "frei" zu bezeichnen. Und man kann ja nur sehr eingeschränkt damit beschäftigen, weil man kaum etwas weiß über das Sterben und den Tod. Man weiß ja noch nicht einmal genug über das Leben Man kann sich damit beschäftigen, was wie genau getan wird, doch alles andere kann nur Spekulation sein.

Ich sehe nirgendwo einen Bedarf, weshalb man sich zwingend damit beschäftigen muss. Abgesehen davon, dass es so viel dringendere Themen gäbe, die haufenweise Schaden anrichten, worüber sich Mensch für mein Verständnis viel eher Gedanken machen dürfte, als darüber, ob er gern Ersatzteillager sein möchte oder nicht. Und natürlich kann man sich darüber gleichzeitig Gedanken machen, wie über andere Dinge, aber da geht es ja um Bewusstheit über das Leben und die Art und Weise des Lebens und darüber, was ich mittrage durch Nichtwissen und Nichtinformieren... eben Unbewusstheit. Und in dieser Hinsicht leben wir in einer finsteren Zeit, in der es vielleicht schon dämmert, aber laaaangsam

Ist man die neueste Generation Erwachsener, sind ganz andere Dinge bereits schon gegeben, als zuvor - das ist bei meiner Generation so und wird bei Deiner auch so sein. Dinge, die schon immer so waren, seitdem man selbst da ist, hinterfragt man oft gar nicht bzw. erst, wenn man selbst so weit für sich ist, ohnehin ALLES zu hinterfragen und das dann sozusagen als einen Abwasch erledigt Aber da ist man oft schon im fortgeschrittenen Alter. Und ich denke, es benötigt beides. Die neue Art zu denken und das Hinterfragen der älteren Generation. Das eine zeigt und lebt eine neue Sicht und das andere hinterfragt, was bis hierher dagewesen ist mit der Erfahrung aus einer anderen Zeitqualität, die eine Grundlage ist.


Vielen Dank für deine lieben Worte, ich freue mich immer sehr mit Menschen diskutieren und manchmal dann eben auch philosophieren zu können.

Ich stimme dir zu: Du hast die Freiheit auch abzulehnen, dich mit etwas auseinanderzusetzen. Jede*r hat etwas, was ihn*sie bewegt und begeistert, worüber er*sie sprechen möchte oder wofür er*sie sich einsetzt. Wir können schließlich nicht an allen Fronten gleichzeitig kämpfen.

Du sprichst das Thema der Generationen an - auch da gebe ich dir Recht. Und vllt erleben wir gerade eine Zeit, in der "meine" jüngere Generation eben die Frage nach dem Organspendeausweis dringlicher oder auch anders stellt - immer im Austausch mit denen, die vor uns waren. Insofern ist eig die "junge" Generation immer eine stürmende und drängende Kraft - nehmt uns ernst und hört uns zu, so wie wir es auch mit euch tun, dann finden wir gemeinschaftlich eine Lösung.



10.05.2019 12:11
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 11:58:

@ Steppenkind - Hut ab . . .



Danke sehr!

10.05.2019 12:12
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 12:00:

@ eskofra - Akzeptanz und Empathie spielen gerade bei diesem Thema eine sehr wichige Rolle.

w.


Seh ich auch so, maruru.
Und wer vielleicht in eine Zeit geboren wurde, an dem ALLES nach dem Aspekt der gesellschaftlichen, sozialen oder anderweitigen Nützlichkeit betrachtet wird - selbst der Körper eines Menschen und das menschliche Leben, sieht das auch anders, als jemand, der in einer anderen Zeit geboren wurde, in der - je nachdem wo man das Licht der Welt erblickte - andere Themen das gesellschaftlich-soziale Leben prägten und andere Dinge dran waren, auch auf der persönlichen Ebene.

Und ich denke, beides hat wie gesagt, seine Berechtigung:
Was ich daran gut finde ist, dass sich "Nützlichkeit" dadurch auch hinterfragt, wenn es lediglich um die Nützlichkeit geht und man darüber zu neuen Antworten kommen kann. Allerdings sehe ich den Trend derzeit potentiell eher gefährlich, je nachdem, welche Wege Mensch nun einschlägt. Es geht in äußerer Hinsicht um eine Optimierung und entfernt sich gesellschaftlich immer weiter von der inneren, welche die Welt für mein Verständnis. Aber vielleicht ist meine Sicht darauf zu eingeschränkt. Darum sollte man sich öfter mit jungen Leuten unterhalten

10.05.2019 12:14
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@ Steppenkind:
Ich nehme Dich gerade SEHR ernst und freue mich über den offenen Austausch, der mich weitergebracht hat und meine Sicht auf die Dinge erweitert hat <3
Danke dafür.

10.05.2019 12:20
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 11:57:

Das sind gute Gedanken!
Auch das Hinterfragen in zweiter Instanz.
Aber gibt es dann irgendwann einen Punkt, an dem man einfach akzeptieren muss, dass diese Art zu sterben für eine bestimmte Anzahl Menschen nicht in Frage kommt oder ist alles lediglich unter dem Aspekt der Nützlichkeit und des Bedarfs zu entscheiden und zu betrachten?



Natürlich muss man akzeptieren, dass der Tod kommen wird (Vllt ist es erst der Tod und unsere Sterblichkeit, der dem Leben einen Sinn gibt?!). Und trotz Organspenden wird es weiterhin Menschen geben, die an Organversagen versterben.

Ich finde, dass die Frage nach der Organspende nicht nur Nützlichkeit und Bedarf anspricht, sondern eben auch menschliches Dasein und, wie maruru gesagt hat, Mitgefühl und Empathie. Für mich persönlich ist es, wie ich es angedeutet hatte, die Frage, was mein Leben wertvoll macht und auch, was meine menschlichen Eigenschaften sind. Das heißt für mich persönlich, dass ich nicht "egoistisch" meine transplantationsfähigen Organe bei einem Todesfall für mich behalten möchte. Mein Leben und Körper sind Geschenk - warum also nicht weiterschenken, wenn es anderen Menschen etwas bringt? Aus ähnlichen Gründen befürworte ich auch eine Eintragung in die Kartei für Knochenmarkspende und Blutspenden.
[!!! Das heißt NICHT, dass ich alle nicht-spendewilligen Menschen als egoistisch abstempel!!!] [/!!!]

10.05.2019 12:26
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 12:12:

Seh ich auch so, maruru.
Und wer vielleicht in eine Zeit geboren wurde, an dem ALLES nach dem Aspekt der gesellschaftlichen, sozialen oder anderweitigen Nützlichkeit betrachtet wird - selbst der Körper eines Menschen und das menschliche Leben, sieht das auch anders, als jemand, der in einer anderen Zeit geboren wurde, in der - je nachdem wo man das Licht der Welt erblickte - andere Themen das gesellschaftlich-soziale Leben prägten und andere Dinge dran waren, auch auf der persönlichen Ebene.

Und ich denke, beides hat wie gesagt, seine Berechtigung:
Was ich daran gut finde ist, dass sich "Nützlichkeit" dadurch auch hinterfragt, wenn es lediglich um die Nützlichkeit geht und man darüber zu neuen Antworten kommen kann. Allerdings sehe ich den Trend derzeit potentiell eher gefährlich, je nachdem, welche Wege Mensch nun einschlägt. Es geht in äußerer Hinsicht um eine Optimierung und entfernt sich gesellschaftlich immer weiter von der inneren, welche die Welt für mein Verständnis. Aber vielleicht ist meine Sicht darauf zu eingeschränkt. Darum sollte man sich öfter mit jungen Leuten unterhalten


Danke für das Ernstnehmen und deine Offenheit, mich bereichert das auch sehr.

Ich denke bei der Frage nach der Nützlichkeit hängt es vom Blickwinkel ab: Ja natürlich, von außen, wirtschaftlich betrachtet ziehen wir einen Nutzen aus dem Leben und Sterben anderer Menschen.
Aber persönlich, religiös oder "innerlich" sehe ich keine Nützlichkeit, sondern einen Wunsch in mir, aus mir heraus und von mir gerechtfertigt, Menschen zu helfen. Ein inneres Bedürfnis eben.

10.05.2019 12:36
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Solange es Menschen gibt, die wohlwollend mit dem gegenüber im Dialog bleiben, sich ebenso wertschätzend, auch über vermeintliche "Tabuthemen", austauschen wird es uns weiter bringen.

Schwarz malen, Extrembeispiele aufzeigen bringen mich nicht weiter, denn je nachdem auf welcher "Seite" ein Mensch steht, gibt es negatives zu berichten.

Sich über Leben und Tod aber sinnbringend zu unterhalten, benötige ich diese Bilder nicht, da stören sie mich . . .

Danke eskofra und Steppenkind.





editiert am 10.05.2019 12:40 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 12:39
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 12:26:

Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 12:12:

Seh ich auch so, maruru.
Und wer vielleicht in eine Zeit geboren wurde, an dem ALLES nach dem Aspekt der gesellschaftlichen, sozialen oder anderweitigen Nützlichkeit betrachtet wird - selbst der Körper eines Menschen und das menschliche Leben, sieht das auch anders, als jemand, der in einer anderen Zeit geboren wurde, in der - je nachdem wo man das Licht der Welt erblickte - andere Themen das gesellschaftlich-soziale Leben prägten und andere Dinge dran waren, auch auf der persönlichen Ebene.

Und ich denke, beides hat wie gesagt, seine Berechtigung:
Was ich daran gut finde ist, dass sich "Nützlichkeit" dadurch auch hinterfragt, wenn es lediglich um die Nützlichkeit geht und man darüber zu neuen Antworten kommen kann. Allerdings sehe ich den Trend derzeit potentiell eher gefährlich, je nachdem, welche Wege Mensch nun einschlägt. Es geht in äußerer Hinsicht um eine Optimierung und entfernt sich gesellschaftlich immer weiter von der inneren, welche die Welt für mein Verständnis. Aber vielleicht ist meine Sicht darauf zu eingeschränkt. Darum sollte man sich öfter mit jungen Leuten unterhalten


Danke für das Ernstnehmen und deine Offenheit, mich bereichert das auch sehr.

Ich denke bei der Frage nach der Nützlichkeit hängt es vom Blickwinkel ab: Ja natürlich, von außen, wirtschaftlich betrachtet ziehen wir einen Nutzen aus dem Leben und Sterben anderer Menschen.
Aber persönlich, religiös oder "innerlich" sehe ich keine Nützlichkeit, sondern einen Wunsch in mir, aus mir heraus und von mir gerechtfertigt, Menschen zu helfen. Ein inneres Bedürfnis eben.


Am Ende ist man ohnehin nur noch selbst übrig
Egal, was da außen so um einen herum tobt und sich an einem reibt - egal, was andere von einem halten, wollen, fordern... Die einen können ihre Entscheidung allein für sich treffen - relativ unbeeinflusst von außen, andere berücksichtigen das Wohl anderer. Fast niemand berücksichtigt die Dinge, die im Hintergrund an den Strippen ziehen. Aber selbst die sind am Ende egal... denn da ist man nur noch selbst übrig.

Hinter all den Dingen des Lebens, die ich bisher so entdecken durfte, sind Muster und Konditionierungen - persönliche, familiäre, gesellschaftlich-soziale, die das eigene Handeln die längste Zeit meines Lebens beeinflussten und es zum Teil noch immer tun. Somit lebt jeder Zeitgeist auch in mir.

Aber hinter all dem, geht im Leben NIE um andere Und wenn wir schon vom Sterben reden, können wir darüber auch reden. Egal wie beeinflusst oder unbeeinflusst man lebt.

10.05.2019 12:50
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Ich möchte mich an dieser Stelle für die sehr kontroverse und respektvolle Debatte bedanken. Mich hat sie angestoßen, heute nochmal alles schriftlich niederzulegen (Aktualisierung des Organspendeausweises und Verfassen meiner Patientenverfügung). Geht alles einfach online und kostenlos.
Ich hatte das Thema in den letzten Jahren sooft im Kopf und verschob doch das Verschriftlichen immer wieder.

Auch wenn ich heute ein klares "Nein" zur Organspende sage, so gab es doch auch eine Zeit, zu der ich ein "Ja" abgegeben hätte.
Ansichten, Erkenntnisse, Vertrauen in das Gesundheitswesen ändern sich im Laufe des Lebens. So auch bei mir.

Insofern finde ich die angestoßene Debatte des Gesundheitsministers zwar wichtig, um aus einem Nischenthema ein öffentliches zu machen, aber die Überlegung, generell erstmal jeden als Spender zu sehen, falsch.

Ich persönlich möchte jederzeit (Tag und Nacht) die Möglichkeit haben, meinen aktuellen Organspendeausweis zu vernichten und einen neuen zu erstellen. Dies wäre mir mit der jetzigen überlegten Form nicht mehr möglich und damit eine Beschneidung in meine Freiheit.

Warum sich Menschen für "Nein" entscheiden, hat, neben philosophischen Gründen, auch Gründe, die im Vertrauensbruch und mit dem Zustand unseres Gesundheits- und Sozialsystemes zusammenhängen.

Meiner Meinung nach sollte sich vielmehr damit auseinander gesetzt werden, warum potentielle Patienten Angst davor haben, dass man ihnen nicht vollumfänglich helfen wird. Und da ist ein großer Punkt auch die angebliche Transparenz der Maßnahmen, die sich, wenn man hinter die Kulissen schaut, auch nur als Schönschreiberei entpuppen (wie in vielen anderen Bereichen auch).

Der Mensch ist wie er ist. Und solange das so ist und niemand was Ehrliches und Genaues sagt, sage ich lieber "Nein" und vertraue meinem Schicksal und nicht mir unbekannten Menschen.

****

Edith hatte ein Wort reingemogelt, das mir nicht gefiel.

editiert am 10.05.2019 12:57 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 13:00
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Warum möchte keine/r ? helfen Das ist doch die Frage.
Es sollte sich jede/r mal in die Lage versetzen ein Organ were die Hilfe und macht wieder das Leben lebenswert . Warum soll das Leben nicht vom Schmerz befreit werden ! Nur weil keine Hilfe geleistet werden möchte.



10.05.2019 13:14
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 13:00:

Warum möchte keine/r ? helfen Das ist doch die Frage.
Es sollte sich jede/r mal in die Lage versetzen ein Organ were die Hilfe und macht wieder das Leben lebenswert . Warum soll das Leben nicht vom Schmerz befreit werden ! Nur weil keine Hilfe geleistet werden möchte.



Oh ich möchte durchaus helfen, das ist nicht die Frage.
Die Frage ist eher, ob ich aus dem Wunsch zu helfen, mich um die eigenen Dinge betrüge, die existentiell sind oder ob ich mich so weit von den eigenen Bedürfnissen und Wünschen entferne, dass ich die anderer über die meinen stelle. Nur wer kümmert sich dann um meine? Das für egoistisch zu halten erzählt mir eher von einer Verabschiedung jeglichen inneren Gleichgewichtes und einem falschen Verständnis von Hilfe und Aufopferung, als von heroischer Rettungsabsicht, die schnell verpufft, sobald das wirkliche Leben dazu auch gelebt wird.

Es ist ja nicht die Frage, ob es notwendig ist, einander zu helfen, wenn man hier miteinander lebt - alles wirkt da bereits zusammen und könnte für meinen Geschmack auch noch mehr zusammen wirken. Allerdings braucht es für mein Verständnis dazu ganz andere ethische und gereiftere Grundlagen, als die, die wir derzeit hier vorfinden in einer Gesellschaft, in der es darum geht, mit minimalem Aufwand das maximale Ergebnis zu erzielen. Und WENN mich schon jemand ausplündern dürfte, dann möchte bitte die Person meiner Wahl davon profitieren und nicht irgend jemand - und damit meine ich nicht das transplantiere Organ - das wäre mir in der Tat egal - sondern das Geld, das die Organe einbringen. Dann würde ich mir das unter diesen Gesichtspunkten evt. nochmal ganz anders überlegen, denn es wäre eine Lebensversicherung der anderen Art.

Schmerz gehört zum Leben dazu. Genau wie Krankheit. Beides bedingt, dass wir überhaupt wissen, was Gesundheit und Wohlsein ist... so wie ein jedes sein Gegenteil bereits in sich trägt. Leben ohne Schmerz ist nicht möglich. Eine Verweigerung von Schmerz ist Kontrollierenwollen und das ist das Gegenteil von Leben.



10.05.2019 13:36
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Liebe Minerva,
da hast du etwas angerichtet mit deiner Frage und das meine ich sehr positiv.

Ich drücke mich seit Jahren vor der Entscheidung und verschiebe es immer wieder auf morgen. Deshalb begrüße ich eine Widerspruchslösung, da sie Menschen wie mich dazu zwingt, sich endlich zu entscheiden. In anderen Lebensbereichen wird ein "Ja" auch vorausgesetzt, ausser man hinterlegt einen Widerspruch. Beispielsweise bei einer medizinischen Notfallbehandlung oder einer Bluttransfusion. Ist man hier nicht z.B. bei Bewußtsein und trägt nichts mit sich, werden mediz. Maßnahmen eingeleitet.

Selbst möchte ich auch nicht, dass jemand Nahestehendes für mich entscheiden muss. Leider musste ich das für jemanden tun und das ist eine Erfahrung, auf die man gut und gerne verzichten kann.

Die Gedanken in diesem Thread empfinde ich als hilfreich, um sich selbst zu hinterfragen. Ist alles gerechtfertigt, um Leben zu retten? Ab wann muss man den Tod einfach akzeptieren? Vielleicht wurden diese Fragen auch an diejenigen gestellt, die ein Messer führten, um zum ersten Mal in der Medizingeschichte eine Operation durchzuführen. Wohl heute kaum vorstellbar, welche Tabus und Ängste damals gebrochen und ausgelöst wurden. Was heute völlig selbstverständlich und lebensrettend sein kann, war irgendwann ein No Go. Und ich mag mir nicht vorstellen, wieviele Menschen bis Heute sterben oder leiden mussten für die Optimierung von Operationstechniken, damit viele davon profitieren.

Es wurde hier auch das Beispiel der Typisierung für eine Knochenmarkspende angeführt. Selbst bin ich als potentielle Spenderin eingetragen und es beruhigt mich, dass ich selbst bei einem Match immer noch entscheiden kann, ob ich spenden mag oder nicht. Für die Erkankten an Blutkrebs kann es lebensrettend sein und eine immense Steigerung der Lebensqualität. Dafür müsste ich aber ein potentielles Risiko eingehen. Wie auch bei der als banal angesehenen Blinddarm-OP. Aber selbst bei dieser läuft hin und mal etwas schief.

Edith meint, dass man betonen muss, dass man bei einer Typisierung nur ein*e potentielle*r Spender*in ist.



editiert am 10.05.2019 16:33 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 13:43
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 13:00:

Warum möchte keine/r ? helfen Das ist doch die Frage.
Es sollte sich jede/r mal in die Lage versetzen ein Organ were die Hilfe und macht wieder das Leben lebenswert . Warum soll das Leben nicht vom Schmerz befreit werden ! Nur weil keine Hilfe geleistet werden möchte.



Für mich ist die Entscheidung, ob "Ja" oder "Nein", keine Frage von "helfen wollen" und das lese ich auch in keinem der Beiträge hier. "Es soll sich jeder mal in die Lage versetzen" impliziert bei mir ein suptiles Schuldgefühl, das gepflanzt werden soll. Darum geht es doch gar nicht.

Und wer weiß denn, dass der Schmerz beim Empfänger gelindert wird? Wer weiß, ob nicht bei den Hinterbliebenen des Spenders zusätzlicher Schmerz gerade durch diese Entscheidung entsteht?

Gerade weil das im Vorfeld niemand wissen kann, ist JEDE Entscheidung richtig, wenn sie die eigene ist, die man aufgrund verschiedener Überlegungen getroffen hat.


10.05.2019 13:51
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 10:48:

Vielen Dank für die vielen Beiträge, besonders die gut recherchierten und argumentierten Texte gegen eine Organspende haben mich zum Denken gebracht.
Nichtsdestotrotz besitze ich seit meinem 18. Lebensjahr einen Organspendeausweis mit "JA". Und dabei bleibe ich auch. Mein Beweggrund ist ein ganz einfacher: Sollte ich in einem Alter versterben, in dem meine Organe noch in einem so guten Zustand sind, dass sie transplantationsfähig sind, möchte ich diese nicht - im wahrsten Sinne des Wortes - mit ins Grab nehmen. Wenn meine Organe noch so gut sind, dass sie Leben spenden oder aufrechterhalten können - warum sollte ich sie nicht weitergeben an Menschen, die sie dringender brauchen als ich, wenn ich im Sarg vermoder? Ich würde mir wünschen, dass, wenn ich auf lebensrettende Maßnahmen angewiesen bin, sei es ein Organ oder Knochenmark, es Menschen gibt, die mir helfen, und genau deshalb trage ich den Ausweis bei mir.
Natürlich habe ich Angst vor dem Tod und dem Sterben und manchmal auch davor, dass mein noch lauwarmer Körper als Ersatzteillager geräubert wird. Dies ändert jedoch nichts daran, dass ich der festen Überzeugung bin, dass Organspenden Leben retten können und ich mich dem nicht verwehren möchte. Vllt spielt da aber auch mit rein, dass ich hoffe, dass mein Leben - gerade wenn ich so jung sterben sollte, dass meine Organ genutzt werden können - nicht umsonst war, sondern wenigstens die biologische Masse noch einen weiteren Nutzen hat.


Du sprichst hier das Alter an. Ich dachte auch, das mit der Spende hat irgendwann ein Ende. Nun ist die Mutter einer Freundin verstorben. Sie war Ende siebzig und die Freundin wurde gefragt, ob Organe zwecks Spende entnommen werden dürfen.

Meine Freundin, die gerade mit dem sehr unerwarteten Tod ihrer Mutter irgendwie klarzukommen versuchte, war zutiefst schockiert.
Kann ich verstehen. Daraus ergibt sich für mich, dass man seinen Angehörigen solcherlei Momente ersparen sollte, indem man das vorher regelt u n d der Verwandtschaft auch mitteilt, für was man sich entschieden hat.

Und als Zweites eben die Frage, ob es da kein Ende nach oben gibt? Mich hat das sehr erstaunt.

editiert am 10.05.2019 14:01 Beitrag melden Zitatantwort
10.05.2019 13:57
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 13:00:

Warum möchte keine/r ? helfen Das ist doch die Frage.
Es sollte sich jede/r mal in die Lage versetzen ein Organ were die Hilfe und macht wieder das Leben lebenswert . Warum soll das Leben nicht vom Schmerz befreit werden ! Nur weil keine Hilfe geleistet werden möchte.



Ich schrieb ja von meinem Onkel, da war ich sehr froh, dass ihm geholfen wurde.
Mir geht es aber hier auch sehr um die Bedingungen. Also z.B. ob narkotisiert wird und warum das in der Schweiz Usus ist und in Deutschland nicht.
Ich finde die Diskussion insgesamt wichtig!

10.05.2019 14:04
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 10.05.2019 um 13:57:

Ich schrieb ja von meinem Onkel, da war ich sehr froh, dass ihm geholfen wurde.
Mir geht es aber hier auch sehr um die Bedingungen. Also z.B. ob narkotisiert wird und warum das in der Schweiz Usus ist und in Deutschland nicht.
Ich finde die Diskussion insgesamt wichtig!


Dafür muss man dann auch genug Vertrauen aufbringen, dass das dann tatsächlich auch so getan wird. Ich weiß nicht, wie man das sicherstellen könnte. Alle bisherigen Abläufe, die ebenfalls Vertrauen bedingen, wie z. B. die Nahrungsmittelproduktion oder die ganze Medizin überhaupt, haben genug Beispiele für Fahrlässigkeit zugunsten der Gewinnmaximierung. Vertrauen braucht in dieser Hinsicht für mich andere ethische und wirtschaftliche Hintergründe....

... wo für mich z. B. die Brücke wäre zu Steppenkinds Grundsatzhinterfragung, weshalb sich so viele dagegen entscheiden und was dafür zu verändern wäre.

In einer anderen Zeit, in der kooperativ und nicht in Konkurrenz und Gewinnmaximierung gelebt und gewirtschaftet wird, in der man das Denken und die Materie nicht als neuen Gott erhebt, sondern weiß, dass Geist immer > ist als Materie, weil diese das Ergebnis des Geistes auf der Wirkungsebene ist und das auch berücksichtigt und diesen Bereichen mehr Raum gibt im Verständnis vom Menschen und in den Humanwissenschaften, würde ich diese Frage vielleicht anders entscheiden als jetzt, weil ich andere Parameter für die Entscheidung zur Hand hätte.

Edit: Hab einiges geditet und sorry falls das ein wenig gewurschtelt ist... manchmal mache ich mir einen Knoten in die eigenen Gedanken, weil es so viele auf einmal sind

editiert am 10.05.2019 14:24 Beitrag melden Zitatantwort

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