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Organspendeausweis

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09.05.2019 16:23
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Habt Ihr einen?

Möchtet Ihr Organe spenden, wenn Ihr in die Lage kommt?
Oder kreuzt Ihr klar das Nein an?

Ich tu mich schwer damit. In der Schweiz wird vor der Entnahme anästhesiert, in Deutschland nicht unbedingt. Das entscheidet der Arzt. Ein ärztlicher Kollege von mir meinte, er hätte schon viele Menschen gesehen, denen im hirntoten Zustand Organe entnommen worden seien und die hätten alles andere als einen friedlichen Gesichtsausdruck gehabt. Eher sehr gequält.

Wie entscheidet Ihr?


09.05.2019 16:38
HiddenNickname

Ich habe schon ewig einen.
Ebenso eine Patientenverfügung - hängt ja zusammen.
Ja klar, ist nicht besonders lustig sich mit seinem eigenen Tod auseinanderzusetzen, letztlich für mich jedoch notwendig..wir leben nicht die Generalprobe sondern die Aufführung. Es ist eine individuelle Entscheidung, die in jeglicher Richtung zu akzeptieren ist.

09.05.2019 17:23
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Sehr gutes Thema und gleichzeitig auch ein sehr schwieriges.
Für mich selbst bestehen da so viele Fragezeichen und Unsicherheiten, dass ich aus dem Bauch heraus derzeit wohl eher entscheiden würde lieber nicht spenden zu wollen.
Wird anästhesiert oder nicht? Spielt das nach dem Hirntod überhaupt eine Rolle?
Wer stellt den Hirntod fest bzw. wieviele Verfahren/ Untersuchungen werden durchgeführt, um sicher zu gehen, dass der Hirnfunktionsausfall tatsächlich unumkehrbar ist? Bin ich dann tatsächlich tot? Sterben ist ja kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess. Und wenn mein Herz- Kreislauf-System künstlich aufrecht erhalten wird und mein Herz immer noch schlägt, bin ich dann tot?
Wie lange werde ich als ,,halbtotes Ersatzteillager" künstlich am Leben erhalten? Und was macht das mit meinen Angehörigen?

Zuletzt habe ich im TV eine Reportage gesehen, in der erklärt wurde, dass viele Menschen zwar einerseits via Organspendeausweis in eine Spende einwilligen, gleichzeitig aber in einer Patientenverfügung festgehalten haben, dass sie keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünschen. Diese Menschen scheiden dann automatisch als Spender aus, da für eine Organspende lebenserhaltende Maßnahmen erfolgen müssen. Also auch an dieser Stelle gibt es offenbar viele Unsicherheiten/ Unklarheiten.

Sich aus Unwissenheit gegen eine Organspende zu entscheiden, ist sicher auch nicht der ganz richtige Ansatz. Richtiger wäre - meiner persönlichen Meinung nach - sich doch etwas intensiver mit der Thematik auseinander zu setzen, um dann eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu treffen.

09.05.2019 17:45
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Nein, werde ich nicht machen.
Denn Organe von Toten können nicht entnommen werden.
Hirntod ist eine medizinische Diagnose, von der kein Mensch weiß, was man da noch fühlt.

Auf einer Konferenz 2009 in Rom:
"Man kam damals zu dem Schluss: Der Hirntod ist erstens nicht mit dem Tod gleichzusetzen, zweitens hat die Wissenschaft neue Erkenntnisse, setzt man die bei schwersten Schädelhirntraumen ein, kann man etwa 70 Prozent dieser Menschen retten und die meisten von ihnen in ein normales Leben zurückführen. Der Vatikan veröffentlicht dieses Papier bis heute nicht."

Des Weiteren muss man wissen, dass es möglich ist, dass man komplett ausgenommen wird und zwar wird alles verwendet, was sich irgendwie verwenden lässt und gerade gebraucht wird: Knochenmark, Netzhäute, Herz, Nieren, Blutgefäße, Knochen, Knorpel, Weichteilgewebe, Bauchspeicheldrüse, Haut, Leber, Lunge. Und das lebend und ohne Narkose. Diese Organe können einen Gesamtwert bis zu 1,7 Mio Euro haben, von denen auch die Familie nichts zu sehen bekommt.

Darüber hinaus ist die Abstoßungsrate sehr hoch und man muss für die Empfänger das Immunsystem komplett lahm legen, damit der Körper die implantierten Organe nicht abstößt. Etwa ein Drittel erleiden trotzdem Abstoßungsreaktionen, die medikamentös mit Kortison behandelt wird. Bei etwa 2% wird das Organ dauerhaft abgestoßen.

Nachdem der Körper von allen brauchbaren Organen befreit beerdigt wird, ist es nicht ratsam, die Angehörigen nochmals Abschied nehmen zu lassen, da die Toten nun wirklich tot sind und aussehen wie ein ausgeschlachtetes Auto. Sorry, wenn ich das so direkt sage, aber die meisten machen sich gar keine Vorstellung davon, was das bedeutet. Und es sagt einem auch keiner, so dass man sich wirklich damit beschäftigen kann. Die Angehörigen, die das noch sehen müssen, tun mir wirklich leid.

Man wird behandelt wie ein Toter, auch wenn man noch lebt. Und man MUSS noch leben, sonst sind die Organe unbrauchbar. Wer vorhat, in Frieden zu sterben, egal wie das Ende aussieht, dem würde ich diesen Tod nicht wünschen. Und da ein Toter am Ende nichts mehr darüber sagen kann, werden wir wohl auch nicht erfahren, wie es wirklich war. Sogar bei Bluttransfusionen waren Menschen andere als zuvor.

Ich bin kein Verfechter des Lebens um jeden Preis und würde auch für mich keine solche Leistung in Anspruch nehmen. Manch Herztransplantierter war danach ein anderer und ich denke, wir haben überhaupt keine Ahnung im derzeitigen materialistischen Wissenschaftswahn über die wirklichen Zusammenhänge. Wir können nur Ersatzteile liefern und schauen, dass sie nicht wieder abfallen.

editiert am 09.05.2019 17:49 Beitrag melden Zitatantwort
09.05.2019 17:47
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Das Problem ist, dass sich die allerwenigsten intensiv mit dem Thema befassen und ich würde sagen gute 90 % keine Ahnung haben, was Organspende im Detail bedeutet.

Pauschal sagen viele Ja, weil sie denken etwas Gutes zu tun. Dieser Grund reicht für das Kreuzchen bei Ja. Man ist schließlich "tot".

Nachdem ich mich sehr detailliert mit dem konkreten Ablauf einer Spende in Deutschland befasst habe, mit den bekannten medizinischen/biologischen Fakten und auch Ärzten (sowohl deutschen, als auch internationalen Wissenschaftlern), welche den Hirntod nicht als Tod des Menschen anerkennen, zugehört habe, habe ich mich für das Nein entschieden.

Prinzipiell finde ich Organspende eine gute Sache. Die aktuelle reale Umsetzung möchte ich aber nicht am eigenen Leib erleben müssen.

09.05.2019 18:31
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Ich habe schon lange einen Ausweis. Und ich weiß auch, was es bedeutet auf ein Organ zu warten und wie es das Leben eines Menschen verändert, wenn man eins bekommt. Ich habe damals in dem Bereich gearbeitet.

09.05.2019 18:46
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Ich habe einen Ausweis mit einem klaren Nein zu allen Entnahmen.
Für mich ist ein Mensch erst wirklich tot, wenn er kalt ist.

Nach allem, was ich selbst erlebt habe, indem ich Menschen beim Sterben begleitet habe und nach dem, was mir Krankenschwestern erzählt haben, ist der Hirntod nicht unbedingt das endgültige Ende.
Danach kann ich die Prozentzahl von @eskofra nicht bestätigen, aber es ist durchaus so, dass sich Menschen, die von mehreren Ärzten für tot erklärt wurden, erholt haben und wieder zurück ins Leben gefunden haben.

Die aktuelle Diskussion empfinde ich als zutiefst unwürdig und sollte es tatsächlich dazu kommen, dass der Ausweis abgeschafft, eine Widerspruchslösung eingeführt wird und der Widerspruch nur unter großen Schwierigkeiten abgegeben werden kann, dann lasse ich mir ein deutliches Nein auf den Körper tätowieren.

Edit: Korrektur

editiert am 09.05.2019 18:49 Beitrag melden Zitatantwort
09.05.2019 18:46
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Ohne mich im Detail Medizinisch damit zu beschäftigen,habe ich mich sofort für Nein entschieden.

Weil Medizin ein gewinnorientierte Geschäftszweig ist, das sich die letzten Jahren massiv die Patienten aus den Augen verloren hat.

Für Organspende fehlt mir das Vertrauen in das jetzige Medizineschesytem. Überforderte, ausgebeutetes Personal, vernachlässigte Patienten.

Zu oft habe ich an Anderen und auch in Eigenerfahrung, machen können, wie gewinnorientiert Medizin, das menschliche gegenüber Kranken und Personal abgebaut hat, was das Engagement Einzelner kaum aufheben kann.

editiert am 09.05.2019 18:48 Beitrag melden Zitatantwort
09.05.2019 18:56
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Auch ich finde es sehr gut, wenn Menschen sich mit dem Thema beschäftigen. Ein "nein" anzugeben ist besser, als das Thema einfach grundsätzlich nicht zu überdenken.

Ich selbst habe schon sehr lange einen Organspendeausweis, in dem ich verfügt habe, welche Organe entnommen werden dürfen und dass ich dafür eine Narkose möchte.
Ich habe im Familien- und Freundeskreis 3 Menschen (jünger als ich!), die schon viele Jahre auf eine Niere warten und deren Leben vielleicht durch eine Spender-Niere um Einiges lebenswerter werden könnte.


09.05.2019 20:14
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Gutes Thema, minerva!
Ich habe mich auch für ein klares "Nein" aus ähnlichen Gründen wie meine Vorschreiber_innen entschieden.

Ich finde es wichtig, sich zu Lebzeiten mit allen möglichen Szenarien des eigenen Todes, incl. Beerdigung, zu beschäftigen. Ich möchte nicht, dass sich meine Herzmenschen in dieser schweren Zeit mit derartig entscheidungsträchtigen Gedanken plagen müssen.

Sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen fällt vielen Menschen schwer und doch ist er die einzige Sicherheit, die wir im Leben haben.

Mir fällt es eher sehr schwer, mich mit der Traurigkeit meiner Liebsten zu beschäftigen, wenn ich einst gehe. Ich kann die Welt nicht retten und nur für die sorgen, die mir in meinem Leben begegnen. Deshalb lebe ich heute und versuche, ihnen die bestmögliche Begleiterin zu sein und denen, die mit mir sein wollen, zumindest die Last der Entscheidung abzunehmen.

09.05.2019 20:34
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Ich hab meinen noch während meiner Ausbildung zur Krankenschwester ausgestellt und einer Entnahme in Narkose zugestimmt. Außerdem habe ich die Cornea ausgeschlossen, weil ich mal bei einer Entnahme dabei war und das sehr unschön fand.

Mein Grund ist dabei gar nicht altruistisch, sondern sehr egoistisch. Jeder Organspender erhält die bestmögliche intensivmedizinische Versorgung. Mehrere, voneinander unabhängige Intensivmediziner (die nicht an der Transplantation beteiligt sind) bestätigen den Hirntod. Das passiert nicht nach dem ersten Nulllinien-EEG (über 30 Minuten keine messbare Hirnaktivität), sondern es müssen fest definierte Zeitfenster verstreichen, bevor die rechtssichere Feststellung erfolgen kann. Es gibt in Deutschland etwa eine Zilliarden Richtlinien dafür. Und der Hirntod wird nicht ausschließlich bei Vorhandensein eines Organspendeausweises diagnostiziert, sondern auch um überhaupt festzustellen, ob lebenserhaltende Maßnahmen noch sinnvoll sind (oder ob die Apparate ausgeschaltet werden sollten).

Und ganz ehrlich, ich möchte selbst wenn ich evtl. ggf. nochmal aufwachen könnte (wovon ich bei Verlust des u. A. Atemreflexes, des Hustenreflexes, sonstiger Hirnstammreflexe und einem Nulllinien-EEG nicht ausgehe), mir nicht monate- oder gar jahrelang wie eine welke Gurke in irgendeinem Bett den Hintern wundliegen. Das hat nix mehr von Lebensqualität.

Und auch wenn ich von unserem aktuellen Gesundheitsminister aus vielerlei Gründen nichts halte, bin ich ein Sympathisant der Widerspruchslösung. Weil die dazu zwingt, sich mit dem Thema zu befassen und eine Entscheidung zu treffen. Und ich das außerdem nur für fair halte, da auch in Deutschland Organe über Eurotransplant bezogen werden, die wiederum allzu oft aus Ländern stammen, die eine Widerspruchslösung haben.

09.05.2019 20:35
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Die Gründe sind ähnlich der meiner VorschreiberInnen, ich habe mich schon vor 25 Jahren für nein entschieden, als ich noch in der Anästhesie arbeitete und mich mit meinen KollegInnen unterhielt, die die Organfunktionen (oder das Leben) aufrecht erhalten mussten, bis die Organentnahme beendet war und sie die Geräte ausstellen mussten. Sie waren schwer belastet davon.

Dann arbeitete ich in einer Dialyse und lernte KollegInnen kennen, die dort arbeiteten und sekbst dialysepflichtig in ihrer Freizeit zu Hause im Kreis der Familie beim Spieleabend mit Kindern und Hund im Bett dialysierten und die sagten, sie würden sich nicht für ein Organ entscheiden.
Dann lernte ich eine Kollegin kennen, die eine Niere transplantiert bekommen hatte, die nicht ausreichend arbeitete. Sie war schwer belastet durch die Medikamente und die nicht ausreichende Funktion. Sie hatte mehrfach die Explantation gewünscht und niemand wollte sie durchführen.
Und zu guterletzt, begegnete ich einem Patienten mit einem furchtbaren Gesichtstumor. Nichts half, keinerlei Therapie half auch nur ein Fitzelchen. Irgendwann wurde mir klar, daß jegliche eigene Abwehr vollständig lahmgeldgt war durch die Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen aufgrund einer Nierentransplantation.
Das wird zunehmen, je mehr Menschen Organe transplantiert bekommen.
Es ist ein schwieriges Thema, weil es natürlich mit dem eigenen Tod und dem anderer konfrontiert.


editiert am 09.05.2019 20:45 Beitrag melden Zitatantwort
09.05.2019 20:42
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Wow, ich bin nun doch beeindruckt, wie viele sich für ein Nein entschlossen haben. Derzeit tendiere ich ebenfalls dazu. Soweit ich weiß, ist die Narkose in der Schweiz verpflichtend, in Deutschland ist sie das nicht. Hier gäbe es also noch einiges zu tun.
Tatsächlich würde ich eine meiner Nieren nötigenfalls eher spenden, solange ich am Leben bin. Dann geht die Entnahme sicherlich achtsamer ab.

09.05.2019 20:49
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 20:42:

Wow, ich bin nun doch beeindruckt, wie viele sich für ein Nein entschlossen haben. Derzeit tendiere ich ebenfalls dazu. Soweit ich weiß, ist die Narkose in der Schweiz verpflichtend, in Deutschland ist sie das nicht. Hier gäbe es also noch einiges zu tun.
Tatsächlich würde ich eine meiner Nieren nötigenfalls eher spenden, solange ich am Leben bin. Dann geht die Entnahme sicherlich achtsamer ab.


Das möchtest Du nicht. Dafür müssen nach deutschem Transplantationsgesetz wirklich sehr nahe stehende Menschen oder Familie ein Transplantat benötigen.

editiert am 09.05.2019 20:50 Beitrag melden Zitatantwort
09.05.2019 21:02
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Es wird Zeit, dass transplantgeeignete Organe vollständig gedruckt werden, damit erübrigen sich sowohl Ausweis als auch legal-illegaler Handel (ÄrztInnen sind auch nicht immer koscher).

Das Herz hat man schon hinbekommen.

editiert am 09.05.2019 21:05 Beitrag melden Zitatantwort
09.05.2019 21:17
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Natürlich möchte jeder Mensch leben. Dennoch ist es doch so, dass wir alle sterben müssen, ob wir das wollen oder nicht.

Ich habe einen Ausweis auf dem steht, dass ich nicht spenden möchte. U.a. hat Eskofra schon einige der Gründe, die auch für mich dagegen sprechen aufgeführt.

Das Leben ist endlich. Vielleicht hat jeder Mensch auch seine ganz eigene Stunde dieses Leben zu verlassen. Vielleicht sollten wir, statt an diesem Leben zu sehr festzuhalten, uns mit dem Gedanken aussöhnen, dass es endlich ist.

Das ist vielleicht die größte Angst, der wir uns gegenübersehen...die Angst vor dem Tod. Aber rechtfertigt das diesen kommerziellen Schlachthof und die ganzen Verbrechen (Kindestötung und andere Morde, um an Organe zu kommen in Brasilien und anderen Ländern), die damit einhergehen? Für mich ein ganz klares NEIN.

09.05.2019 21:24
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Zur Glaubhaftigkeitsprüfung
https://www.wiwo.de/techn [...] 700.html

Politik ist wie immer schneckenlangsam und wenig prospektiv.

09.05.2019 21:27
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Zitat
Tehejekuetrheed
schrieb am 09.05.2019 um 21:17:

Natürlich möchte jeder Mensch leben. Dennoch ist es doch so, dass wir alle sterben müssen, ob wir das wollen oder nicht.

Ich habe einen Ausweis auf dem steht, dass ich nicht spenden möchte. U.a. hat Eskofra schon einige der Gründe, die auch für mich dagegen sprechen aufgeführt.

Das Leben ist endlich. Vielleicht hat jeder Mensch auch seine ganz eigene Stunde dieses Leben zu verlassen. Vielleicht sollten wir, statt an diesem Leben zu sehr festzuhalten, uns mit dem Gedanken aussöhnen, dass es endlich ist.

Das ist vielleicht die größte Angst, der wir uns gegenübersehen...die Angst vor dem Tod. Aber rechtfertigt das diesen kommerziellen Schlachthof und die ganzen Verbrechen (Kindestötung und andere Morde, um an Organe zu kommen in Brasilien und anderen Ländern), die damit einhergehen? Für mich ein ganz klares NEIN.


Versteh ich nicht. Was hat mein deutscher Organspendeausweis denn mit illegalem Organhandel in Brasilien zu tun? Oder meine Spendenbereitschaft mit der Angst vor dem Tod?


09.05.2019 21:35
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Einiges.
Der sog. Hirntod muss offiziell (ärztlich) festgestellt werden.
.... solcherlei sind immer Entscheidungen in Spielräumen.

editiert am 09.05.2019 21:40 Beitrag melden Zitatantwort
09.05.2019 21:50
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auch ich gehöre zu der "nein"-fraktion.
warum?

es beginnt schon mit dem ersten satz auf dem ausweis..."stimme ich zu, dass NACH meinem tod"..und genau das ist eine falschinformation!

NACH dem tod sind die organe wertlos...sie müssen also einem noch lebensfrischen körper entnommen werden. das heisst, der spender wird bis zur entnahme des herzens an maschinen am "leben" erhalten. ich weiss aus diversen kreisen, dass es sogar vorkommen kann, dass ein mensch während der entnahme einen herz-kreislauf-stillstand erleidet..es wird jedoch reanimiert. wenn nötig, sogar mehrfach...schliesslich braucht man ja noch die organe. das herz ist dann zwar nicht mehr zu gebrauchen, aber der rest... .das wäre punkt eins.
außerdem ist der druck, der auf die angehörigen ausgeübt wird, unmenschlich...die verstehen doch noch gar nicht, dass der geliebte mensch "weg" sein soll...und dann sollen sie im nächsten moment solch eine entscheidung treffen??

punkt zwei...aus dem engeren bekanntenkreis wurde eine damals 24-jährige für hirntot erklärt, nachdem ihr lebensgefährte sie abends, als er nach hause kam, reglos im flur vorfand. er wurde gar nicht befragt, weil nicht verheiratet, also mussten die eltern entscheiden. sie hätten KEINE lebensverlängernden maßnahmen entschieden...wenn die junge frau zu dem zeitpunkt nicht im 4. Monat schwanger gewesen wäre. also hielt man sie bis zum tag x an den maschinen, um wenigstens das kind zu retten.
lange rede, kurzer sinn...sie ist nach dem not-kaiserschnitt wieder komplett erwacht...zwar halbseitig gelähmt, aber wieder voll da (wobei es dauerte, bis sie kognitiv wieder aufgeholt hatte). seit diesem tag zweifele ich die diagnose "hirntod" massiv an

punkt drei: wozu gibt man eine narkose bei der entnahme? tote brauchen keine narkose...also widerspricht sich das in meinen augen.

punkt vier: ich bin der meinung (und mit mir viele, die in der pflege arbeiten), dass hirntote versterbende sind...und somit finde ich, sollte man diesen menschen beim gehen die hand halten und sie nicht ausschlachten.

punkt fünf: ein ganz wichtiges kriterium ist bei der potentiellen spender-untersuchung der sogenannte apnoe-test. es wird also geschaut, ob die person noch selbst atmen kann.
dazu werden dem potentiellen spender bewusst schmerzmittel und ähnliches verweigert, weil das die ergebnisse verfälschen kann. die betreffende person wird extubiert (also der beatmungsschlauch wird entfernt) und man schaut, ob eine spontan-atmung einsetzt-.

so...jetzt weiss man ja schon eine weile, dass das gehirn maximal drei minuten ohne sauerstoff auskommen kann, alles danach gibt bleibende schäden.
der apnoe-test allerdings kann auch bis zu 20 minuten dauern. ich habe vor kurzem eine sehr interessante doku zu dem thema gesehen (weiss aber leider nicht mehr, wo), wo die potentielle spenderin erst nach 17 (!!!) minuten eine abwehrreaktion gezeigt hat. na herzlichen glückwunsch...wenn das gehirn bis dato noch nicht matsche war, dann spätestens jetzt! für mich ein klares no-go!

punkt sechs: ich bin der meinung, nicht alles, was die medizin kann, muss sie auch umsetzen...für meine begriffe haben wir nicht zu wenig spender, wir haben einfach zu viele kranke menschen! ich kann jeden verstehen, der hoffnung hat, noch eine weile weiter zu leben. aber wie hoch ist der preis? vielleicht sollte uns die tatsache, dass es abstoßungsreaktionen gibt, irgend etwas sagen...es wird etwas kombiniert, was vielleicht nicht so sein soll.
außerdem erschreckt mich der egoismus so mancher potentiellen empfänger. habe mitbekommen dass sich patienten unterhielten: "geil, bei dem wetter ist wieder organ-saison (gemeint waren motorradfahrerInnen). hoffentlich ist auch eins für mich dabei".
das ist hochgradig lebensverhöhnend.
und ich kann mit solchen dingen nicht umgehen.

deshalb bin ich ganz klar gegen organspende. konsequenterweise will ich auch keine empfangen.

just my two cents.

p.s sehr zu empfehhlen: https://www.youtube.com/w [...] D-ow-1H4
doku über eltern, die die organe ihres kindes freigegeben hatten, nachdem der sohn nach einem schweren unfall als "hirntod" galt...
ist eine amateur-aufnahme da der verein sich aus spenden finanziert...aber sehens-bzw. hörenwert allemal!

schlussendlich: wenn sich jeder einzelne mit dem thema auseinandersetzt und dann seine entscheidung trifft, sollte man dies auch als solches akzeptieren, egal in welche richtung....nennt sich meinungsfreiheit aber das haben anscheinend viele menschen mittlerweile verlernt... .



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